Trockenheit

Waldschäden sind Jahrzehnte sichtbar

Ausgetrocknete Bäume werden gefällt und vermarktet. Archivfoto: Axel Richter
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Ausgetrocknete Bäume werden gefällt und vermarktet.

Ersatzaufforstung der abgetrockneten Bäume ist eine Aufgabe für ganze Generationen.

Von Philipp Müller

Die Trockenheit setzt den rund 2300 Hektar Wald in Solingen mächtig zu. Vermutlich geht auf vielen Flächen in den kommenden Wochen Wald verloren, der Umfang ist aber noch nicht absehbar. Weitere Schäden werde sich erst in den beiden Folgejahren zeigen, ist sich der Abteilungsleiter Wald und Landschaft der Stadt Solingen, Markus Schlösser, sicher. Ist der Wald erst einmal weg, muss neuer her. Da gibt es einige Strategien.

Was passiert mit den ausgetrockneten Bäumen? Sie werden gefällt und vermarktet. Dabei gibt es das Problem, dass der Holzpreis stark in den Keller gefallen ist und oft die Kosten der Fällaktionen nicht unbedingt auch durch den Verkauf der Stämme gedeckt werden können, berichtet Forstdirektor Stephan Schütte vom für Solingen zuständigen Forstamt in Königswinter.

Was kann auf die Flächen anschließend gesetzt werden? Experten wie Schlösser und Schütte raten zu Mischwäldern. Neben den durch die Trockenheit bedrohten Fichten gehören dazu auch Laubbäume wie Eichen und Buchen. Markus Schlösser bringt auch weitere Arten ins Gespräch. Er nennt die Esskastanie, die weiße Tanne, die Küstentanne aber auch die lindenblättrige Birke. Schütte verweist darauf, dass man auch Bäume anpflanzen müsse, die man später wirtschaftlich wieder vermarkten könne.

Ist Mischwald gleich Mischwald? Genau das sei nicht der Fall, erklärt Dr. Jan Boomers, Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper. Entscheidend beim Mix der Bäume sei es, darauf zu achten, dass man keine Arten verwendet, die alle anderen Bäume verdrängt. Boomers erklärt auch, dass man die Folgen des Klimawandels jetzt noch nicht absehen könne. Daher müsse man im Zweifel eine sehr hohe Anzahl an Arten betrachten und schauen, was am besten wachse.

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Kann man die Natur sich nicht einfach selbst überlassen? Das verneint Markus Schlösser. Und er nennt ein Beispiel: Nach dem Sturm Kyrill vor zwölf Jahren habe man unterhalb von Burg Hohenscheid eine Fläche mit Fichten nicht fällen können. Das Gelände war schwer erreichbar, der Aufwand erschien zu hoch. Trotzdem habe sich dort eine Naturverjüngung eingestellt. Doch die könne man nur von außen beobachten, weil immer noch abgestorbene Fichten am Hang stehen würden. Rode man aber die Fläche, würde sich eine Verjüngung der Flora ebenfalls einstellen. So im Bereich der Waldschule in Strohn nahe der Sengbachtalsperre. Dort hätten sich in den vergangenen Jahren wieder Buchen, Eichen und Lerchen angesiedelt. Fichten dränge man zurück. Viele weitere Arten würden zur Vielfalt beitragen. 

WALDSTERBEN 2019

GRÜNDE Das zweite Jahr in Folge ist es zu trocken. Die Böden sind teilweise bis zu 1,80 Meter Tiefe ausgetrocknet. Manche Wurzeln können so kein Wasser mehr ziehen. Die Bäume sterben ab. Andere Arten werden etwa von Pilzen befallen. Die Eschen an ihren jungen Trieben. Diese Art droht völlig auszusterben. Auch der Borkenkäfer wird zum Problem. Fichten haben nicht genug Wasser, um Harz zu bilden, der die Schädlinge eindämmt. So vermehren sich die Käfer in großer Zahl.

BAUMARTEN Neben Fichten und Eschen sind auch Laubbäume betroffen. Sie sterben in den Kronen ab. Das Totholz droht etwa an Wanderwegen zur Gefahr zu werden. Die Stadt beschneidet deshalb betroffene Bäume.

Kann man nicht klimaresistentere Bäume verwenden? Das befürworten sowohl Markus Schlösser von der Stadt, Stephan Schütte vom übergeordneten Forstamt als auch der Biologe Dr. Boomers. Letzterer erklärt, dass man aber in den Naturschutzgebieten, sie machen etwa neun Prozent der Stadtfläche Solingens aus, nur heimische Bäume setzen solle, da liege das entsprechende Naturschutzgesetz richtig. Das sieht Forstdirektor Schütte anders. Man müsse umdenken und das Verbot für fremde Arten in diesen Gebieten lockern. Mit Douglasien und Atlas-Zedern könne man beispielsweise Bäumen eine Chance geben, die deutlich besser mit trockenen Bedingungen zurechtkommen würden. 

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Ist genug Geld da, um die Solinger Wälder wieder aufzuforsten? Das sei nicht der Fall, erklärt Markus Schlösser. Momentan halte man alle Schäden in einem Wald-Kataster fest. Anschließend müsse man Fördergelder beantragen. Doch es sei nicht sicher, dass die Waldschulen auch bei genug Finanzmitteln überhaupt genug Jungbäume liefern können. Denn trockenen Wald gibt es in der ganzen Bundesrepublik. Zugleich erklärt er, die Aufforstung sei eine Sache von Jahrzehnten. Man werde erst in zehn bis 20 Jahren Erfolge durch größere und gesunde Bäume sehen können.

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