Kampf gegen Corona

Viele Betroffene wollen sich impfen lassen

Das Impfzentrum im ehemaligen Kaufhof-Gebäude ist betriebsbereit. Foto: Christian Beier
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Das Impfzentrum im ehemaligen Kaufhof-Gebäude ist betriebsbereit.

Von Sonntag an stehen die ersten Corona-Impfungen an – die Akzeptanz ist offenbar hoch.

  • Bethanien-Chefarzt Randerath will Menschen Sorge vor dem Impfstoff nehmen.
  • Nebenwirkungen seien typisch wie bei anderen Impfungen auch.
  • Das ST hat Solinger gefragt, wie sie zur Corona-Impfung stehen.

Von unserer Redaktion

Solingen. Seit Montag ist der erste Impfstoff gegen Sars-CoV-2 auch in der EU zugelassen. Am kommenden Wochenende könnten die ersten Solinger geimpft werden. Als Erste sind Bewohner von Alten- und Pflegeheimen an der Reihe. Das ST hat Solinger befragt, ob sie sich impfen lassen wollen.

Ist dankbar für die Chance zur Impfung: Altenpfleger Harald Breidung.

Impfen sei „die einzige Chance, aus der Pandemie rauszukommen“, sagt Prof. Winfried J. Randerath, Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien. Die zweite Welle sei schlimmer als die erste, „auch in Solingen sterben nahezu täglich Menschen“. Deshalb will er den Menschen die Sorge vor dem Impfstoff nehmen. Ja, er sei sehr schnell entwickelt worden, aber das Prinzip des Impfstoffs sei schon seit Jahren in der Entwicklung. „Es sollte eigentlich gegen Krebserkrankungen eingesetzt werden.“ Im Gegensatz zu anderen Impfstoffen, die teilweise mit abgetöteten Viren arbeiteten, werde bei den Corona-Impfstoffen dem Immunsystem über die mRNA die Information zur Verfügung gestellt, wie so ein Erreger aufgebaut sei. Das Immunsystem könne dann Abwehrkräfte entwickeln. Die wissenschaftliche Studie dazu habe 40.000 Teilnehmer gehabt, halte wissenschaftlichen Kriterien stand und weise den Schutz gegen das Virus nach.

Als Nebenwirkungen seien Schwächegefühl, Kopfschmerzen, Fieber und Schmerzen an der Einstichstelle beschrieben worden. „Das sind typische Nebenwirkungen bei jeder Impfung.“ Eine große Zahl habe keine relevanten Nebenwirkungen gehabt, ernste seien kaum beschrieben worden. „Gerade erst habe ich wieder einen jungen Mann behandelt, der seit Monaten mit den Folgen einer Corona-Erkrankung zu kämpfen hat. Das steht in keinem Verhältnis zu möglichen Nebenwirkungen“, so Randerath.

Harald Breidung ist seit 21 Jahren als examinierter Altenpfleger im St. Lukas Pflegeheim tätig, wo er den

Herbert Gerbig appelliert an die Senioren, sich zu schützen.

Wohnbereich 3 leitet. „Ich lasse mich impfen und bin dankbar dafür, dass wir in den Senioreneinrichtungen so früh geimpft werden sollen. Aus meiner Sicht gibt es keinen anderen Ausweg aus dieser Situation, wenn wir wieder Boden unter die Füße bekommen wollen.“ Jeder müsse Verantwortung für andere übernehmen, schließlich sei es wichtig für einen Impferfolg, dass sich möglichst viele impfen lassen. Breidung: „Ich frage mich, woher die teilweise absurden Bedenken kommen: Der Impfstoff ist genügend getestet, sonst würde er nicht freigegeben.“

Klar für das Impfen spricht sich auch der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Herbert Gerbig (SPD), aus. Er hofft nicht nur, dass sich möglichst viele Senioren impfen lassen. Wichtig sei auch, dass „alle, die in der Pflege zu tun haben“, zu der Gruppe gehören, die als erste an der Reihe seien. Gerbig: „Wenn ich dran bin, werde auch ich mich impfen lassen.“

Christian Veithen geht als Sprecher der Solinger Apotheker davon aus, dass seine Berufsgruppe nicht zu denjenigen zählt, die gleich zu Beginn geimpft werden. Darum stehe er noch nicht vor der Entscheidung. Er werde sich aber wohl impfen lassen, wenn es soweit sei – nicht zuletzt, weil der Impfstoff nach jetzigem Wissensstand gut verträglich sei.

Impfung als Schutz bei Kontakt zu vielen Menschen

Grundschullehrerin Sonja Berges hat vor, sich impfen zu lassen.

So sieht es auch Sonja Berges. Sie ist Grundschullehrerin und stellvertretende Vorsitzende im Personalrat Grundschule. „Ohne Impfung stehen wir der Pandemie hilflos gegenüber.“ Als Lehrerin habe sie viele Kontakte und musste wegen eines Infektionsfalls in einer Klasse bereits in Quarantäne. „Ich sehe die Impfung als Chance, mich zu schützen.“ So lasse sie sich auch jedes Jahr gegen die Grippe impfen. Erst einmal abzuwarten, sei keine Option für sie: „Wenn alle warten, wird sich nichts ändern.“

Eine klare Haltung zum Impfen vertritt auch Polizeipräsident Markus Röhrl: „Ich persönlich werde mich impfen lassen und empfehle das auch allen, weil wir beruflich sehr häufigen und manchmal auch räumlich engen Kontakt zu vielen Menschen haben – beispielsweise im Streifendienst, in den Wachen, in den Kommissariaten und innerhalb unserer Verwaltung.“ Eine Impfpflicht werde es bei der Polizei aber auf keinen Fall geben, betont Röhrl: „Das muss jeder und jede mit sich ausmachen.“

Bei der Feuerwehr könne die Impfbereitschaft aktuell noch nicht eingeschätzt werden, macht Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller deutlich.

In unserem Live-Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Schnelltest-Zentrum weitet Öffnungszeiten aus: Drei bis fünf Prozent der Abstriche sind positiv.

Seit einer Woche gilt in Solingen eine nächtliche Ausgangsbeschränkung. 29 Bußgeldverfahren haben Polizei und Ordnungsamt seither eingeleitet.

Standpunkt: Alles ist vorbereitet

Von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Eine möglichst flächendeckende Impfung gegen das Coronavirus ist die einzige Möglichkeit für uns, auf absehbare Zeit aus der Pandemie-Schleife zwischen Lockerungen und Verschärfungen der Kontaktregeln herauszukommen. Medikamente, die an Covid-19 Erkrankten verlässlich und durchgreifend helfen, sind nicht in Sicht. Dadurch hat das Impfen bei diesem gefährlichen Virus eine große Bedeutung. Wenn wir ehrlich sind, haben alle bisherigen Regelungen darauf abgezielt, Zeit zu gewinnen, bis wir das Virus auf medizinische Weise bekämpfen können. Darum ist es jetzt wichtig, an die Impfbereitschaft zu appellieren. Hoffen müssen wir jetzt darauf, dass die eilig aus dem Boden gestampfte Infrastruktur funktionieren wird. In Solingen scheinen die Verantwortlichen entsprechend dem jetzigen Wissensstand alles gut vorbereitet zu haben. Dennoch werden kleinere Pannen nicht ausbleiben. Dafür sollten wir Verständnis haben. Neben einer hohen Impfbereitschaft ist weiterhin auch Solidarität mit denen nötig, die sich an entscheidenden Stellen auch in Solingen gegen die Pandemie stemmen.

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