Mein Leben als Papa

Verkehrserziehung: Zum Glück habe ich Hannes an meiner Seite

Immer im Blick: Der Verkehrspolizist verfolgt genau, wie Hannes sich schlägt. Gut – solange sein Papa nicht an der Hand ist.
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Immer im Blick: Der Verkehrspolizist verfolgt genau, wie Hannes sich schlägt. Gut – solange sein Papa nicht an der Hand ist.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3)

Wir sind erst ein paar Schritte unterwegs, da drückt Hannes meine Hand und flüstert mir zu: „So ist das falsch, Papa. Du musst an der Straßenseite gehen.“ Verkehrserziehung mit der Vorschulgruppe und einem Elternteil im Kindergarten – diesen Termin habe ich mir schon seit Wochen geblockt, merke aber schnell: Das wird jetzt keine entspannte Mittagspause. Zum Glück habe ich einen bestens vorbereiteten und hochmotivierten Hannes an meiner Seite, der das Thema sehr ernst nimmt. Weil es ja auch ein wichtiges Thema ist – und weil uns ein Verkehrssicherheitsberater der Polizei begleitet.

Der lobt zunächst alle Eltern dafür, der Straßenseite zugewandt gegangen zu sein (Danke, Hannes!) und führt uns Mamas und Papas dann vor Augen, was auf uns zukommt. „Ihre Kinder gehen bald zur Schule. Erst kommt der Tag, an dem sie kein Küsschen mehr zum Abschied möchten. Dann kommt der Tag, an dem sie alleine zur Schule gehen wollen.“

Das mit dem fehlenden Küsschen ist schon jetzt keine Seltenheit mehr, aber Hannes abseits der beruhigten Seitenstraße, in der wir wohnen, aus den Augen zu lassen – irgendwie ist das noch eine komische Vorstellung für mich. „Der Straßenverkehr ist nicht für Kinder gemacht. Es kann jederzeit und überall etwas passieren“, sagt auch der Polizist. Aber das sei die falsche Herangehensweise. „Wir dürfen unsere Kinder nicht in Watte packen“, mahnt er. Also gut, üben wir!

Wir machen Halt an einer Garagenausfahrt. Der Polizist will gerade erklären, welche Gefahren hier lauern, kommt aber kaum zu Wort. Die Kinder wissen es längst und übernehmen seinen Job. Hannes setzt bei einer Frage noch einen drauf. „Welche Farbe haben denn die Lichter, wenn ein Auto . . .?“ – „Weiß“, grätscht Hannes dazwischen. „Du solltest an einer Quizshow teilnehmen, wenn du die Antworten schon vorher kennst“, zeigt sich der Polizist beeindruckt.

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Nicht ganz so beeindruckend ist meine Leistung, als es darum geht, zwischen geparkten Autos die Straße zu überqueren. Mit Hannes an meiner Hand gehen wir ein Stück nach vorne, gucken links und rechts, dann nicke ich Hannes zu – und ab geht’s. „Das war jetzt eher die norddeutsche Variante ohne großes Gequatsche“, sagt der Polizist. „Ein bisschen mehr Sprechen wäre schön.“ Hannes nickt. Ich sage: „Jo.“

Dann sollen die Kinder das Kommando übernehmen und ihre Eltern über die Straße führen. Hannes bester Kumpel fängt an. Er guckt links und rechts. Und wieder links. Dann rechts. Sein Papa an der Hand wartet. Und wartet. Autos, Busse und sicher auch Nacktschnecken ziehen an uns vorbei. Meine Mittagspause verlängert sich. „Damit wollte ich nur zeigen, dass Kinder Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht so gut alleine abschätzen können. Lassen Sie Ihre Kinder mit Ihnen an der Hand Erfahrungen sammeln und üben Sie“, rät der Polizist.

Hannes verhält sich seit der Verkehrserziehung ohnehin überkorrekt. Gegenüber Michel spielt er sich als Polizist auf, erklärt ihm, wo der Sichtpunkt ist, und weist ihn zurecht: „Du kannst stolpern, wenn du so schnell über die Straße rennst.“ Mir gibt das ein gutes Gefühl – bis zu dem Tag, an dem er wirklich zum ersten Mal alleine zur Schule gehen will.

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