Angeklagter schwieg zum Prozessauftakt

Versuchter Straßenraub: „Der wollte mich abstechen“

Landgericht Wuppertal
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Landgericht Wuppertal

Unter dem Vorwurf des versuchten Straßenraubs auf einen Bekannten in Mitte steht ein 21 Jahre alter Angeklagter vor dem Landgericht Wuppertal.

Von Dirk Lotze

Der Tat soll ein Auftritt mit gezücktem Messer und Todesdrohung an der Wohnadresse des Opfers (28) gefolgt sein. Vor den Richtern schweigt der Angeklagte. Der Prozess wurde Mittwoch zur Hängepartie: Zur Aussage war ein Mittäter als Zeuge geladen, der bereits in einer früheren Verhandlung verurteilt wurde. Er fehlte im Gericht.

Erschienen war der 28 Jahre alte Geschädigte. Er zeigte mit ausgestrecktem Arm auf den Angeklagten und rief: „Er war das!“ Dieser Mann habe ihn am Abend des 8. November mit einem Begleiter auf dem Weg von der Arbeit abgepasst, nahe dem Bahnhof Mitte. Den bereits verurteilten Mann habe er mit Vornamen gekannt; den Angeklagten kenne er vom Sehen.

Er sei der Wortführer gewesen. Die späteren Angreifer hätten ihm Tüten gezeigt, in denen Jacken zusammengefaltet lagen. Die habe der inzwischen verurteilte Mann im Hofgarten gestohlen: „Die hatten sechs Jacken und wollten 60 Euro für eine.“ Bei einem Ladenpreis von 400 Euro. Der Geschädigte berichtete: „Ich wollte das nicht. Ich habe gesagt, ich habe kein Geld dabei.“ Darauf hätten beide Männer Klappmesser gezogen. Der Angeklagte habe erneut Geld verlangt. Darauf sei der Überfallene weg gerannt. „Der wollte mich abstechen!“ Und: „Die waren besoffen, das habe ich gerochen. Die standen unter Drogen.“

Die Angreifer sollen dem ihm nachgelaufen sein. Als sie die Tür des Geschädigten erreichten, hätten sie gedroht. Der 28-Jährige rief die Polizei. Als die eintraf, waren die Männer nicht mehr dort. Der Überfallene gab den Beamten aber die Adresse des bereits verurteilten Mannes. Als die Polizei weg war, kam es seiner Aussage zufolge noch zu Telefonaten: „Sie haben gesagt: ,Wenn Du ein Mann bist, komm‘ zum Rathausplatz.‘“ Darauf habe er sich nicht eingelassen.

In der selben Nacht nahm die Polizei den Mann fest, der inzwischen verurteilt ist. Der nun Angeklagte wurde später ermittelt. Nach dem Verhandlungstag zog das Gericht ein Zwischenfazit zum vorläufigen Stand: „Wir neigen dazu, dem Geschädigten zu glauben.“ Das gelte trotz geringfügiger Widersprüche bei Einzelheiten. Die Drohungen vom Tatabend hatte der 28-Jährige im Gericht nur teilweise wiedergegeben. Einer der eingesetzten Polizisten konkretisierte: „Es ging darum, das Opfer zu töten oder ihm die Hände abzuschneiden.“

Gericht will den Angeklagten zur Aussage bewegen

Das Gericht gab dem Angeklagten auf, sich bis zur Fortsetzung am 27. Juli zu überlegen, ob er gestehen wolle. Dies gelte zumal der bereits verurteilte Mann vom Amtsgericht eine überschaubare Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten erhalten hat. Der wird zum Fortsetzungstermin von der Polizei zur Zeugenaussage vorgeführt.

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