Die Woche von Stefan M. Kob

Verkehrsplanung in der City: Besser wird’s nicht

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stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Welches Schweinderl hätten S’ denn gerne? Das war die Eingangsfrage beim heiteren Beruferaten in der legendären Quizshow „Was bin ich?” von Robert Lembke, die fast vier Jahrzehnte lang im Ersten lief.

In der Solinger Verkehrspolitik läuft das Quiz schon ähnlich lange, allerdings nicht als heiteres Rate-, sondern als Trauerspiel. Die Ergebnisse sind ähnlich beliebig, unentschlossen und rätselhaft. „Welche Variante hätten S’ denn gerne?” ist die Millionenfrage, die den Verkehrspolitikern jetzt anlässlich des Neubaus der Solinger Stadt-Sparkassen-Zentrale am Neumarkt erneut gestellt wird. Und man kann sicher sein: Es wird gar keine. Denn alle Versuche, den Bereich so autofrei wie möglich, aber dennoch irgendwie erreichbar zu halten, sind unter den gewählten Prämissen zum Scheitern verurteilt. Weil eine Quadratur des Kreises eben niemals gelingen kann.

Seit der letzten großen Neuplanung der Verkehrsführung im Zuge des Baus der Clemens-Galerien ist der Verkehrsfluss in der City so verquer gelöst, dass man ihn einem Ortsunkundigen nicht erklären kann. Versuchen Sie mal einem auswärtigen Autofahrer, der Sie am Mühlenplatz fragt, wie er wieder Richtung Gräfrath kommt, den Weg zu beschreiben.

Um aus der Innenstadt wieder heraus zu kommen, sind so viel Blockumfahrten und Schleichwege nötig, dass man erst recht viele Autos wie bei einer Schnitzeljagd durch die City schickt.

Bei allen diskutierten Varianten steht eines fest: besser wird’s nicht. Insbesondere die Zufahrt zum Hofgarten aus Richtung Süden wird zur Slalomfahrt geraten und konterkariert damit das eigentliche Ziel, unnötigen Verkehr aus diesem Bereich fernzuhalten. Jetzt rächt es sich erneut, dass es die Stadtpolitiker seinerzeit zur Eröffnung des Hofgartens grandios verbaselt haben, einen Kreisverkehr am Dickenbusch zu realisieren. Das hätte der City schon mal jede Menge unnötigen Such- und Zielverkehr erspart. Abwarten, zugucken, ablehnen – das war und ist schon immer die Devise der katastrophalen Solinger Verkehrspolitik. Nunmehr ist das Zeitfenster zu, die Bauzuschüsse haben andere Städte einkassiert, und Solingen kann sich wieder hinten anstellen.

Überhaupt ist das oberste von den Planern und der Politik ausgegebene Ziel einer autofreien City zu hinterfragen. Gerade in einer Zeit, in der sich das verschmähte Auto als Rettungskapsel erweist, in der gespeist, geheiratet, Konzerte gefeiert und Kinofilme geguckt werden.

Langenfelds früherer Bürgermeister Magnus Staehler hat den Kofferraum einmal als die größte Einkaufstasche bezeichnet. Die hat allerdings heute Konkurrenz durch eine noch größere bekommen: die DHL-Packstation. Der Solinger Handel hat es bei dieser ideologisch fehlgeleiteten Verkehrspolitik noch schwerer, sich gegen Amazon & Co. zu behaupten. Denn es ist ein Irrglaube, dass man es den Autofahrern nur so unbequem wie möglich machen muss, um sie zum Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen. Die kommen zwar tatsächlich nicht mehr in die Solinger Innenstadt. Aber sie fahren dann einfach woanders hin. Beispielsweise nach Langenfeld – mit dem Auto.

TOP Es geht voran: Auf dem Rasspe-Gelände entsteht Solingen wirtschaftliche Zukunft.

FLOP Es geht zu Ende: Freizeitpark Ittertal verkauft sein Inventar.

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