Coronakrise

Vereine in Solingen plagen finanzielle Probleme

Auch für den Solinger Turnerbund (STB) sei die Situation schwierig, macht Vorstandsmitglied Lutz Nippes deutlich. Foto: Michael Schütz
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Auch für den Solinger Turnerbund (STB) sei die Situation schwierig, macht Vorstandsmitglied Lutz Nippes deutlich.

Die Coronakrise drückt auch in Solingen viele Vereine, die ihre Kosten sonst mit Einnahmen durch sportliche Angebote oder Volksfeste decken konnten, finanziell an die Wand.

  • Viele Vereine in Solingen sind durch die Pandemie wirtschaftlich unter Druck geraten.
  • Ein Solinger Rettungsschirm wäre eine freiwillige Maßnahme.
  • Solinger Vereine konnten bereits bis Ende Mai Förderung beantragen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Das Land NRW verspricht Abhilfe: Konkret bietet das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung ein Sonderprogramm für gemeinnützig oder mildtätig aktive Vereine an, die durch die Pandemie wirtschaftlich unter Druck geraten sind. Auch andere Einrichtungen können diese Hilfe unter bestimmten Voraussetzungen in Anspruch nehmen.

Solingen als Stärkungspaktkommune kann sich Hilfe nicht leisten

Und während reichere Städte zum Teil selbst in die Tasche greifen und einen Rettungsschirm für angeschlagene Vereine aufspannen, könne sich Solingen dies als Stärkungspaktkommune nicht leisten, bedauert Rathaussprecherin Birgit Wenning-Paulsen. „Ein Solinger Rettungsschirm wäre eine freiwillige Maßnahme, die an anderer Stelle bei den freiwilligen Mitteln wieder eingespart werden müsste.“ Die Stadt unterstütze die Vereine dennoch „auf vielfältige Weise, etwa durch Beratung und durch Entgegenkommen bei Zahlungszielen“.

So hätten die Sportvereine etwa durchgängig Betriebskosten und Sportzuschüsse erhalten – Entgelte seien dagegen nur berechnet worden, wenn die Sportstätten auch zur Verfügung standen. Das Kulturmanagement stehe zudem in regem Austausch mit den Kulturschaffenden und möglichen Geldgebern, um Fördermöglichkeiten zu generieren, heißt es dazu weiter aus der Pressestelle der Stadt. Zudem konnten Solinger Vereine bereits bis Ende Mai Förderung beantragen, die sich zum Teil aus Mitteln des Landes sowie aus Geldern aus der Gerd-Kaimer-Stiftung zusammensetzte.

Solingen: Hilfe haben manche Vereine bitter nötig

Und Hilfe haben manche auch bitter nötig, wie Hermann-Josef Gretges, Erster Brudermeister der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Solingen-Ohligs, bestätigt. Die Situation für seinen Verein sei äußerst besorgniserregend: „Wir dürfen uns nicht mehr treffen und keine Feste mehr feiern und der Schießstand ist seit Wochen gesperrt“, schildert der Solinger. „Wir haben schon überlegt, die Förderung des Landes zu beantragen. Eine endgültige Entscheidung haben wir dazu noch nicht getroffen.“

Nicht viel rosiger ist die Lage bei der befreundeten St. Sebastianus Schützenbruderschaft Solingen-Wald, sagt deren Erster Brudermeister Alexandro Sansone: „Weil wir zurzeit keine Feste organisieren und zum Beispiel unseren Bayern-Abend nicht veranstalten können, haben wir sehr hohe Einbußen zu verzeichnen.“ Auch die Jugendarbeit sei kostspielig, während das Vereinsleben selbst brachliege. Zwar sei die Situation für den Verein noch nicht existenzbedrohend, weil er in den vergangenen Jahren gut gehaushaltet habe, doch seien die laufenden Kosten wie die Miete für die Räumlichkeiten immer schwieriger zu stemmen.

