Andacht

Vielleicht spüren wir Osterfreude

Theologen laden im ST zur Andacht ein
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Theologen laden im ST zur Andacht ein

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Pfarrer Meinrad Funke

Liebe Leserinnen und Leser,

Christinnen und Christen feiern Ostern 50 Tage lang bis zum Pfingstfest. Aus meiner Sicht ist das eine sehr gute Idee – nicht nur, weil ich in diesem Jahr Ostern in Quarantäne verbringen musste und mich jetzt auf die Sonntage der Osterzeit freue. Vor allem macht es Sinn, weil großartige Ereignisse nie von jetzt auf gleich zu begreifen sind. Die bestandene Prüfung und die überstandene Krankheit, die Erwiderung der Liebe und die unbeschwerte Freude nach einer Zeit der Trauer. Das alles realisieren wir nicht von jetzt auf gleich. Wir müssen uns dessen bewusst werden, indem wir davon erzählen, Erfahrungen damit machen, im Alltag damit leben.

Genau darum geht es in der Osterzeit. Wir hören von unterschiedlichen Begegnungen mit dem Auferstandenen, von sehr verschiedenen Reaktionen auf ihn. An diesem zweiten Sonntag der Osterzeit wird uns Thomas vorgestellt. „Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe, und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ (Joh. 20,25). Dieser Satz hat ihm den unrühmlichen Namen „ungläubiger Thomas“ eingebracht.

Meinrad Funke

Aber ist der Protagonist dieser Erzählung wirklich ungläubig? Sicher hat er Ecken und Kanten, wie alle Apostel (Petrus mit großem Versprechen und kleinem Mut, die „Donnersöhne“ mit ihrem Ehrgeiz . . .).

Osterglaube besteht nicht in einem permanenten Glücksgefühl.

Aber in zweifacher Hinsicht ist Thomas für unseren Glauben heute besonders wertvoll. Zum einen argumentiert er, wie ein moderner Naturwissenschaftler. Nicht „auf die Autorität eines anderen hin“, sondern aus eigener Anschauung ist dieser Apostel gewillt, zu glauben. Zum anderen – und das finde ich noch wichtiger: Thomas will wissen, ob denn der Auferstandene wirklich der Gekreuzigte ist. „Bist Du wirklich noch verwundet? Kannst du Dich noch immer hineinversetzen in Menschen, die leiden, die schwach sind, die sterben und trauern? Oder hast du das alles hinter dir gelassen und schwebst auf Wolke sieben?“ So könnten wir die Haltung des Thomas deuten. Und Jesus reagiert. Er lässt ihn sehen und spüren: „Ja, der Auferstandene bleibt der Verwundete“. Und so bleibt er uns nah, obwohl er uns durch Ostern und seine Himmelfahrt einiges voraus ist. Osterglaube besteht nicht in einem permanenten Glücksgefühl. Er hat auch dort Bestand, wo wir auf leidvolle Situationen blicken, oder selbst verwundet sind. Der Auferstandene bleibt selbst der Verwundete. Deshalb können wir ihm vertrauen und auf ihn hoffen. Dann spüren wir möglicherweise auch ganz real Zuversicht und Osterfreude hier und jetzt. Gott sei Dank.

Ihnen weiterhin eine gesegnete Osterzeit.

Ihr Meinrad Funke

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