Im Gespräch

Birgit Zeier: „Vertrauen muss man sich erarbeiten“

Sozialdemokratin Birgit Zeier ist seit 2009 Bezirksbürgermeisterin von Wald. Sie sieht einen besonderen Zusammenhalt in ihrem Stadtteil.Archivfoto:Christian Beier
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Sozialdemokratin Birgit Zeier ist seit 2009 Bezirksbürgermeisterin von Wald. Sie sieht einen besonderen Zusammenhalt in ihrem Stadtteil.

Die Walder Bezirksbürgermeisterin Birgit Zeier (SPD) spricht über ihre Wiederwahl, Einzelhandel und Projekte für den Stadtteil.

Von Anja Kriskofski 

Frau Zeier, Sie sind als einzige Bezirksbürgermeisterin wiedergewählt worden. Was ist in Wald anders als in anderen Stadtteilen?

Birgit Zeier: Bei uns ist es ganz unproblematisch gelaufen, weil wir bestimmte Mehrheitsverhältnisse hatten. Wir hatten als SPD vier Stimmen, die Grünen hatten drei. Das waren zusammen sieben. CDU und FDP kamen gemeinsam auf fünf Stimmen. Die AfD wollen wir mal außen vor lassen. Obwohl ein SPD-Vertreter fehlte, hat die Wahl zur Bezirksbürgermeisterin geklappt (Anm. der Redaktion: Auch der Vertreter der AfD fehlte). Wir arbeiten mit den Grünen seit Jahren gut zusammen, und das wollten wir in der neuen Legislaturperiode gerne fortsetzen. Dieses Vertrauen kann man nicht verhandeln, das muss man sich erarbeiten.

Welche Schwerpunkte wollen Sie in den kommenden fünf Jahren setzen?

Zeier: Da gibt es einige. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir Fördergelder aus dem Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) bekommen. Das wäre ein Investitionsvolumen von 22,8 Millionen Euro, die in den nächsten Jahren nach Wald fließen könnten. Uns ist eine wohnortnahe Versorgung wichtig und eine barrierefreie, fußgänger- und fahrradfreundliche Umgestaltung von Wald. Den Walder Stadtpark möchten wir als generationsübergreifende Freizeit- und Kulturstätte weiter entwickeln. Auch die Umgestaltung des Grossmann-Areals steht an. Da sehen wir die große Chance, dass wir die Verknüpfung zur Jahnkampfbahn über den Walder Marktplatz schöner gestalten können. Das ISEK beinhaltet auch einen Stadtteilmanager. Im März wird erneut in Düsseldorf vorgesprochen, um weitere Projekte fördern zu können.

Für das Konzept sind auch Jugendliche befragt worden, die in Wald Freizeitangebote für sich vermissen.

Zeier: Das kann ich verstehen. Früher gab es viele Einrichtungen wie zum Beispiel den Jugendtreff an der Poststraße oder im Ittertal. Das ist alles weggefallen. Es wäre sinnvoll, dass Jugendliche einen eigenen Aufenthaltsort für sich gestalten können. Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat das übernommen und auch bereits eine Mitarbeiterin, Marina Dirks, dafür eingestellt. Ihr Büro ist übergangsweise an der Stresemannstraße. Die Räumlichkeiten für den Jugendtreff stehen noch nicht fest.

Als großes Bauvorhaben steht auch das Projekt „Greeen“ auf dem Gelände der Firma Breuer & Schmitz an.

Zeier: Auch da soll etwas Schönes mit 177 Wohneinheiten entstehen. Wir haben den Bebauungsplan bereits beschlossen. Zudem wollen wir auch weiterhin bezahlbaren Wohnraum in Wald haben. An der Friedrich-Ebert-Straße werden 52 Sozialwohnungen gebaut.

Die Corona-Pandemie hat viele Auswirkungen, unter anderem auf den Einzelhandel. Wie sehen Sie die Situation der Walder Händler?

Zeier: Ich bin ein bisschen stolz auf unseren Walder Einzelhandel. Hier wurde nach Lösungen gesucht, in diesen schwierigen Zeiten zusammenzuhalten und trotzdem noch Umsätze zu haben. Die Händler haben sich schnell umgestellt und Alternativen gefunden, zum Beispiel indem ein Lieferservice angeboten wurde. Sie haben nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern versuchen, das Beste daraus zu machen. Das ist genau richtig in dieser Zeit.

Wie ist die Entwicklung bei der Walder Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG), für die bereits ein Verein gegründet wurde?

Zeier: Die Situation ist im Moment wegen der Corona-Pandemie ein bisschen schwierig. Um eine gesetzliche ISG installieren zu können, sind viel Aufwand und Zeit nötig. Man muss Gespräche mit den einzelnen Eigentümern führen, um ihnen zu erläutern, was sie von einer ISG haben. Wir sehen die Chancen, um den Stadtteil weiterzuentwickeln, und hoffen, dass es weitergeht.

Was zeichnet Wald aus?

Zeier: Wir haben in Wald ein tolles bürgerschaftliches Engagement. So viele Vereine und Verbände sind engagiert. Da sind wir sehr gut aufgestellt. Wenn es irgendwo Schwierigkeiten gibt, wird gemeinsam nach Lösungen gesucht. Das zeichnet unseren Stadtteil aus.

Die ST-Serie der Interviews mit den Bezirksbürgermeistern wird fortgesetzt.

Zur Person

Birgit Zeier (53) ist gebürtige Walderin. Die verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Töchtern ist seit 2009 Bezirksbürgermeisterin von Wald. Die Sozialdemokratin arbeitet bei der AOK Rheinland/Hamburg als Fachberaterin Leistungen. In ihrer Freizeit ist sie gerne mit ihrem Hund Nicki unterwegs, einem Mix aus Jack Russell Terrier und Cavalier King Charles Spaniel.

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