Ohligs

Aus Wald wird wieder Heidefläche

Auch wenn es noch schwer vorstellbar ist: An dieser Stelle soll in den kommenden Monaten ein Heidegebiet entstehen. Foto: Christian Beier
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Auch wenn es noch schwer vorstellbar ist: An dieser Stelle soll in den kommenden Monaten ein Heidegebiet entstehen.

Die Renaturierung der Ohligser Heide schreitet voran. Dafür wird seit Montag Mischwald gerodet.

Von Manuel Böhnke

Mit einem Bagger kämpft sich Peter van Schaijck durch die Ohligser Heide. Am Arm der Baumaschine ist eine große Schere befestigt. Mit 350 bar Druck knipst sie Baumstämme mit einem Durchmesser von bis zu 45 Zentimetern einfach durch. Baum für Baum arbeitet sich der Bagger voran, knipst wieder und stapelt die Stämme. Später werden daraus Holzspäne. In wenigen Stunden hat Schaijck mit einem Kollegen, der kleinere Bäume und Sträucher mit der Kettensäge entfernt, eine beachtliche Lichtung geschaffen. Dort soll eine Heidelandschaft entstehen. Genau wie an vier weiteren Stellen in dem 147 Hektar großen Gebiet, die zu diesem Zweck in den kommenden zwei Wochen gerodet werden. Der Startschuss fiel am Montag.

Seit vielen Jahren wird an der Renaturierung des Naturschutzgebietes Ohligser Heide gearbeitet. Das Ziel ist, die ursprüngliche Beschaffenheit der Landschaft wiederherzustellen. Dazu gehört, den Anteil standortfremden Mischwalds, der sich in der Vergangenheit im Heideland angesiedelt hat, zu vermindern. Dies soll schützenswerte und seltene Tier- und Pflanzenarten bewahren, die in Heidelandschaften leben und wachsen. Dafür setzt sich auch die Europäische Union ein. Die Renaturierung in Ohligs wird zu 100 Prozent von der EU und dem Land Nordrhein-Westfalen als Teil eines europaweiten Projektes „Atlantische Sandlandschaften“ gefördert. Die Biologische Station Mittlere Wupper koordiniert die Maßnahme.

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„Wir schaffen ein Stück neue Natur“, sagt Peter van Schaijck. Der Landschaftsbauer ist Betriebsleiter bei der Johannes Janßen GmbH & Co. KG. Das Unternehmen aus Kalkar führt die Rodungen im Auftrag der Stadt durch. Gefällt werden vorrangig standortfremde Gewächse wie Eschen oder Vogelkirschen. Kiefern und Birken bleiben dagegen beispielsweise stehen, sofern ihr Zustand in Ordnung ist.

Im Sommer 2019 könnten bereits wieder Heidepflanzen wachsen

Begonnen haben die Arbeiten am Montag rund um das Heidebad. Stückweise werden sie sich auf die anderen Gebiete ausweiten. „Das ist jeden Tag eine Herausforderung“, sagt Schaijck. Schließlich sollen die wertvollen Bodenschichten bei den Arbeiten so wenig wie möglich beschädigt werden. Deshalb muss der 49-Jährige seinen Bagger vorsichtig und sparsam bewegen. Unnötige Wege seien unbedingt zu vermeiden. Geht es gar nicht anders, wird auf die Arbeitsmaschine verzichtet. Ein Gebiet rodet er mit seinen Kollegen in der Ohligser Heide händisch. Dort ist der Boden zu feucht – der Einsatz des Baggers würde erhebliche Schäden verursachen.

Sind die Flächen gerodet, tragen die Landschaftsbauer die 10 bis 15 Zentimeter dicke oberste Humusschicht ab. Der darunter liegende nährstoffarme Untergrund bietet den typischen Heidepflanzen eine gute Umgebung. Laut dem Landschaftsbauer soll der Boden erst im kommenden Jahr abgetragen werden, „um der Natur Ruhe zu lassen“.

OHLIGSER HEIDE

NATURSCHUTZ Das Naturschutzgebiet Ohligser Heide ist 147 Hektar groß.

EXKURSION Am 12. Oktober bietet die Biologische Station Mittlere Wupper ab 16 Uhr eine Exkursion mit Informationen zur Renaturierung der Ohligser Heide an. Treffpunkt ist der Wanderparkplatz Ohligser Heide (Straße Engelsberger Hof). Anmeldungen und weitere Informationen: Tel. 2 54 27 27.

„Nächstes Jahr im Sommer könnte hier wieder Heide sein“, sagte Schaijck, während er auf das Chaos aus Stämmen, Ästen und Blättern um sich herum schaut. Dazu braucht es freilich neue Pflanzen. Das nötige Saatgut könne man bei professionellen Händlern einkaufen. Kostengünstiger sei aber, den Rückschnitt der in Ohligs bestehenden Heidebepflanzung auf den neuen Gebieten zu verstreuen. Wie es gemacht wird, stehe noch nicht fest.

Sobald wieder Pflanzen auf den renaturierten Flächen wachsen, sei Eile geboten. „Pflege, Pflege, Pflege“, beschreibt Schaijck prägnant, was zu tun ist. Zum einen sollten alsbald Schafe in dem Gebiet grasen, um die Artenvielfalt langfristig zu sichern. Zum anderen müsse darauf geachtet werden, nachwachsende Pflanzen oder Bäume, die nicht erwünscht sind, rasch zu entfernen. In seiner Heimat Kalkar habe sich eine Gruppe Naturfreunde zusammengeschlossen, um an mehreren Terminen pro Jahr die dortigen Heidelandschaften ehrenamtlich zu pflegen.

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