Interview

Paul Westeppe: Der Waldumbau ist eine Jahrhundertaufgabe

CDU-Bezirksbürgermeister Paul Westeppe möchte in seinem Stadtbezirk unter anderem den Tourismus voranbringen und die vielerorts angespannte Parkplatzsituation verbessern. Foto: Michael Schütz
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CDU-Bezirksbürgermeister Paul Westeppe möchte in seinem Stadtbezirk unter anderem den Tourismus voranbringen und die vielerorts angespannte Parkplatzsituation verbessern.

Der neue CDU-Bezirksbürgermeister von Burg/Höhscheid spricht über Klimawandel, Tourismus und seine umstrittene Wahl.

Von Kristin Dowe 

Solingen. Herr Westeppe, an Ihrer Wahl zum Bezirksbürgermeister von Burg/Höhscheid gab es auch Kritik. Wie haben Sie die Diskussion aufgenommen?

Paul Westeppe: Eigentlich ist das für mich kein Thema. Hier hat die Bezirksvertretung entschieden, diese Entscheidung müssen wir respektieren und die daraus resultierende Verantwortung tragen.

Stört es Sie, dass der Bezirksvertreter der AfD sich als Zünglein an der Waage aufspielen kann?

Westeppe: Herr Montag ist in einer demokratischen Wahl in dieses Gremium gewählt worden. Wir sind als Demokraten aufgefordert, damit verantwortungsbewusst umzugehen. Als Bezirksvertretung müssen wir Sacharbeit leisten und den Stadtbezirk gut vertreten. Dem fühle ich mich verpflichtet und nicht irgendeiner Interpretation einer geheimen Wahl.

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe als Bezirksbürgermeister?

Westeppe: Zunächst muss ich das Gremium so zusammenführen, dass man eine vernünftige Arbeit machen kann und die Dinge so vorbereiten, dass wir in den Sitzungen zu guten Ergebnissen kommen, die schlussendlich dem Wohl der Bürgerinnen und Bürger dienen. Dafür müssen wir alle Gruppierungen, aber auch Verbände und Vereine sowie die Verwaltung in die Arbeit mit einbinden.

Welche Themen werden die Bezirksvertretung dauerhaft begleiten?

Westeppe: Wir werden uns sicherlich in den kommenden fünf Jahren mit dem Waldumbau von Solingens waldreichstem Stadtbezirk beschäftigen müssen. Der Klimawandel und auch der Borkenkäferbefall haben unsere Wälder stark geschädigt. Deshalb müssen wir uns gemeinsam mit Rat und Verwaltung darum bemühen, dass wir künftig einen stabilen Klimanutzen aus dem Waldumbau ziehen können, aber auch die Freizeit- und Erholungsfunktion des Waldes stärken. Beispielsweise wird die Fichte in den kommenden Jahren nicht mehr vorhanden sein. Wenn man die Flächen abräumt, muss man sie folglich mit klimageeichten Baumarten bestocken, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen in unseren Breiten zurechtkommen. Das ist eine Jahrhundertaufgabe.

Welche Fortschritte gibt es beim geplanten Nahverkehrskonzept für Burg?

Westeppe: Zum einen haben wir in der Bezirksvertretung in der letzten Wahlperiode gefordert, ein Nahverkehrskonzept für Burg vorzulegen. Zwischenzeitlich wurden die Straßenbaumaßnahmen abgeschlossen, so dass wir uns jetzt dringend darum kümmern müssen. Dabei sollen unterschiedliche Verkehrsarten verknüpft werden, damit Burg besser erreichbar wird. Da müssen künftig auch Untersuchungen für moderne Verkehrsarten angestellt werden. Schauen Sie sich beispielsweise den kleinen autonomen Bus an, der ohne Fahrer durch Monheim rollt. Vielleicht wäre so etwas auch als Verbindung zwischen Unter- und Oberburg und Höhrath denkbar. Bei dem Verkehrskonzept geht es allerdings nicht nur um Burg, sondern auch um die Anbindung der Peripherie im übrigen Stadtbezirk.

Wie kann man den Tourismus in Burg ankurbeln?

Westeppe: Dafür kann die Politik nur die Rahmenbedingungen schaffen. Wir attraktivieren ja in Verbindung der drei bergischen Großstädte gemeinsam mit dem Schlossbauverein das Schloss bis zum Jahr 2025. Dabei schaffen wir ein neu überarbeitetes Museum auf Schloss Burg, das eine andere und konkrete museale Aussage treffen wird. Außerdem sanieren wir das Umfeld von Schloss Burg, so dass Events dort künftig möglich werden. Über das Städtebauförderungsprogramm können außerdem Mittel für die Sanierung von Fassaden zur Verfügung gestellt werden. Die Initiative dazu muss aber von den Eigentümern ausgehen. Auch für die Umgestaltung der Wupperinsel gibt es viele Ideen. Dort wird unter anderem dringend eine Toilettenanlage benötigt, die bislang immer an der Finanzierung gescheitert ist. Möglicherweise stehen dafür jetzt Mittel aus dem Städtebauförderungsprogramm zur Verfügung.

Wie bekommt Burg die angespannte Parkplatzsituation in den Griff?

Westeppe: Wir werden ja zunächst den Parkplatz an der Hasencleverstraße bald wieder zur Verfügung haben. Weitere Parkplätze könnten eventuell auf einer Fläche am Straßendreieck am Burger Bahnhof entstehen, die zurzeit mit Bauschutt belegt ist. Das Fernziel ist, auf dem Gelände am Ortsausgang von Oberburg eine möglichst naturnahe Parkanlage ähnlich wie in Müngsten zu schaffen. Das ist zum einen mit relativ hohen Investitionskosten verbunden, und zum anderen muss an der Stelle die Frage des Grunderwerbs gelöst werden, da sich die Grundstücke am Englischen Garten dort oben nicht in städtischem Besitz befinden und von der Stadt erworben werden müssten. Auch der Parkplatz am Sportplatz an der Talsperrenstraße in Oberburg soll hergerichtet und erweitert werden. Dort können dann weitere 80 Parkplätze entstehen.

Welchen Wunsch haben Sie für die diese Wahlperiode?

Westeppe: Ich wünsche mir, dass wir in der Bezirksvertretung zu einem schlagkräftigen Gremium zusammenwachsen und die Belange der Bürgerinnen und Bürger des Stadtbezirks gegenüber Rat und Verwaltung erfolgreich vertreten können.


Hintergrund

Paul Westeppe, studierter Jurist, war bereits über 15 Jahre Bezirksbürgermeister von Burg/Höhscheid – von 1999 bis 2014. In der vergangenen Wahlperiode war er stellvertretender Bezirksbürgermeister und wurde nun mit knapper Mehrheit erneut gewählt.

Auch die neuen Bezirksbürgermeister Gundhild Hübel (Ohligs, Aufderhöhe, Merscheid), Peter Hanz (Gräfrath) und Hansjörg Schweikhart (Mitte) standen in den vergangenen Wochen im ST-Interview Rede und Antwort. 

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