Tanztheater 55plus

Macbeth - innerhalb von vier Tagen neu aufgestellt

Die Ensemblemitglieder von „Meine Zeit – ein Raubtier“ hatten vor der Aufführung intensiv für die Inszenierung des Shakespeare-Klassikers „Macbeth“ geprobt.
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Die Ensemblemitglieder von „Meine Zeit – ein Raubtier“ hatten vor der Aufführung intensiv für die Inszenierung des Shakespeare-Klassikers „Macbeth“ geprobt.

Ensemble „Meine Zeit – ein Raubtier“ bringt Shakespeares Macbeth in die Jetztzeit.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Am Anfang scheint die Welt des königlichen Heerführers Macbeth durchaus in Ordnung. Bedienstet am schottischen Königshaus wird er aber zunehmend von Ehrgeiz getrieben und schließlich, angestachelt von seiner machtgierigen Frau, darin bestärkt, buchstäblich über Leichen zu gehen: Macbeth ermordet den herrschenden König Duncan, um selbst Schottlands Krone zu erlangen – und wird für seine Skrupellosigkeit am Ende bitter bezahlen. Dies ist der Stoff der klassischen Shakespeare-Tragödie „Macbeth“, die 22 Tänzerinnen und Tänzer des Solinger Tanztheaters 55plus „Meine Zeit – ein Raubtier“ auf fesselnde Weise in Szene setzten.

Sämtliche Plätze in der Gesenkschmiede Hendrichs des LVR-Industriemuseums in Merscheid waren am Samstagabend besetzt. Dabei unterstrich der archaische Ort der Fabrikhalle die düstere, unheimliche Atmosphäre der Handlung. Der Regisseur und Choreograph Marcus Grolle hat die Szenen mit den Akteuren im Alter von 55 bis 73 Jahren einstudiert. Schauspielerin und Tänzerin Renate Kemperdick, die auch tänzerisch im Bühnengeschehen mitwirkte, assistierte. Für Lichtdesign, Videoaufnahmen und Dokumentation des Stücks sorgte der Fotograf Stephan Haeger.

Coronafall machte spontane Umplanung erforderlich

„Wir proben seit knapp einem Vierteljahr“, berichtete Marcus Grolle. „Dabei können wir heute nicht unsere originäre Inszenierung aufführen. Denn einer unserer Hauptdarsteller erkrankte an Corona und musste in Quarantäne.“ So habe man, um die Aufführung nicht ausfallen zu lassen, innerhalb von vier Tagen das ganze Stück umgeordnet und erzähle die Geschichte nun dramaturgisch anders als ursprünglich vorgesehen. „Die letzten Tage waren für die Gruppe eine große Herausforderung.“

Manche der Tanzszenen gingen unter die Haut und wirkten fast beklemmend, verstärkt durch eine dröhnende, teils an monotonen Maschinenlärm erinnernde Musik. So die Darstellung des brutalen Krieges, zu der sich das gesamte Ensemble synchron mit weit ausladenden Gesten in Formationen bewegte. Dazu ausgerufene Parolen wie „Verrat“, „Sieg“ oder „Helden“ wurden zu hohlen Floskeln.

Unheimlich wirkte auch die Krönungsszene, zu der die „Bankettgäste“ ihre Hände eingangs in „Blut“ eintauchten. Nach einem Tanz mit Stühlen zu flotten rockigen Rhythmen artete die Feier am Königshof zu einer wilden Party aus. Doch immer wieder stoppten die Tänze sowie die Musik schlagartig, und es herrschte Totenstille, sobald der Geist des früheren Heerführers Banquo vor dem neuen König erschien. Macbeth hatte ihn ermorden lassen.

Humorvolle Wendungen mit Solingen-Bezug

Bei aller Tragik zeigte das Stück aber auch humorvolle Wendungen. So bekam Macbeth von Lady Macbeth, seiner Frau, die Frage gestellt: „Hast du schon einmal einen Dolch gesehen?“ – „Aber ja“, gab er zur Antwort, „im Klingenmuseum“.

Auffällig war die große Spielfreude der Darsteller. In allem ist es ihnen vortrefflich gelungen, den Bogen vom 17. Jahrhundert in die Jetztzeit zu schlagen. Die Thematik scheint zeitlos: Das Streben nach Macht, Gier, persönliche Kränkungen, Gewalt und Unterdrückung zeigen sich auch heute noch bei bestimmten Menschen in Führungspositionen. „Man denke nur an Putin und Trump oder – ganz aktuell – an den Fifa-Chef Infantino“, unterstrich Grolle. „Da gibt es allerdings einen Unterschied heutiger Despoten zu Macbeth: Macbeth hatte Skrupel, andere sind scheinbar skrupellos.“

Das Ensemble wird die Inszenierung am 24. Februar 2023 im Pina-Bausch-Saal des Theaters und Konzerthauses erneut auf die Bühne bringen.

Hintergrund

Für weitere Aufführungen sucht das Solinger Tanzensemble für Senioren 55plus („Meine Zeit – ein Raubtier“) noch Mitspieler ab 55 Jahren, darunter auch für „Macbeth“. Tel. 0212/331222 bei der Cobra oder per Mail: info@cobra-solingen.de

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