Querfeldein-Fahrten

Verdichtete Böden machen Naturschützern Sorge

Jan Boomers zeigt eine Stelle im Wald, an der der Boden verdichtet ist. Foto: Christian Beier
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Jan Boomers zeigt eine Stelle im Wald, an der der Boden verdichtet ist.

Mountainbiker fahren querfeldein – der Wald braucht Jahrzehnte, um sich von den Schäden zu erholen.

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. Das schöne Wetter und die hügelige Landschaft im Bergischen Land reizen Mountainbiker dazu, mehr mit dem Rad unterwegs zu sein – und das nicht nur auf den dafür vorgesehenen Wegen. Das bedeutet allerdings eine zusätzliche Schädigung der Natur. Bei vielen Lesern stieß das auf Unmut. „Es ist ein weiter anwachsendes Problem, dass sehr gut an der Wupper, in der Ohligser Heide und in Hangbereichen zu beobachten ist“, sagt auch Jan Boomers, Geschäftsführer von der Biologischen Station Mittlere Wupper.

„Ein vermehrtes Fahren abseits der Wege führt zu Bodenverdichtungen und damit einhergehenden Bodenerosionen“, heißt es von Stadtsprecherin Sabine Rische. Das führe zu Schneisen, auf denen irgendwann nichts mehr wächst. Das bestätigt auch Jan Boomers. Besonders in Hangbereichen, die im Bergischen Land zumeist auftreten, sei das ein großes Problem.

Zudem würden auch Wurzeln von Bäumen Schäden nehmen. Dadurch können Pilze in die Bäume eindringen, die Bäume sterben ab.

„Diese Schäden sind irreparabel“, betont die Stadt. Jan Boomers nimmt an, dass der Wald bei einer Bodenverdichtung Jahrzehnte braucht, um sich zu erholen. Die Vegetation benötige hingegen nur ein bis zwei Jahre. Vorausgesetzt es fährt in der genannten Zeit niemand mehr über die bereits zerstörte Stelle.

Neben den Schädigungen an Boden und Bäumen kommt – meist eher im flachen Gelände – noch ein weiterer Faktor ins Spiel. Die Tiere, die im Gras sitzen und eventuell gerade ihre Jungen versorgen. „Kommen Menschen zu Fuß, können die Tiere meist relativ stressfrei ausweichen. Mountainbiker sind viel schneller unterwegs und schrecken wildlebende Tiere ganz anders auf“, heißt es vonseiten der Stadtsprecherin. Dabei könne wertvolle Energie verloren gehen, die im schlimmsten Fall bei der Versorgung der Jungtiere fehle. Das ist vor allem im Frühling der Fall.

„Diese Schäden sind irreparabel.“

Sabine Rische, Stadtsprecherin

„Querfeldeinfahren hört sich erstmal nicht schlimm an, aber das wird es, wenn dieselben Flächen immer und immer wieder befahren“, so Boomers. Die Zunahme der Mountainbiker erklärt er sich durch die Einführung der E-Bikes. Dadurch sei die Zahl der Fahrradfahrer im Bergischen gestiegen. „Vorher war man platt, wenn man den Berg einmal hochstrampeln musste. Jetzt kann die Strecke öfter gefahren werden, weil es nicht mehr so mühsam ist, einen Berg erneut hochzukommen“, vermutet Boomers als Grund für die Zunahme der Bodenverdichtungen. Und: Gute Strecken sprechen sich rum.

Zudem gebe es nur wenige Bereiche, die sich überhaupt dazu eignen, weil die Waldfläche begrenzt ist, sagt der Geschäftsführer der Biologischen Station. Deshalb weist Sabine Rische darauf hin, dass es ein Wegegebot gibt: „Deshalb ist das Fahren im Wald grundsätzlich nur auf vorhandenen Wegen erlaubt.“ Das gelte auch für Fußgänger, besonders in Naturschutzgebieten. Laut Boomers hinterlassen Fußgänger zwar kleinere Schäden als Radfahrer, können dafür aber eine größere Fläche beanspruchen.

Der städtische Ordnungsdienst kontrolliert in den Gebieten im Wald allerdings nicht, teilt die Stadt auf Nachfrage mit.

WEGEGEBOT

Das sogenannte Wegegebot gilt in Naturschutzgebieten sowohl für Radfahrer als auch für Wanderer oder Spaziergänger. Zu diesen bestimmten Gebieten zählen in Solingen beispielsweise die Ohligser Heide, die Sengbachtalsperre oder die Wupperberge. „Besucher werden gezielt gelenkt, um Störungen für die Natur zu minimieren“, erklärt Stadtsprecherin Sabine Rische den Sinn hinter der Regelung. Der Begriff Natur schließt die Tier- und Pflanzenwelt ein – aber auch den Boden.

Der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde schaute sich vergangenes Jahr den nicht genehmigten Parcours in Ohligser Heide an. Der Lukastrail könnte legalisiert werden.

Der Klingentrail wurde im September 2018 eröffnet. Um das Gelände kümmert sich Velo Solingen in Absprache mit der Stadt als Ansprechpartner.

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