Schritt für Schritt

Vorschulkinder kehren in die Kitas zurück

Lorin Boll, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Dönhoffstraße, erwartet im ersten Schritt der Kita-Öffnung ab morgen fünf Kinder. Foto: Christian Beier
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Lorin Boll, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Dönhoffstraße, erwartet im ersten Schritt der Kita-Öffnung ab morgen fünf Kinder.

Am Donnerstag beginnt die schrittweise Öffnung der Kindergärten - die Notbetreuung läuft weiter.

  • Kitas in Solingen beginnen mit der schrittweisen Öffnung.
  • Kinder müssen sich an veränderte Abläufe gewöhnen.
  • Kontakt zu denen, die zu Hause bleiben, wird aufrecht erhalten.

Von Anja Kriskofski

Solingen. An den Grundschulen wird seit einer Woche wieder unterrichtet. Am Donnerstag starten nun auch die Kindertagesstätten neben der Notbetreuung mit der langsamen Wiederaufnahme des Betriebs. Zunächst kehren Vorschulkinder, die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket bekommen, und Kinder mit einer Behinderung zurück. Jungen und Mädchen ab zwei Jahren dürfen wieder in der Tagespflege betreut werden. „Wir sind vorbereitet“, sagt Stefanie Röttger, Leiterin der inklusiven Kindertagesstätte „Die kleinen Holzwürmer“.

Schrittweise soll es in den kommenden Wochen weitergehen: Ab 28. Mai können alle Vorschulkinder wieder in ihre Kitas kommen. Eine dritte Stufe soll ab 11. Juni greifen.

In der Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Dönhoffstraße besuchen derzeit zehn Kinder die Notbetreuung. Donnerstag kämen fünf weitere dazu, die nach dem ersten Öffnungsschritt zurückkehren dürfen, berichtet Leiterin Lorin Boll. Ende Mai könnten es mit den übrigen Vorschulkindern noch elf Jungen und Mädchen mehr werden. „Die Kinder freuen sich, dass sie kommen dürfen“, sagt Boll. Gerade für die Ältesten, die im Sommer eingeschult werden, sei es wichtig, dass sie sich noch richtig von der Kita verabschieden können.

Solingen: Auch Austausch mit denen, die zu Hause bleiben

Dort müssen sie sich jedoch an veränderte Abläufe gewöhnen. Die Kinder würden derzeit in Gruppen von maximal fünf betreut. Die Eltern dürfen die Einrichtung nicht betreten. Die Mahlzeiten können nicht für alle gemeinsam im Bistro stattfinden. Angebote, die viel Nähe mit sich bringen, gebe es derzeit auch nicht. „Wir machen viel auf dem Außengelände“, erläutert Boll. Dass die Gruppen dabei getrennt bleiben müssen, verstünden die Kinder ohne Probleme.

In den sechs Solinger Kindertagesstätten der Arbeiterwohlfahrt habe ab Donnerstag rund ein Fünftel der 400 Jungen und Mädchen einen Anspruch auf Betreuung, berichtet Awo-Vorstand Dirk Wiebenga. Die Eltern würden kontaktiert. Die Hygienemaßnahmen auch mit mehr Kindern umzusetzen, sei für die Kitas kein Problem. „Da gab es schon immer hohe Anforderungen an die Einrichtungen“, betont Wiebenga, der die Begleitung durch die Stadt Solingen lobt.

„Gerade für Eltern mit sehr kleinen Kindern ist es hart.“

Kerstin Haag, Tagesmutter

Auch bei den „Holzwürmern“ sei der Hygieneplan für die weitere Öffnung bereits angepasst worden, sagt Stefanie Röttger. In der integrativen Kita nutzen die Kleingruppen das Außengelände zu unterschiedlichen Zeiten. „Bei jedem Wechsel wird das Spielzeug desinfiziert.“ Auch auf häufiges Händewaschen werde geachtet. Trotz der Schutzmaßnahmen sei ihr aber wichtig, dass sich die Kinder in der Kita weiterhin geborgen fühlten. In die inklusive Einrichtung können ab Donnerstag auch Kinder mit Behinderung zurückkehren – „die, bei denen das Immunsystem es zulässt.“

Und der Austausch mit denen, die zu Hause bleiben, werde weiterhin intensiv gepflegt, erzählt Röttger. So gestalte zum Beispiel jedes Kind eine Latte für den Kita-Zaun.

Kerstin Haag betreut ab Donnerstag wieder zwei ihrer vier Tagespflege-Kinder – nach fast zwei Monaten Pause. Auch in der Tagespflege gilt wegen der Pandemie ein strenger Hygienekatalog: „Kontaktflächen müssen täglich desinfiziert werden, ebenso wie das Spielzeug.“ Sie sei froh, dass es nun weitergehe, sagt die Vorsitzende des Vereins Kindertagespflege Solingen. „Gerade für Eltern mit sehr kleinen Kindern ist es hart, diese die ganze Zeit zu Hause zu betreuen.“ Zudem sei besonders bei den Jüngsten Kontinuität wichtig. Haag hat deshalb für „ihre“ Kinder Videos gedreht, um präsent zu bleiben. 

Öffnungsplan

Die Stadt Solingen strebe an, ab 11. Juni allen Kindern den Besuch ihrer städtischen Kindertagesstätte zweimal pro Woche zu ermöglichen, hieß es am Montag aus dem Rathaus. Mit den anderen Kita-Trägern gebe es dazu Gespräche. Das Land Nordrhein-Westfalen will laut seinem Stufenplan ab 11. Juni alle Kinder vor den Sommerferien nur an zwei Tagen insgesamt in die Kitas kommen lassen.

Elternbeiträge für Betreuung in Schulen und Kitas für April und Mai ausgesetzt: Träger und Stadt erarbeiten Finanzierungsplan.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Standpunkt: Vorsichtiges Tasten

Von Anja Kriskofski

anja.kriskofski @solinger-tageblatt.de

Für eine Krise wie die Covid-19-Pandemie gibt es keine Blaupause. Die Maßnahmen zur Wiedereröffnung sind deshalb ein vorsichtiges Tasten. Ab morgen fahren nun die Kindertagesstätten schrittweise wieder ihren Betrieb hoch – neben der Notbetreuung für Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen. Es wichtig, dass Kitas und Tagespflege langsam öffnen. Die Umsetzung wirft jedoch Fragen auf. Warum dürfen Tagesmütter nur Kinder ab zwei Jahren betreuen? In den Gruppen sind ohnehin nicht mehr als fünf Kinder – von der Großtagespflege einmal abgesehen. Gerade bei den Jüngsten ist eine lange Trennung über Wochen, gar Monate aber problematisch. 

Manche Tagesmutter wird mit der Eingewöhnung von vorne beginnen können. Und dass jüngere Kindergartenkinder ab Mitte Juni maximal zwei Tage pro Woche in die Kita dürfen, vielleicht auch weniger, ist ebenfalls schwierig. Welches Kind soll das verstehen? Vielen berufstätigen Eltern ist damit auch nicht geholfen. Eins ist klar: Der Weg zur Normalität ist noch weit. Und einfache Lösungen, die allen gerecht werden, gibt es in dieser Krise leider nicht.

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