Nachruf

Der Vater des Gräfrather Lichtturms ist gestorben

Der Lichtturm ist ein Kunstwerk. Er wurde von Johannes Dinnebier erschaffenen und ist oft selbst Ort der Kultur.
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Der Lichtturm ist ein Kunstwerk. Er wurde von Johannes Dinnebier erschaffenen und ist oft selbst Ort der Kultur.

Johannes Dinnebier wurde fast 94 Jahre alt.

Von Philipp Müller

Solingen. Am Sonntag, 17. Januar, starb kurz vor Vollendung seines 94. Lebensjahrs Johannes Dinnebier. Ihn kennen die Solinger als den Mann, der den Lichtturm in Gräfrath erschuf. Nicht nur dafür erhielt er 1998 den Kunstpreis der Bürgerstiftung Baden.

Doch der Turm ist nur eine der beeindruckenden Spuren, die der Lichtdesigner in Solingen hinterließ. Er erweckte in den 1960er Jahren die Bausmühle zu neuem Leben. Dort wohnte er, eine Zeit lang war dort auch der Sitz seiner Firma. Für das Theater und Konzerthaus entwarf er die Beleuchtung der Decken, die dem Pina-Bausch-Saal bis heute unverändert eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.

Johannes Dinnebier konzipierte die Beleuchtung bei Großprojekten.

Doch Dinnebier war viel weiter als nur in Solingen aktiv. Seine Familie würdigt sein Schaffen in einem Nachruf: „Johannes Dinnebier war ein Pionier der Lichtplanung und konzipierte die Beleuchtung von Großprojekten wie den Flughäfen Istanbul und Moskau, des Regierungsviertels in Riad. Er schuf stimmungsvolles Licht für zahllose Kirchen, ebenso wie für eine Moschee in Islamabad, aber auch für Säle, Läden und Wohnhäuser. Auf der Weltausstellung in Montreal war er mit einer Lichtsäule vertreten.“

Geboren wurde er im heutigen Tschechien. Daniel Klages von der Firma „Dinnebier Licht“ zählt die Stationen auf: „Als Heimatvertriebener war er nach dem Krieg nach Kassel gekommen, ein Flüchtling, der sein Leben von Grund auf neue erfinden musste.“ Nach Stationen als Schuhhersteller, Eselstreiber, Barkeeper, Skilehrer und Obsthändler kam er zufällig in Berührung mit dem Lampenbau.“ Das war in Düsseldorf. Dort habe er auch seine spätere Ehefrau und Mutter der gemeinsamen fünf Kinder, die ihm zehn Enkelkinder schenkten, kennengelernt.

Zusammen mit der Innenarchitektin Elisabeth Schneider startete der Handel mit Lampen, der schnell auch der Ort für neue Design-Ideen und schließlich ein Planungsbüro wurde. Parallel zur Welt des Lichts entdeckte Johannes Dinnebier, den alle gerne „Hannes“ riefen, seinen Sinn für historische Bauwerke. Nicht nur der barocke Gewerbebau und Bauernhof Bausmühle hat ihm neues Leben zu verdanken. Eher klein ist noch der Zielskotten in Wald, richtig groß Schloss Lüntenbeck in Wuppertal, wo früher auch die Firma residierte, die heute am Piepersberg in Gräfrath sitzt.

Die Familie berichtet aber auch dies über ihn: Die Fertigstellung seiner vielen spannenden Projekte sei ihm weniger eine Befriedigung gewesen als vielmehr der Ausgangspunkt zum Weiterdenken. Das schlug sich in seinem Engagement für die Bewegung der Vorschule nieder. Dinnebier war Mitglied im Bund Deutscher Architekten. Er engagierte sich im Deutschen Werkbund oder auch für die Museumsinsel Hombroich.

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