Viel Beifall für den großen Gatsby

Landestheater Detmold mit Bühnenadaption des Klassikers im Pina-Bausch-Saal

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Am Ende blieb Nick Carraway (Justus Henke) die bittere Realität und die damit einhergehende Erkenntnis, Illusionen aufgesessen zu sein: Träumen, die wie die Schäume zerflossen, die in der Inszenierung des großen Gatsbys gleich in großen Plastikschüsseln auf die Bühne getragen wurden, damit sich die Protagonisten das luftige Material in die Haare oder auf den Körper schmierten.

Ein starkes Symbol für die auf Luft gebaute Welt der Schönen und Reichen, der F. Scott Fitzgerald in seinem mehrfach verfilmten Roman- Klassiker einen Spiegel vorhält und den das Landestheater Detmold am Samstagabend auf die Bühne des Pina-Bausch-Saals brachte.

Nicht nur Tote sind zum Schluss zu beklagen, als die Wirklichkeit sich bei Carraway als „bestem Freund“ des großen Gatsbys (Adrian Thomser) Bahn bricht und die scheinbar einzige gefühlsechte Figur im Stück, der schlichte Tankwart George Wilson (Emanuel Weber) vor Herzschmerz durchdreht und Gatsby erschießt. Er hatte geglaubt, dieser habe das Auto gesteuert, mit dem seine Frau Myrtle, seine trotz Affären geliebte „Blume“ (Marie Ulbricht), einfach brutal niedergefahren wurde.

Der Schluss entblößt endgültig die zynische Gefühlskälte der verwöhnten und oberflächlichen Figuren wie Daisy Buchanan (Alexandra Riemann) oder ihres Ehemanns Tom (Patrick Hellenbrand), die auch angesichts der tödlichen finalen Katastrophe nur „reizend“ und dauergelangweilt plaudern und damit die selbst geschaffene Form ihrer von zu viel Geld entmenschlichten Welt wahren.

Intensives Spiel fesselte zweieinhalb Stunden

Die Hauptfigur Jay Gatsby hat nur scheinbar den amerikanischen Traum verwirklicht, „vom Lumpen zum Reichtum“ zu gelangen. Woher das Geld kommt, mit dem er seine mondänen Partys bezahlt, wird zuvor nur angedeutet: offensichtlich aber keineswegs „sauber“, sondern aus Schmuggelgeschäften. Vor leider nur knapp 100 Zuschauern, die sich im weiträumigen Pina-Bausch-Saal etwas verloren, präsentierte das Landestheater Detmold seine „Gatsby“-Bühnen-Fassung als von der Vorlage losgelöste Version von Rebekka Kricheldorf. Zweieinhalb Stunden fesselte die, inszeniert von Matthias Kaschig, das Publikum. Das intensive Spiel in einer Kulisse, die Orte des Geschehens minimalistisch andeutete, war durchrüttelnd.

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