Vom Staatsdiener zum Staatsfeind – ein Leben wie im Thriller

Maziar Golchehr hat sein bewegtes Leben in einer Autobiografie veröffentlicht. Foto: Michael Schütz
+
Maziar Golchehr hat sein bewegtes Leben in einer Autobiografie veröffentlicht.

Mit dem autobiografischen Roman „Verschlusssache“ schaut Maziar Golchehr zurück auf bewegte Jahre

Von Jutta Schreiber-Lenz

Wenn Maziar Golchehr sagt, dass er sein Leben genießt, meint er damit die Ruhe und die unaufgeregte Selbstverständlichkeit eines normalen Alltags. Seine Arbeit, seine Familie, Freunde – nichts besonders. Und das sei gut so, betont er aus tiefem Herzen. Denn er kennt auch andere Zeiten. Jahre, in denen sich Abenteuer, Spannung, Angst, gar Überlebensangst regelrecht stapelten.

Im Dezember des vergangenen Jahres hat der 38-Jährige mit „Verschlusssache – Vom Staatsdiener zum Staatsfeind“ eine Autobiografie vorgelegt, die sich liest wie ein fantasievoll erdachter, spannender Thriller: Golchehr war als Kopfgeldjäger und später als SWAT-Officer beim Police Department in den USA, und musste als vermeintlicher Terrorist beziehungsweise Spion in einem Hochsicherheitsgefängnis auf US-Bundesebene mehr besondere Lebenserfahrungen sammeln als sich Autoren oder Filme-Macher das ausdenken könnten.

Gut möglich, dass man als Leser die Geschichte, wenn sie erfunden wäre, genervt zur Seite legen würde, weil die endlos anmutende Aneinanderreihung von Pechschleifen, kritischen Situationen und Entkommen im letzten Moment durch den sprichwörtlichen Zufall fast ein „Zuviel“ darstellt.

Allein sein früher Werdegang als Bundeswehr-Soldat, Justizvollzugsbeamter und Schießausbilder in Deutschland ist spannend. „Ja, liebe Leser, nachts sitzt der Teufel an meinem Bett und bewundert mich“, schließt Maziar Golchehr seine Erinnerungen ein bisschen selbstironisch. Auch er scheint die Fülle an Erlebnissen kaum zu begreifen.

Sein Buch lässt zunächst in die Migrationsgeschichte des Deutsch-Iraners blicken, der mit seinen Eltern im Irak-Krieg nach Deutschland geflüchtet war und – eingebürgert –, mit 18 Jahren zunächst den Kriegsdienst verweigert hatte. „Ich wollte nie wieder etwas mit Krieg, Blut, und Tod zu tun haben“, erinnert er sich. Es kam anders: Der 11. September 2001 bewirkte bei ihm einen Sinneswandel – „ich fühlte mich wirklich in der Verantwortung, auch Deutschland gegen Terror verteidigen zu können“, sagt er und ließ sich als Zeitsoldat bei der Bundeswehr verpflichten. Auf Umwegen landete er aber bei polizeilichen und militärischen Spezialkräften in den USA – und wurde schließlich von der FBI als Staatsfeind eingestuft. Am Ende kam er als Angeklagter in ein Bundesgefängnis.

Einfühlsam, im Dialog mit seinen imaginären Lesern und trotz allem nie ohne Humor, leitet Maziar Golchehr durch das Dickicht seiner Erlebnisse, die er auf 442 Seiten packend erzählt.

Verschlusssache – Vom Staatsdiener zum Staatsfeind, im Handel für 24,95 Euro erhältlich

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Corona-Zahlen steigen durch Reiserückkehrer
Corona-Zahlen steigen durch Reiserückkehrer
Corona-Zahlen steigen durch Reiserückkehrer
Corona: Solingen weiter mit landesweit höchsten Wert - Impfaktion wird wiederholt
Corona: Solingen weiter mit landesweit höchsten Wert - Impfaktion wird wiederholt
Corona: Solingen weiter mit landesweit höchsten Wert - Impfaktion wird wiederholt
Bahn sperrt Strecke der S1 bis Montag
Bahn sperrt Strecke der S1 bis Montag
Bahn sperrt Strecke der S1 bis Montag

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare