Von Eiern, Schokolade und Liebesperlen

Osterhase im Steckbrief: Der Solinger „Pooschhas“

Von Wilhelm Rosenbaum

Putzmunterer, löffelohriger Springinsfeld, agiler Vierbeiner, wird saisonal überwiegend in Sitzposition angetroffen, mit einer Spezialaufgabe betraut, quasi Kleinlastenträger, seine bevorzugte, um nicht zu sagen, ausschließliche Frühlingsbürde: bemalte oder kunstvoll gestaltete Hühnereier, traditionell in ziemlich hartgekochtem Zustand; er wird außerdem, wenn auch seltener, mit Schokoladen-Mini-Eiern angetroffen.

Das besagte Tierchen, als Mümmelmann, bedauerlicherweise weit weniger häufig auch als Mümmelfrau gehandelt, hat seit der historischen Ära der Romantik seine animalischen Vorgänger, Fuchs, Storch und Kuckuck, im häuslichen Lieferservice bereits um Längen hinter sich gelassen. Es ist der allseits geschätzte, von jungen Solingern sehnlichst herbei gewünschte Osterhase.

Heute glaubt kein aufgewecktes Kind zwischen Wasserturm und Engelsberger Hof mehr das Märchen aus dem späten 17. Jahrhundert, in dem von Wissenschaftlern, ja sogar von Medizinern berichtet wird, die die damals auftauchenden „Haseneier“ dokumentierten, die ein nimmermüder Meister Lampe angeblich zum Amüsement der Jugend versteckt haben sollte.

Wie der Pooschhas zu seinem Namen gekommen ist

Im Bergischen hieß der viel beschäftigte Osterhase zu dieser Zeit ohnehin, in perfektem Solinger Platt, „Pooschhas“, ein Mundartwort der alten Schule, wobei das Wort Pooschen für Ostern, so erklärt es der Solinger Sprachforscher Rudolf Picard, aus Passah entstanden sei, jenem jüdischen Fest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert. Und dieser „Pooschhas“ kam – wie könnte es im fleißigen Bergerland anders sein – „met ner Kiepe om Röggen“. Seine Kiepe, mit hochdeutsch „Rückentragekorb“ nur unvollkommen übersetzt, auf dem Hasenrücken war stets randvoll.

Eine perfekte Ostervorstellung mit glänzenden Kinderaugen klappte immer, erst recht, wenn der freundliche Hase sich, wie im Hause von Langlaufidol Herbert Schade im Jahr 1958, für den Sohn Michael damals tatsächlich in einen „Riesenschokoladenosterhasen“ verwandelt hatte, wie der stolze Vater in seinem biografischen Leichtathletik-Buch launig erzählte.

Bleibt noch ein Blick zurück ins Jahr 1983: Da servierte das Tageblatt in seiner TV-Beilage „Prisma“ zum Nachmachen einen farbigen „Ostertip von der Solinger Pralinen-Akademie“. Im Klartext: In der Gräfrather Süßwarenfachschule bestellte die Prisma-Redaktion für die Osterfeiertage ein kreatives süßes Rezept. Sie erhielt prompt und begeistert „süße Häschen aus der scharfen Stadt“, Kopf und Körper aus Marzipanmasse, die Augen aus großen, dunklen Liebesperlen, das Ganze mit braunem Kakaopulver gefärbt. Ja, so ein prächtiger, dazu auch noch überaus schmackhafter Osterhase, made in Solingen, der hat schon was.

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