Konzert

Vibrafon erklingt bei „Solingen jazzt Spezial“

Matthias Strucken (links) trat bei „Solingen jazzt Spezial“ auf Einladung von Saxofonist Klaas Voigt auf. Foto:
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Matthias Strucken (links) trat bei „Solingen jazzt Spezial“ auf Einladung von Saxofonist Klaas Voigt auf.

Matthias Strucken erklärte nicht nur sein Instrument, er wusste es auch meisterhaft zu bedienen

Von Karl-Rainer Broch

Solingen. Das „Solingen jazzt Spezial“ hielt bei seinem zweiten Auftritt im Konzertsaal für die Jazzkenner eine besondere Überraschung bereit. Neben dem First Klaas Quintett, das in der Stammbesetzung mit Bandleader Klaas Voigt auf-trat, kam der Kölner Komponist und Musiker Matthias Strucken mit seinem Vibrafon auf die Bühne.

Er griff gleich nach dem Intro von Philip Mancarella am Konzertflügel die Klöppel und vermittelte einen ersten Eindruck mit dem beim Jazz seit über 100 Jahren zum Standard gehörenden Instrument. Strucken erklärte den knapp 150 Gästen im Saal auch die Wirkungsweise: „Im Gegensatz zum Xylofon, das aus Holz besteht, wird beim Vibrafon mit Metall gearbeitet. Das ermöglicht lautere Töne, und die waren vor allem bei den Big Bands erwünscht.“

„Das Vibrafon ermöglicht lautere Töne, das wollen die Bigbands.“

Matthias Strucken, Solist

Mit einer elektrisch angetriebenen Einrichtung am oberen Ende von Metallresonatoren wird durch periodisches Schließen und Öffnen eines Deckels ein Vibratoeffekt erzeugt. Die Schlägel (Mallets) haben einen Gummikopf, mit Garn umwickelt. Je nach Stück verwendet der Musiker harte oder weichere Arbeitsgeräte: „Bei einer Ballade kommen die weicheren Mallets zum Einsatz.“ Struckens technische Tricks riefen im Konzertsaal ein lautes „Aah“ hervor.

Natürlich standen einige Eigenkompositionen von Matthias Strucken auf dem Programm. Während des Lockdowns war „Lockdown Lockup“ entstanden, ein Hardrock-Stück, zu dem Jan Schneider mit der Trompete die Xylofon-Klänge unterstützte. Strucken hatte während des Lockdowns mangels Auftritten 100 Tage lang jeden Tag im Internet ein musikalisches Video veröffentlicht.

Miles Davis „Someday my Prince will come“ startete den Jazz-Teil

Mit „Plunk“, das sich mehr als „Herumklimpern“, wie der Titel verhieß, entpuppte, brachte Strucken auch Bassist Hannes Vesper zum wohlverdienten Einsatz. Mit dem „Road Song“ von Wes Montgomery wurde Einsamkeit auf nächtlichen Straßen vermittelt, der passende Rhythmus kam dabei vom Flügel. Mit dem Standard „Someday my Prince will come“ von Miles Davis wurde das Publikum auf den Jazzabend eingestimmt.

Karibik-Stimmung entwickelte sich bei Struckens Wortspiel „Bossarona“. Es folgten „Hot Barbecue“, ein Calypso-Song, und „South of the Waltz“. Der schnelle Latino-Walzer forderte dem Ensemble vor allem wegen des Tempos alles ab. Das Stück war auch der Höhepunkt des Abends, mit unbeschwerten fröhlichen Klängen und dem Einsatz aller sechs Mitwirkenden war alles drin, was die Jazzmusik zu bieten hat.

Natürlich war auch Saxofonist Klaas Voigt mit eigenen Stücken vertreten. Bei seinem Dauerbrenner „Always Mondays“ wechselte Strucken vom Xylofon zu Percussion-Geräten, die er immer wieder einsetzte. Bei der Ballade „Eight Mellows“ stand aber wieder das Xylofon im Mittelpunkt. Die Blechbläser Jan Schneider, der gelegentlich zwischen Trompete und Flügelhorn wechselte, und Klaas Voigt am Saxofon – bei „Bossarona“ wechselte er auch zur Querflöte – waren in Höchstform.

Philip Mancarella bediente gekonnt den Flügel und das Keyboard, und das Schlagzeug-Solo von Hardy Fischötter wurde mit viel Klatschen bedacht. Mit der heißen Schlussnummer „Hot Line“ verabschiedete sich das Ensemble, indem alle Mitwirkenden noch einmal mit einem Solo glänzten und damit den Zuhörerinnen und Zuhörern Lust auf ein kommendes „Solingen jazzt Spezial“ machten.

Im Konzertsaal des Theaters und Konzerthauses hatte man zwar als Corona-Schutzmaßnahme viele Plätze freigelassen, doch die vielen Lichteffekte sorgten für angenehme Stimmung.

Jazz-Quintett

Die Formation von Klaas Voigt tritt seit 2011 regel-mäßig monatlich am letzten Donnerstag in der Cobra auf. Normalerweise wird in der Kantine gespielt. Zurzeit spielt man wegen Corona-Pandemie in größeren Hallen.

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