Vortragsreihe widmet sich Jüdinnen, die Pionierarbeit geleistet haben

Die Journalistin Stefanie Mergehenn porträtiert für die Bergische Volkshochschule starke Frauen

Von Susan Jörges

Bertha Pappenheim war Sozialpolitikerin, Feministin und Jüdin. Eine starke Persönlichkeit, findet Stefanie Mergehenn. Am Freitagnachmittag berichtete sie eindrücklich und einfühlsam in einem Online-Vortrag der Bergischen Volkshochschule (VHS) über das bewegte Leben der 1859 in Wien geborenen Pappenheim.

Der Vortrag ist Teil einer Reihe von sechs Veranstaltungen. Mergehenn stellt jüdische Frauen vor, etwa die Atomphysikerin Lise Meitner oder die Schriftstellerin Deborah Feldman (| Kasten). Im vierten Jahr in Folge porträtiert die Solinger Journalistin starke Frauen, die Pionierinnen auf ihrem Gebiet waren und allen Hürden und Konventionen zum Trotz enorme Leistungen im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Bereich erbracht haben.

Dass jüdische Frauen im Fokus der Vortragsreihe stehen, ist kein Zufall: Im Festjahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Mit bundesweiten Ausstellungen, Theaterprojekten und Veranstaltungen soll jüdisches Leben sichtbar und erlebbar gemacht werden. Auch, um dem erstarkenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen. „Jüdische Frauen waren oft sehr gebildet und lebten ihrer Zeit voraus, das ist in der Öffentlichkeit oft nicht bekannt“, sagte Mergehenn.

Mitschnitt der Veranstaltung ist demnächst als Podcast verfügbar

Sichtbar werden sollte am Freitag auch das Leben und Leiden der Bertha Pappenheim. Als Pionierin gründete sie 1904 die erste jüdische Frauengruppe, kämpfte gegen Verschleppung von jungen Frauen aus Osteuropa und stärkte die weiblich-jüdische Identität. Doch zeitlebens litt Pappenheim unter psychischen Problemen. Aufgrund der Erkrankung und des späteren Tods ihres Vaters verfolgten sie Halluzinationen und Angststörungen. „Hysterien“, wie Männer damals zu sagen pflegten.

Ihr behandelnder Arzt Josef Breuer animierte die Kranke, teils unter Hypnose, zum Erzählen von Geschichten, um Angst und Traumata abzulegen. Ihre Fallgeschichte trägt maßgeblich zur Begründung der Psychoanalyse, einer Therapieform der Psychotherapie, unter Sigmund Freud bei.

„Für Pappenheim gab es als gebildete und begabte junge Frau keinen Platz in der jüdisch-orthodoxen Welt. Ihre psychische Krankheit war Ausdruck ihres Leidens“, erklärte Mergehenn. Wie viele andere Juden geriet Pappenheim in den Fokus der Nationalsozialisten, die das von ihr gegründete Mädchenheim in der Reichspogromnacht niederbrannten. Sie starb 1936 in Neu-Isenburg. Heute sind Plätze, Ausstellungen und Museen nach ihr benannt.

Eine Zuhörerin hatte sich sogar aus Dessau zugeschaltet, auch wenn die Teilnehmerzahl der Online-Veranstaltung eher gering war. Der Mitschnitt der Veranstaltung wird demnächst als Podcast auf der VHS-Website verfügbar sein.

Weitere Termine

23. April: Lise Meitner, Atomphysikerin

11. Juni: Deborah Feldman, Schriftstellerin

3. September: Ruth Bader Ginsburg, US-amerikanische Richterin

29. Oktober: Ingeborg Rapoport, Kinderärztin

10. Dezember: Ruth K. Westheimer, Sexualtherapeutin

Teilnahme: Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldung im Netz.

www.bergische-vhs.de

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