Urteil

Vater mit Hammer attackiert: 35-Jähriger muss in die Psychiatrie

Das Urteil des Wuppertaler Landgerichts ist bereits rechtskräftig.
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Das Urteil des Wuppertaler Landgerichts ist bereits rechtskräftig.

Der Angeklagte rief selber die Polizei.

Von Dirk Lotze

Solingen. Für einen lebensgefährlichen Hammerangriff auf den eigenen Vater (71) in Solingen muss ein 35 Jahre alter Mann aus Hückeswagen auf Dauer als gemeingefährlich krank in eine geschlossene Klinik. Die Tat hat er zugegeben, das Urteil des Landgerichts Wuppertal ist bereits rechtskräftig. Der Vater überlebte einen offenen Schädelbruch und leidet laut eigener Aussage unter ständigen Schmerzen. Zusammenfassung des vorsitzenden Richters: „Der Sohn hätte – schuldunfähig – fast den eigenen Vater erschlagen.“

Tatwerkzeug war ein „Gipserbeil“, das eine hammerartige Seite hat. Der 35-Jährige soll es am Morgen des 20. Dezembers 2019 in einem Baumarkt gekauft haben, nachdem er bei seinem Vater in Solingen-Mitte übernachtet hatte und weiter zu Besuch war. Der 71-Jährige sagte, er habe nicht bemerkt, dass sein Sohn das Haus verlassen hatte und zurück kam. Er habe an einem Computer gesessen, mit dem Rücken zum Raum. Da hätte er zwei Blitze gesehen. Er sei erst im Krankenhaus wieder aufgewacht.

Der Sohn rief unmittelbar nach der Attacke die Polizei und erklärte, leicht unsicher im Ton: „Ja hallo, ich habe meinen Vater gerade getötet.“ Und „Ich habe die Kontrolle verloren.“ Es sei „einfach so“ geschehen.

35-Jähriger ließ sich vor der Tat freiwillig behandeln

Die Aufnahmen spielte das Gericht in der Verhandlung vor. Demnach erklärte der Anrufer, im Haus befinde sich noch der Hammer, den er benutzt habe. Entsprechend vorsichtig näherten sich die Einsatzkräfte dem Haus. Der 35-Jährige ließ sich festnehmen, der schwer verletzte Vater wurde gerettet.

Zeugen zufolge reicht die Krankheit des Sohnes mehr als zehn Jahre zurück. Er habe schon früher den Vater angegriffen und geschlagen, als dieser im Bett lag. Tatwerkzeug sei womöglich eine Bratpfanne gewesen. Die Familie habe das als „Unfall“ zunächst abgetan. Später soll es Prügelangriffe auf die Mutter gegeben haben. Die erwirkte ein gerichtliches Kontaktverbot gegen den Sohn, der daraufhin zunächst freiwillig in eine psychiatrische Klinik ging. Ein auffälliger Ablauf, stellte der vorsitzende Richter klar: „Wenn das damals noch anderen Behörden bekannt geworden wäre, hätte sich die Tat gegen den Vater womöglich nicht ereignet.“

Der 71 Jahre alte Verletzte hat noch mindestens eine schwere Operation vor sich. Er erklärte, er hoffe, wieder laufen lernen zu können. Einen Nebenjob, mit dem er seine Rente aufbesserte, könne er nicht mehr ausüben. Seinem Sohn gebe er keine Schuld, wohl aber den Umständen, den Gesetzen und den Kliniken. Eine Einrichtung hatte den kranken Sohn am Tag vor der Tat womöglich aufgrund eines Fehlers nicht aufgenommen. Dadurch kam es zur Übernachtung beim Vater.

Lesen Sie auch: Richter sprechen Urteil in Prozess um Falschgeld und Drogengeschäfte. Solinger muss für zehn Jahre ins Gefängnis.

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