Aktion

Wallfahrtskirche wird zum Kunstobjekt

Rund 40 Minuten lang fließen Bilder zu Klängen in vier Akten auf die Altarwand der Wallfahrtskirche in Neviges. Foto: Area Composer
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Rund 40 Minuten lang fließen Bilder zu Klängen in vier Akten auf die Altarwand der Wallfahrtskirche in Neviges.

Vier Künstler planen von Solingen aus eine dreitägige Aktion in Neviges. Erzbistum Köln finanziert sie.

Von Philipp Müller

Roland Gaube und Peter Hölscher sind die kreativen Köpfe hinter der Installation „Pharus“, die am 8., 10. und 11. November die Wallfahrtskirche in Neviges in völlig neuem Licht, Ton und Gefühl erscheinen lassen wird. Die Künstler sind Teil des Kollektivs „Area Composer“ aus Düsseldorf. Seit Mai arbeiten sie in Solingen. An der Mankhauser Straße laufen die Fäden für die Vorbereitung der Kunstaktion zum 50. Geburtstag des Mariendoms des Franziskanerordens zusammen.

„Wir sind ganz bewusst von Düsseldorf nach Solingen gezogen“, erzählt Roland Gaube. Man habe ein neues Umfeld für die Design-Agentur gesucht, die die beiden betreiben – und es in alter Industrie-Kultur gefunden. Zunächst habe man sich den Komplex des alten Ohligser Rathauses angeschaut, sei dann aber auf der anderen Straßenseite mit einem alten Fabrikgebäude fündig geworden, dessen Struktur ihnen die kreativen Freiräume besser eröffne, berichtet Gaube. In Ohligs vermischen sie ihre modernen Kommunikationsleistungen mit denen ihrer schöpferischen Seite: der Kunst für andere Orte.

Schon seit drei Jahren planen Hölscher und Gaube, den Mariendom in Neviges zum Objekt ihrer Kunst mit der vieldimensionalen Installation „Pharus“ zu machen. Im Titel „Area Composer“ der Künstlergruppe steckt schon die Idee: Beide bringen gewohnte Räume in ganz neue Zusammenhänge.

Hölscher begann zunächst damit, rund 4000 Fotografien vom Dom anzufertigen. Diese sind die Basis für seine „Liquid Images“. Bei dieser Technik werden die einzelnen Fotos so langsam und damit fast unmerklich überblendet, dass der Eindruck entsteht, die Bilder würden fließen.

Gaube konfrontiert die Bilderflut dann mit seinen Klanginstallationen. Dazu hat er sogar die Töne des Alltags aus dem Dom aufgenommen, kombiniert diese mit Orgel- oder Chorklängen, bindet elektronische Musik ein. Selbst die Domorgel wird erklingen – ohne Organist. Per digitaler Schnittstelle soll dem Instrument im vierten der vier „Pharus“-Teile Musik entlockt werden, die ein einzelner Musiker nicht spielen könnte.

Wichtig ist beiden zu erwähnen, dass sie nicht nebeneinander arbeiten. Sie verstehen sich als Team. Auch wenn zunächst die Bilderwelt konstruiert worden sei, so habe man diese doch wieder geändert, wo die Musik es erfordert habe. Auch umgekehrt geht der Weg. Zugleich seien sie auf die besondere Architektur des Doms eingegangen. Sein Hall sei nicht an jeder Stelle gleich. Daher musste die Musik entsprechend gestaltet sein, um überall klar zu klingen.

KÜNSTLER-DUO

FIRMA Roland Gaube und Peter Hölscher gehört umbra, die „Design-Agentur für klare Kommunikation“.

KUNST Liquid Images sind bewegte Bilder zwischen Foto, Video und Klangkunst. Basis sind Fotografien, die zu Videos zusammengesetzt werden.

ANSPRUCH Hölscher und Gaube setzen auf eine neue Wahrnehmung von Bauwerken. Ihre digitalen Inszenierungen wurden im In- und Ausland aufgeführt.

Für Bruder Frank Krampf vom Franziskanerorden bedeuten die drei Aufführungstage vor allem dies: „Wir wollen im Rahmen des Dom-Jubiläums zeigen, was Kirche heute kann, welche Aussagen sie für moderne Zeiten hat.“ Dazu greife auch das Erzbistum Köln in die Tasche und stemme große Teile der Finanzierung des etwa 30 000 Euro großen Etats für das Ereignis.

Mariendom wird zur Plattform für Kunst und Diskussionen

Der Dom solle zum Pharus, zum Leuchtturm, werden. Dazu ist er bestens geeignet. Der nach einem Entwurf des Architekten Gottfried Böhm im Stil des Brutalismus errichtete Beton-Körper sorgt seit 1968 für viele Diskussionen und gilt doch heute als einer der ganz wichtigen Kirchenbauten des 20. Jahrhunderts.

Für die Installation holten sich Gaube und Hölscher zwei weitere Personen mit ins Boot. Dorothee Pilavas fungiert als „Art Projektorin“ für „Pharus“. Aus Göttingen reist die Künstlerin Uta von Schenck an. Sie hat sich auf Licht-Dramaturgie spezialisiert und wird die Kirchenfenster des Doms von außen beleuchten. Innen kommt der Ton aus einer Elf-Kanal-Surround-Anlage, drei Hochleistungsbeamer sorgen für den Fluss der Bilder.

Die 40-minütige Aufführung wird zweimal an jedem Tag zu erleben sein. In der „Pause“ wollen die Künstler mit dem Publikum das Erlebte diskutieren. „Pharus“ greift dazu bewusst das Thema Pilgerfahrt auf, trägt daher auch den Untertitel „Installation zur inneren Reise“.

Infos unter: https://pharus.area-composer.de

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