Die Woche von Stefan M. Kob

Das Virus erfasst alles und jeden - mit einer Ausnahme 

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stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Die zweite Welle kommt nicht. Sie ist da. Davon zeugen die explosionsartig ansteigenden Infektionszahlen.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis nach Remscheid und Wuppertal auch Solingen die Marke von 50 Neuinfektionen pro Hunderttausend Einwohnern reißt.

Wer das allein als eine Folge von viel mehr Tests einordnet, verkennt völlig, dass auch die Patientenzahlen in den Kliniken steigen, inklusive der besonders schweren Verläufe. Mag sein, dass zurzeit noch genügend Intensivbetten bereit stehen. Aber wir wissen auch, dass schon in jedem normalen Winter die Kapazitäten gerade ausreichen. Kommen jetzt massenhaft Covid-19-Patienten dazu, stehen wir schnell vor einer Situation, die wir im Frühjahr mit einem gewaltigen Kraftakt und viel Glück noch abgewendet haben.

Die Erfahrung aus der Anfangsphase der Pandemie zeigt, dass wir zwar nicht in Panik verfallen sollten, wir aber allen Grund haben, die Regeln strikt zu beherzigen. Es wird auf uns in den nächsten Wochen ankommen, ob die vielzitierte Eigenverantwortung wirklich greift. Nichts wäre schlimmer als ein zweiter Lockdown, auch nicht einer durch die Hintertür. Denn indem restriktive Maßnahmen nun überall auf lokaler Ebene verordnet werden, käme auch letztlich flächendeckend das öffentliche Leben und die Wirtschaft zum Erliegen.

Das Virus erfasst alles und jeden. Allerdings gibt es doch eine große Ausnahme. Vollkommen immunisiert gegen die Folgen der Pandemie ist – nein, nicht Donald Trump – die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Deren Funktionäre sind erschreckend weit weg von den wirklichen Problemen. Immer mehr Menschen, die aus Sorge vor einer Ansteckung derzeit nicht in die Geschäfte gehen, stellen fest, dass man sich ja fast alles aus dem Internet liefern lassen kann. Um sie wieder in die Städte zu holen, will die Landesregierung Sonntagsöffnungen ermöglichen. Doch reflexhaft kündigt Verdi die entsprechende Klage an. Inzwischen ist es schon unerheblich, ob sie vor Gericht obsiegt oder nicht: Die lokalen Händler haben resigniert und sind nicht mehr bereit, Zeit, Geld und Energie zu verschwenden, da die Unsicherheit viel zu hoch ist. Eine Impfung gegen das Virus, selbst wenn sie im Frühjahr zur Verfügung stünde, wird für viele Geschäfte zu spät kommen. Viele Arbeitsplätze im Einzelhandel werden vernichtet sein. Schwer zu verstehen, welches Interesse eine Arbeitnehmervertretung daran hat.

Ähnlich ungerührt lässt Verdi Busse und Bahnen stehen, wo die Nahverkehrsbetreiber angesichts der Coronakrise auf Milliardendefizite zusteuern. Wie das mit den harten Streikmaßnahmen zusammenzubringen ist, weiß außer Verdi wohl niemand. Als gebetsmühlenartige Rechtfertigung müssen immer wieder die Beschäftigten im Gesundheitswesen herhalten, die zweifellos alle Anerkennung und auch mehr Geld verdienen. Doch dazu sind längst Gesprächsrunden vereinbart und liegen Pläne auf dem Tisch, um das zu ändern. Streiks, die alles nur noch schlimmer machen, brauchen wir als letztes.

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