Was Walter Scheel mit Tulpe und Doktorhut verbindet

Das ST veröffentlicht in einer Mini-Serie einige Anekdoten aus dem neuen Buch von Wilhelm Rosenbaum

Lesenswerte Anekdoten aus der Klingenstadt hat der Autor und langjährige ST-Mitarbeiter Wilhelm Rosenbaum in seinem Buch „Kurios! Geschichten aus Solingen“ zusammengestellt – eine Kooperation von Tageblatt und Wartberg-Verlag. Einige der kleinen Kapitel stellt das ST in einer Mini-Serie vor. Heute: „Tulpe und Doktorhut“.

Zu den Anekdoten über Walter Scheel gehört, dass er, gerade zum vierten Bundespräsidenten gewählt, sein Büro betrat und eine elegante Schachtel auf dem Tisch vorfand. So, als habe man dem Chef etwas zum Schnübbeln hingelegt. „Was ist das denn?“, lautete seine Frage. Antwort eines dienstbaren Geistes: „Ihr neuer Orden.“ Das Bundesverdienstkreuz der höchsten Stufe bekommt der erste Mann im Staat nämlich automatisch nach seinem Amtsantritt. Die Szene ist für Scheel ohne Frage symbolisch. Ähnlich locker hat er auch die weiteren Schmuckstücke akzeptiert.

Vieles fiel ihm einfach zu. Denn irgendwann gab es eine gelbe Tulpe im niederländischen Keukenhof, die seinen Namen trug. 1982 rückte er per offizieller Briefmarke in den deutschen „Präsidenten- Block“. Eine Scheel-Büste als Dekor auf der Speisekarte ließ Gabriele Henkel 1974 in Düsseldorf bei einem Festessen ihm zu Ehren kreieren. Und es kamen natürlich internationale hohe Ehrungen hinzu: fünf Ehrendoktor-Würden insgesamt, die er mit freundlicher Ironie mit dem herrlichen Satz quittierte: „Es gibt einen Zeitpunkt, wo man nicht mehr damit beginnen kann, ein Toupet zu tragen; das Gleiche gilt auch für einen Doktorhut.“

Es spricht für Scheel, dass er auch posthum in den Herzen seiner (Mit-)Bürger seinen Platz hat. So ehrt ihn Bad Krozingen, sein letzter Wohnort im Südwesten, mit einem „Bundespräsident-Walter- Scheel-Haus“. Die Solinger Philatelisten widmeten ihm zu seinem 100. Geburtstag eine eigene, selbst gestaltete Marke, und die heimische Funkengarde Blau-Weiß 1971 ließ ihn 2020 von ihrem karnevalistischen Sessionsorden freundlich lächeln. Es hätte ihn gewiss auch amüsiert.

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