Unsaubere Geschäfte

Ohligs: Vodafone wirft Unternehmer Betrug vor

Fünf Partneragenturen in der Region hat Vodafone wegen Betrugsverdachts geschlossen. Eine befand sich an der Düsseldorfer Straße in Ohligs. Foto: Christian Beier
+
Fünf Partneragenturen in der Region hat Vodafone wegen Betrugsverdachts geschlossen. Eine befand sich an der Düsseldorfer Straße in Ohligs.

Konzern schließt Ladenlokal an der Düsseldorfer Straße.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Wegen Betrugsverdachts ist die Vodafone-Filiale in Ohligs seit Ende Oktober geschlossen. Das Telekommunikationsunternehmen wirft dem Betreiber des dortigen Shops unsaubere Geschäfte vor. Von „Betrug in mehreren Fällen“ ist im deutschen Vodafone-Hauptsitz in Düsseldorf die Rede.

Bei dem Beschuldigten handelt es sich laut Konzernsprecher Volker Petendorf um einen selbstständigen Vertriebspartner. Neben dem Shop an der Düsseldorfer Straße betrieb er noch Partneragenturen in Remscheid, Leichlingen, Leverkusen und Opladen. Mit Ablauf des vergangenen Monats hat Vodafone die Partnerschaft außerordentlich gekündigt, die Läden geschlossen.

„Wir haben deutliche Hinweise, dass es dort unsaubere Geschäfte gab.“

Volker Petendorf, Vodafone-Sprecher

„Wir haben deutliche Hinweise, dass es dort unsaubere Geschäfte gab“, begründet Petendorf. Konkret gehe es um eingereichte Verträge und ausgelöste Produktbestellungen, „die von dem Kunden definitiv nicht gewollt sind“. So wurden mutmaßlich auf der einen Seite die Verbraucher zu Opfern, da ihnen höhere Kosten entstanden. Doch auch Vodafone fühlt sich betrogen: Für die Vertragsabschlüsse sei Provision gezahlt worden. Zudem habe man Smartphones im Glauben geliefert, sie seien für die Kunden bestimmt. Die hätten von den Geräten allerdings nie etwas gesehen.

Wie viele Verdachtsfälle im Raum stehen und um welche Schadenssumme es geht, verrät Petendorf nicht. Vodafone habe Strafanzeige erstattet. Ein Ermittlungsverfahren läuft. Im Gespräch mit dem ST erklärt der Beschuldigte, er würde sich eigentlich gerne zu den Vorwürfen äußern. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, müsse er zum aktuellen Zeitpunkt jedoch leider darauf verzichten.

Zum vorliegenden Fall kann Lydia Schwertner nichts sagen. Immer wieder hat die Leiterin der Remscheider Beratungsstelle der Verbraucherzentrale jedoch mit zweifelhaften Handyverträgen zu tun. „Wenn andere Vertragsinhalte abgeschlossen als vereinbart wurden, lohnt eine Anzeige“, betont sie. Auch ein Gang zum Anwalt oder zur Verbraucherzentrale sei hilfreich. „Häufig können wir eine Menge retten.“

Damit es nicht so weit kommt, sollten Verbraucher einige Punkte beachten. Zentral ist dabei das Produktinformationsblatt. Darin sind alle wesentlichen Angaben zu Telefon-, TV- und Internetverträgen festgehalten. Wird während des Verkaufsgesprächs nicht darauf hingewiesen, sollten Kunden gezielt danach fragen. „Geht der Händler nicht darauf ein, suchen Sie sich einen anderen Shop.“

Die Verbraucherschützerin rät Kunden, vor der Vertragsunterschrift genau zu überprüfen, ob die Inhalte dem entsprechen, was im Produktinformationsblatt steht und mündlich zugesagt wurde. „Vor der Zustimmung zu einem Vertrag sollten Kunden alle relevanten Unterlagen zur Kenntnis nehmen können.“

Aus ihrer Berufserfahrung weiß sie, dass Verbraucher häufig Dokumente unterschreiben, von deren Inhalt sie im Grunde nur geringe Kenntnis haben. So kommt es vor, dass darin ungewollte Extraleistungen enthalten sind.

Mit den Vodafone-Vorwürfen beschäftigt sich nun die Ermittlungsbehörde. Unabhängig davon hat das Unternehmen Lösungen für die mutmaßlich betrogenen Kunden gefunden, erklärt Volker Petendorf. Der Konzern hat eigene Ermittlungen angestellt, um weitere Verträge zu identifizieren, an deren Redlichkeit Zweifel besteht. Auch diese Nutzer habe man kontaktiert. Wer sich betrogen fühlt, aber noch keine Hilfe erhalten hat, soll sich bei der Vodafone-Kundenbetreuung melden.

Wie es mit den geschlossenen Filialen weitergeht, ist unklar. „Wir setzen auf den stationären Handel und suchen nach neuen Partnern“, betont Petendorf. Das sei in der aktuellen Lage aber nicht einfach.

Widerruf

Für in Handyshops geschlossene Verträge besteht in der Regel kein Widerrufsrecht, klärt die Verbraucherzentrale auf. „Eine mögliche Ausnahme besteht, wenn mit dem Abschluss eines Mobilfunkvertrages etwa zusätzlich ein vergünstigtes Handy oder ein Tablet erworben wird“, erklärt Lydia Schwertner.

Betrugsmaschen finden häufig auch am Telefon oder an der Haustür statt. So schützen Sie sich richtig gegen Trickbetrüger.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Drei Raubüberfälle in Gräfrath, Ohligs und Mitte
Drei Raubüberfälle in Gräfrath, Ohligs und Mitte
Drei Raubüberfälle in Gräfrath, Ohligs und Mitte
Unfall in Stöcken verursacht Verkehrschaos - Zwei Verletzte
Unfall in Stöcken verursacht Verkehrschaos - Zwei Verletzte
Unfall in Stöcken verursacht Verkehrschaos - Zwei Verletzte
Nicole Müller macht Gassigehen zu ihrem Beruf
Nicole Müller macht Gassigehen zu ihrem Beruf
Nicole Müller macht Gassigehen zu ihrem Beruf
28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen
28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen
28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen

Kommentare