Familienzeit

Vom Panama-Kanal geht es wieder nach Hause

Malina Waldmann übernimmt viel Verantwortung auf der Pelican of London. Foto: Waldmann
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Malina Waldmann übernimmt viel Verantwortung auf der Pelican of London.

Die Vogelsang-Abiturientin Malina Waldmann erzählt vom weiteren Verlauf ihrer sechsmonatigen Reise auf einem Segelschiff

Von Malina Waldmann

Seit über vier Monaten bin ich nun schon auf der Pelican of London, einem Dreimaster. Bereits im Dezember hatte ich über die ersten Wochen meiner Segel-Reise geschrieben. Ocean College heißt des Projekt, mit dem ich als Watchlea-derin mit 29 Schülern, drei Lehrern und der Schiffscrew nun schon über 8000 Seemeilen zurückgelegt habe. Nach den ersten Wochen, in denen wir von Deutschland über Spanien, Gibraltar und Madeira zu den Kanaren gesegelt waren, startete am 19. November die große Atlantiküberquerung. La Palma bis Antigua, 2859 Seemeilen in 21 Tagen.

Täglich hatte ich zwei mal vier Stunden Wache. In dieser Zeit steht man an der Bridge, steuert, hält Lookout und setzt oder justiert die Segel. Als Watchleaderin muss ich die verschiedenen Aufgaben verteilen und darauf achten, dass jede Position regelmäßig getauscht wird. Mit zunehmender Verantwortung durfte ich auch das offizielle Logbook ausfüllen, und manche Officer haben mir die Pelican komplett „übergeben“. Das bedeutet, dass ich den Wind im Blick haben musste und wenn nötig den Steuernden einen anderen Kurs angesagt habe. Natürlich waren die Officer immer da.

Wenn nicht viel zu tun war, haben wir Sternschnuppen gezählt oder Sternbilder gelernt. Ein großes Highlight während der Überquerung war unsere Mid-Atlantik-Party. An einem Abend mitten auf dem Atlantik übernahmen die Crew und die Lehrer für ein paar Stunden die Bridge. Alle machten sich schick, und auf dem Well-Deck wurde laut Musik gehört, gesungen und unterm Sternenhimmel getanzt. Als Regen einsetzte hieß es „All hands to braicing-stations!“. Wir mussten die Segel zum gedrehten Wind ausrichten. Das war schon lustig, im Kleid an den Sheets und Braices zu ziehen.

Atlantik-Taufe war ein ungewöhnliches Highlight

Ein anderer Höhepunkt war die Atlantik-Taufe. Als Neptun und Neptunia verkleidet wurden wir allerdings nicht mit Wasser übergossen, sondern mit einem Gemisch von nicht erkennbaren Nahrungsmitteln, die unsere Köchin zusammengesucht hatte. Natürlich gab es auch eine Urkunde, weil wir erfolgreich der Atlantik überquert hatten.

Nach drei Wochen wurde uns bei der Ankunft in der Karibik klar, dass Corona noch existiert. Unser erster Stopp war der English Harbour in Antigua. Auch wenn wir sehr lange warten mussten, bis wir endlich nach 21 Tagen wieder Land betreten konnten, war dort alles recht normal. Wir konnten schwimmen gehen, endlich wieder mit der Familie und Freunden telefonieren und von einem Berg die Aussicht genießen.

Da jedoch alle anderen karibischen Inseln sehr komplizierte und unterschiedliche Einreisebestimmungen hatten, sind wir im Staat Antigua und Barbuda geblieben. Wir segelten einmal um Antigua herum, mit einem kurzem Abstecher nach Barbuda. Um in Curaçao an Land gelassen zu werden, mussten wir zwei Corona-Tests machen, und lange war überhaupt nicht klar, ob wir wirklich vom Schiff dürfen. Nach langem Warten konnten wir endlich die schöne Stadt besichtigen, unsere Familien anrufen und Wichtelgeschenke kaufen.

Es war nämlich schon Weihnachten. Weihnachten an Board der Pelican, bei über 30 Grad, tausende Kilometer weg von zu Hause, mit 44 anderen Menschen. So richtig Weihnachtsstimmung kam erst am 23. Dezember auf. An diesem Tag haben wir mit grünen Netzen und Besenstielen unseren eigenen Weihnachtsbaum gebaut, aus alten aussortierten Karten, Sterne gefaltet und ganz viel Weihnachtsmusik gehört. Weihnachten gefeiert, also mit besonderem Essen, Besuch vom Weihnachtsmann und Wichtelgeschenken, wurde erst am 25. Dezember, denn die Pelican ist ein britisches Schiff.

Vor Costa Rica musste dann Plan B greifen. Ein paar Tage bevor wir dort ankommen wollten, gab es die Info, dass die Einreise nur von der Pazifikküste aus möglich sein wird. Wir waren allerdings auf dem Atlantik. Da aber für Costa Rica das lange Landprogramm geplant war, wäre es zu schade gewesen, dies ausfallen zu lassen. Doch wie kommt man schnell von der Karibik in den Pazifik? Durch den Panamakanal! Ein paar Tage und viele Telefonate später startete auch schon unsere Durchfahrt – auch für den Kapitän eine neue Erfahrung. Wir hatten die Pelican sicher das erste Mal überhaupt in den Pazifik gesteuert.

In Costa Rica war unser erster Stopp das Vista Guapa Surfcamp in Jaco. Dort hatten wir täglich Spanischunterricht, waren drei Mal surfen und haben einen Ausflug gemacht, bei dem wir nach einer Tour über einen Fluss mit sehr vielen Krokodilen 411 Kilo Plastikmüll vom Ufer aufsammelten.

Nach knapp einer Woche ging es weiter in den Regenwald zu Ken. Er hat dort eine One World Farm aufgebaut. In Permakultur baut er viele Früchte und Gemüse an und kümmert sich um den Wald. Wir haben mit ihm Früchte geerntet und bei einer Tour im Urwald sehr viel von ihm gelernt. Die vier Tage im Regenwald waren definitiv eines meiner bisherigen Highlights.

Dann ging es nach zwei sehr schönen und abwechslungsreichen Wochen wieder zurück auf die Pelican – zurück durch den Panamakanal nach Hause. Vor dem Panamakanal haben wir unsere Uhren das erste Mal vor und nicht zurück gestellt. Der Heimweg wird noch etwa 70 Tage dauern.

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