Umsatzeinbrüche

Viele Handwerker in Solingen leiden unter der Krise

Bauunternehmer Kai Buschhaus, zieht eine durchwachsene Corona-Bilanz. Archivfoto: Christian Beier
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Bauunternehmer Kai Buschhaus, zieht eine durchwachsene Corona-Bilanz.

Elektriker, Kfz-Gewerbe und andere Branchen erleben schwere Corona-Zeiten.

Von Andreas Tews

Solingen. Die Corona-Krise bringt für etliche Handwerksbetriebe Umsatzeinbrüche. Betroffen sind davon vor allem Branchen wie die Elektriker und das Kraftfahrzeug-Gewerbe. Generell gilt nach Angaben der Innungsobermeister aber, dass es von Betrieb zu Betrieb auch innerhalb der Branchen große Unterschiede gibt.

Die Betriebe haben damit zu kämpfen, dass die Konjunktur in den Wochen nach dem 13. März einbrach, als viele Geschäfte und Betriebe vorübergehend schließen mussten. Abstandsregeln erschwerten nicht selten das Arbeiten oder machten es unmöglich. Der Neustart verläuft schleppend.

Auch nachdem die Corona-Einschränkungen gelockert wurden, laufe bei den Elektrikern noch nichts wieder normal, berichtet Innungsobermeister Uwe Luchtenberg. Vor allem private Auftraggeber schrecken nach seinen Angaben davor zurück, Handwerker in die Wohnung zu bestellen. Aber auch die Probleme und Unsicherheiten, vor denen industrielle Betriebe stünden, machten sich in den Auftragsbüchern der Elektriker bemerkbar. Gut zu tun hatten laut Luchtenberg nur die Betriebe, die in erster Linie Aufträge auf großen Baustellen hätten. Das Geschäft laufe erst langsam wieder an. Luchtenberg rechnet nicht damit, dass seine Branche in diesem Jahr wieder zu einem Normalzustand zurückkehren werde.

Schwere Wochen vor allem im März hat laut Thorsten Böhm die Kfz-Branche hinter sich. Die Ausfälle der Zeit, als die Verkaufsräume geschlossen werden mussten, werden nach seiner Einschätzung nicht annähernd auszugleichen sein. Unterschiedlich waren nach Böhms Angaben die Auswirkungen auf die Kfz-Werkstätten. Vor allem seien die Betriebe besser gefahren, die offensiv darüber informiert hätten, dass sie weiterhin geöffnet waren.

Unterschiedlich fällt die Bilanz bei den Bäckern aus. Vor allem die Betriebe mit Kaffee-Ausschank habe die zwischenzeitliche Zwangsschließung hart getroffen, berichtet Innungsobermeister Dirk Hermes. Im reinen Verkauf von Backwaren sei das Geschäft hingegen gut gelaufen – zwischenzeitlich sogar besser als üblich. Inzwischen laufe das Geschäft wieder normal.

Auch nach der Wiedereröffnung gibt es laut Pia Schneider in vielen Friseurbetrieben noch Kurzarbeit. Dies betreffe vor allem die größeren Salons, die wegen der Abstandsregeln ihre volle Kapazität nicht nutzen dürften. Nach der Zwangsschließung habe sich aber generell bemerkbar gemacht, dass viele Menschen einen großen Nachholbedarf hatten. Dies habe einige der Einbußen aus den vorangegangenen sieben Wochen ausgeglichen.

Große Unterschiede zwischen den Betrieben gibt es laut Dirk Leinen bei den Sanitär-Installateuren. Die Großbaustellen seien zwar weitergelaufen. Ähnlich wie bei den Elektrikern habe sich aber die Zurückhaltung bei privaten Auftraggebern bemerkbar gemacht. Auch die nahe Zukunft bereitet Leinen Sorgen. Derzeit gingen wenig Aufträge ein. Dadurch fehle Arbeit, die im Herbst erledigt werden könne.

Das Baugewerbe war laut Kai Buschhaus, stellvertretender Kreishandwerksmeister, von der Pandemie hingegen bisher kaum betroffen. Anfangs hätten die Betriebe lediglich mit Lieferschwierigkeiten bei Baumaterialien zu tun gehabt. Aktuell beobachtet Buschhaus aber, dass die Nachfrage etwas nachlässt. Auch bei Firmen macht er mittlerweile eine „gesunde Zurückhaltung“ aus. Zusätzlich bereiten Buschhaus lange Genehmigungsverfahren Sorgen.

Normal läuft das Geschäft laut Oliver Conrads hingegen bei den Malern und Lackierern weiter. Die profitieren davon, dass für sie derzeit die Saison für Arbeiten im Freien ist, bei denen sie den Kunden nicht nahekommen.

Zufrieden ist auch der Tischler Reiner Dettbarn. Abgesehen vom Messebau laufe es in seiner Branche „sehr gut“. 

Corona-Zahlen

Aktuell waren am Dienstag 12 Personen nachgewiesen infiziert, das war ein Infizierter weniger als am Vortag. In Quarantäne befanden sich 45 Personen, das waren 13 weniger als am Montag. Seit Ausbruch der Pandemie wurden in Solingen 255 bestätigte Fälle gemeldet.

Standpunkt: Unterstützt Firmen vor Ort

Von Andreas Tews

Chefs und Mitarbeiter eint derzeit in vielen Betrieben die Sorge um die eigene Zukunft.

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Niemand kann derzeit sicher voraussagen, welche Auswirkungen die wochenlange Stilllegung von weiten Teilen der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens auf unsere Lebensverhältnisse haben wird. Eine Prognose, wie viele Betriebe diese Krise auch bei uns in Solingen nicht überleben werden, ist kaum möglich. Doch nicht überall sieht es duster aus. 

Es gibt Hoffnung – zumindest in mehreren Branchen. Bei den Handwerkern läuft das Geschäft in diversen Geschäftsbereichen wieder an, etliche Betriebe haben von der Krise bisher wenig gespürt. Ob es mit der Solinger Wirtschaft – bei Handwerkern, Einzelhändlern, Dienstleistern oder anderen – generell wieder aufwärts geht, haben wir, die Kunden und Auftraggeber, zum guten Teil selbst in der Hand. Die Betriebe vor Ort sind vielleicht nicht immer die preisgünstigsten. Aber sie liefern in der Regel gute Qualität ab, und die räumliche Nähe zum Kunden schafft Verlässlichkeit. Wenn sie uns also wichtig sind, sollten wir sie mit Aufträgen unterstützen. 

Einzelhändler zieht es trotz Krise nach Ohligs: In das Gerry-Weber-Haus in der Ohligser City wird voraussichtlich ein Solinger Händler einziehen.

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