IQ über 130

Verein macht Angebote für Hochbegabte

Müller, der Magier zeigte Kindern beim Zauberworkshop am vergangenen Wochenende Tricks. Die DGhK Rhein-Ruhr organisiert nach der Corona-Pause wieder Angebote in Präsenz.
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Müller, der Magier zeigte Kindern beim Zauberworkshop am vergangenen Wochenende Tricks. Die DGhK Rhein-Ruhr organisiert nach der Corona-Pause wieder Angebote in Präsenz.

Rund zwei Prozent der Bevölkerung haben einen IQ von über 130.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Rund zwei Prozent der Bevölkerung gelten als hochbegabt. Eine Hochbegabung liegt vor, wenn die Person einen Intelligenzquotienten (IQ) von mindestens 130 hat. Die besonderen intellektuellen Fähigkeiten fallen meist schon im Kindesalter auf. Für die Eltern sind sie oft eine Herausforderung. Beratung und Unterstützung bekommen Familien bei der Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK).

Während in der Corona-Pause viele Kontakte nur digital stattfanden, bietet der Regionalverein Rhein-Ruhr jetzt wieder Präsenzveranstaltungen an. Am vergangenen Wochenende kamen Kinder und Jugendliche zum Zauberworkshop im evangelischen Gemeindehaus an der Neuenhofer Straße zusammen. Auch die Spieletreffs sind wieder angelaufen. „Der Gesprächskreis für Eltern findet jedoch immer noch online statt, weil so viele teilnehmen, die sonst nicht könnten“, berichtet die erste Vorsitzende Cornelia Melcher.

Bei rund 70 Prozent ist die Hochbegabung vererbt.

Cornelia Melcher Vorsitzende

Die Solingerin kennt das Thema Hochbegabung in allen Facetten. Als Jugendliche wurde bei ihr ein überdurchschnittlicher IQ festgestellt, nachdem sie zusammen mit ihrem Bruder getestet worden war. Auch ihr Sohn und ihre Tochter sind hochbegabt. „In rund 70 Prozent der Fälle ist die Hochbegabung vererbt.“ Bei ihrem Sohn Florian sei ihr das zunächst nicht so aufgefallen: „Er war pfiffig, hat aber nicht früher gesprochen als andere.“ Mit vier Jahren habe er sich jedoch das Lesen beigebracht: „Zum Schluss hat er den anderen im Kindergarten vorgelesen.“ Daraufhin sei er mit fünf Jahren eingeschult worden und übersprang später eine Klasse. Inzwischen besucht der 13-Jährige die 9. Jahrgangsstufe an der August-Dicke-Schule. Auch Tochter Julia (11) kam mit fünf in die Schule und geht heute auf eine Wuppertaler Privatschule.

Doch gerade die Schule sorgt bei vielen Hochbegabten für Probleme. „Viele denken, dass die Kinder immer gute Noten schreiben“, schildert Melcher. Doch auch das Gegenteil könne der Fall sein, wenn die Schüler im Unterricht unterfordert seien und geistig abschalten. Manche würden auffällig: spielen den Klassenclown, werden aggressiv oder sitzen unter dem Tisch. „Oder zuhause gibt es Riesenprobleme, weil sich da alles entlädt.“

In der Beratung der Eltern, die Melcher für den Regionalverein macht, gehe es um individuelle Lösungen: „Es gibt kein Konzept für alle. Häufig wenden sich Eltern an uns, deren Kind bereits hochbegabt getestet wurde.“ Eine Möglichkeit sei, bei Kindergartenkindern über eine frühere Einschulung nachzudenken. Eine Jahrgangsstufe könne übersprungen werden oder das Kind im Unterricht individuell gefördert werden. Letzteres sei für Lehrer jedoch oft schwer umzusetzen. Helfen könnten auch Drehtürmodelle, bei denen einzelne Fächer in höheren Jahrgangsstufen besucht werden. „Oder zwei Fremdsprachen werden parallel gelernt.“ Möglichkeiten seien auch die Junior-Uni, ein Frühstudium, ein Musikinstrument oder eine Sprache wie Chinesisch. „Alles, was interessiert, aber nicht dem Schulstoff vorgreift.“

Anregungen geben auch Kontakte zu anderen Hochbegabten. Der DGhK-Regionalverein bietet deshalb einmal im Monat einen Spieletreff in der Kita Dürerstraße an. Beim ausgebuchten Zauberworkshop am vergangenen Wochenende zeigte Müller, der Magier Kindern und Jugendlichen Tricks. Cornelia Melcher nimmt mit ihrer Familie regelmäßig an Camps der DGhK teil: Neben Angeboten wie Programmieren könnten die Teilnehmer auch gut Kontakte knüpfen. Regelmäßigen Austausch für Eltern gibt es beim Gesprächskreis, der jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat stattfindet.

Gründung: Die Gesellschaft für das hochbegabte Kind mit Sitz in Berlin wurde 1978 gegründet. Der Verein mit 14 Regionalvereinen berät hochbegabte Kinder und ihre Eltern, bildet Lehrkräfte und Erzieherinnen fort und organisiert Förderangebote.

Kontakt: Das Beratungstelefon des Regionalvereins Rhein-Ruhr ist unter Tel. (02 12) 65 88 29 57 oder per E-Mail erreichbar. Dort können Eltern sich von Cornelia Melcher zum Thema Hochbegabung erstberaten lassen. Der Regionalverein hat aktuell 461 Mitglieder.
erstberatung@dghk-rr.de
dghk-rhein-ruhr.de
dghk.de

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