„Ich weiß nicht, ob wir einen zweiten Lockdown überstehen würden.“
Lutz Nippes, Solinger Turnerbund

„Beinahe zurück auf Normalbetrieb“ will nach den Sommerferien derweil der Solinger Turnerbund (STB) umstellen, berichtet der stellvertretende Erste Vorsitzende, Lutz Nippes. „Ich weiß nicht, ob wir einen zweiten Lockdown überstehen würden.“ Zwar habe der Verein bei den Mitgliedsbeiträgen kaum Einbußen zu verzeichnen gehabt, da die Mitglieder dem STB trotz der Umstände die Treue gehalten hätten, doch sei der Sportbetrieb zwischenzeitlich quasi zum Erliegen gekommen. Probleme bereiteten auch die Personalkosten: „Einige Übungsleiter mussten wir in Kurzarbeit schicken und konnten sie nicht trotzdem bezahlen, weil wir nun mal Vereinsvermögen verwalten“, so Nippes.

Solingen: Karnevalsvereine ächzen unter der Finanzlast

Ähnlich sieht es beim Wald-Merscheider Turnverein (WMTV) aus, berichtet dessen Vorsitzender Rolf Fischer. „Bisher sind wir noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen. Aber es bleibt schwierig, weil wir als gemeinnütziger Verein auch keine Rücklagen bilden dürfen.“

Auch die Karnevalsvereine ächzten unter der Finanzlast, sagt der neue Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval (FSK), Axel Hawranke: „Wenn wir die Feste in der kommenden Session nur mit einem Bruchteil der Gäste feiern dürfen, ist das schlichtweg nicht finanzierbar.“

Sonderprogramm

Die NRW-Landesregierung investiert 50 Millionen Euro in ein Sonderprogramm, um in Not geratene Vereine zu unterstützen. Diese können einen Zuschuss von bis zu 15 000 Euro beantragen. Weitere Infos im Internet.

https://t1p.de/myb2

Standpunkt: Kreative Lösungen finden

Von Kristin Dowe

Es gibt nichts zu beschönigen: Die finanzielle Situation vieler Solinger Vereine ist bedingt durch die Coronakrise äußerst angespannt.

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Selbst wenn die Akteure in den vergangenen Jahren sparsam gewirtschaftet haben und in der Krise von wohlwollenden Mitgliedern unterstützt wurden, die zum Teil anstandslos ihre Beiträge weitergezahlt haben, ohne eine Gegenleistung dafür zu erhalten – die Wochen des Lockdowns ziehen empfindliche Einbußen nach sich. Diese sind nicht von heute auf morgen aufzufangen, wenn laufende Kosten wie Miete und Strom fürs Vereinsheim gedeckt und Personal bezahlt werden muss.

Da verheißt der Ansatz der NRW-Landesregierung einen Hoffnungsschimmer, dass besonders gebeutelte Vereine einen Engpass zumindest zeitweise überbrücken können. Und auch die Stadt würde ihre Vereine wohl gerne finanziell unterstützen – wenn sie es nur könnte. Große Sprünge erlaubt die klamme Finanzsituation der Klingenstadt aber nun mal nicht, da müssen kreative Lösungen gefunden werden. Letztlich sind es die Vereine, die das gesellschaftliche Leben in der Stadt aufrechterhalten. Sie dürfen mit ihrer unverschuldeten Notlage nicht im Stich gelassen werden.

Helmut Schurr fürchtet nach dem Wegfall des diesjährigen Marktfestes auch um den Martinszug im November.

Dass sowohl die Stadt als auch der TSV Aufderhöhe als Sportverein des Stadtteils eine Menge Arbeit und Geld investieren wollen, wird der sportlichen Entwicklung in Aufderhöhe bald zugutekommen.

Er gilt als ein Stück authentisches Portugal in der Klingenstadt: Der „Portugiese“ – so nennen die Solinger den Restaurantbetrieb des portugiesischen Kulturvereins Associação Portuguese de Solingen an der Alexander-Coppel-Straße im Südpark.

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