Rezepte für die Weihnachtsbäckerei

Oma wäre stolz auf die Kokosmakronen

Die Arbeit hat sich gelohnt. Die Kokosmakronen von Stephanie Licciardi sind fertig und dürfen genossen werden.
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Die Arbeit hat sich gelohnt. Die Kokosmakronen von Stephanie Licciardi sind fertig und dürfen genossen werden.

ST-Mitarbeiterin verrät ihre Lieblingsrezepte bei der Weihnachtsbäckerei.

Text und Fotos von Stephanie Licciardi

Remscheid. Plätzchenbacken gehört in der Adventszeit dazu wie Glühwein und Lichterkette. ST-Mitarbeiterin Stephanie Licciardi blätterte in ihren Lieblingsrezepten.

Wenn ich den Soundtrack meiner Kindheit in der Vorweihnachtszeit benennen müsste, würde ich sagen „In der Weihnachtsbäckerei“. Schon als kleines Mädchen zog mich die silberne Truhe, in der meine deutsche Oma Jahr für Jahr ihre Kokosmakronen, Zimtsterne und Spritzgebäck deponierte, magisch an. Meist lief im Hintergrund Rolf Zuckowski während ich mir die Kekse schmecken ließ. Noch ein Vierteljahrhundert später erinnere ich mich in der Adventszeit gerne an unsere Backnachmittage.

Rühren und kneten bis der Teig die richtige Konsistenz hat.

Meine Oma besaß ein Rezeptbuch mit dem Titel „Backen macht Freude“ von 1963. Ein gewisser Doktor sammelte hier auf rund zweihundert Seiten alle lukullischen Genüsse der 60er-Jahre-Küche.

Am ersten Adventssonntag ist es soweit: Das Buch hat seinen Auftritt. Auf Seite 180 befindet sich unser Familien-Geheimrezept: Kokosmakronen. Nun sind diese köstlichen Plätzchen mit Baiser-Kokoshaube und Oblate seit Familiengedenken unsere Paradedisziplin und Zankapfel zugleich. Denn witzigerweise kämpften Großmutter und Enkelin alljährlich mit widerspenstigem Eischnee, hingegen die zweite Generation, also meine Mutter, problemlos Häubchen um Häubchen in Rekordgeschwindigkeit auf die Oblaten löffelte.

Beim Ausstechen der Plätzchen ist Sorgfalt angesagt.

Berliner Brot: Aber dazu später mehr. Mittlerweile haben US-amerikanische Weihnachtsklassiker Rolf Zuckowski abgelöst, und ich wende mich dem Berliner Brot zu. Für zwei Bleche rühre ich zunächst 375 Gramm Butter, 100 Gramm Zucker und zwei Eier schaumig. Anschließend werden 750 Gramm Mehl, ein Päckchen Backpulver, ein halber Teelöffel Zimt sowie gemahlene Nelken, vier Esslöffel Kakao, eine halbe Tasse Milch und 375 Gramm gehackte Nüsse hinzugegeben. Nun muss der Teig durchgeknetet werden, was bei der Zähigkeit ein Kunststück ist. Anschließend wird dieser auf dem mit Backpapier vorbereiteten Blech ausgerollt. Bei etwa 180 Grad Ober-/Unterhitze backt das Brot etwa 30 bis 40 Minuten.

Die Ergebnisse einer gelungenen Backorgie.

Kokosmakronen: Anschließend widme ich mich wieder dem „Backen macht Freude“. Mein Mantra auch in diesem Jahr, gilt es doch, den kulinarischen Kindheitsfreuden wieder Leben einzuhauchen. Vier Eiweiß landen zunächst in der Schüssel, die zu einem steifen Schnee geschlagen werden. Dieser sollte so fest sein, dass ein Messerschnitt sichtbar ist, oder wie in meinem Test: Der Schnee landet nicht auf meinen Kopf. Dann gebe ich 200 Gramm Zucker, eine Messerspitze Zimt und einige Tropfen Bittermandel-Öl hinzu. Älteren wird der Begriff Backöl an dieser Stelle etwas sagen, ich musste diesen Begriff erst googeln. Dann hebe ich die Kokosflocken vorsichtig unter, denn der weitsichtige Autor schrieb 1963: nicht rühren! Die Oblaten liegen auf den Blechen bereit und portionsweise häufe ich Häubchen für Häubchen auf das Backblech. Der auf 150 Grad heiße Ofen nimmt anschließend für 20 bis 25 Minuten die kostbare Fracht auf. Nun heißt es Daumen drücken: Verläuft die Masse oder wird sie hart? Glück gehabt, nach rund 20 Minuten sind die Kokosmakronen, wie sie sein sollen: köstliche Türmchen mit leichter Bräunung.

Zitronenherzen: In den 1960er Jahren verschwendete die Hausfrau weder Zeit noch Geld noch Lebensmittel, und so verbrauche ich die vier übrig gebliebenen Eigelbe für Zitronenherzen. Diese werden mit 120 Gramm Zucker, einem Päckchen Vanillinzucker schaumig geschlagen, bis eine cremeartige Masse entsteht. Dazu rühre ich drei Tropfen Zitronenöl, eine Messerspitze Backpulver und Mandeln, wer lieber Haselnüsse mag, nimmt diese, bis ein fester Brei entsteht. Auf dem mit Mandeln und Puderzucker bestreuten Küchentisch rolle ich den Teig etwa einen halben Zentimeter aus und steche Herzen aus. Diese verschwinden für zehn bis 15 Minuten im 175 Grad heißen Backrohr.

Nach fünf Stunden, in denen ich noch Cake Pops und Butterkekse gebacken habe, schließe ich, für heute, die Weihnachtsbäckerei. Und während ich genüsslich in eine Kokosmakrone beiße, bin ich sicher, dass meine Oma vom Himmel stolz auf mich herunterblickt und sich denkt: „Meine Enkelin kann doch Kokosmakronen backen!“

Hintergrund

1911 brachte der Ceres-Verlag Rudolf-August Oetker das Dr. Oetker Backbuch „Backen macht Freude“ auf den Markt. Mit etwa 45 Millionen verkauften Exemplaren zählt das Backbuch zu den Bestsellern in deutschen Küchen. Mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Rezepten und Bildern weckt „Backen macht Freude“ nicht nur die Fantasie von Hobbybäckern an.

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