Prozess

Unternehmer aus Solingen schweigt zu illegaler Müllentsorgung

Das Amtsgericht in Wuppertal.
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Das Amtsgericht in Wuppertal.

Asbesthaltiger und krebserregender Abfall wurde auf Schutthalde in Wuppertal gebracht.

Von Dirk Lotze

Solingen. In seinen Prozess um gefährlichen, illegalen Umgang mit asbesthaltigen und anderen krebserregenden Stoffen startet ein angeklagter Solinger Unternehmer (68) schweigend. Dem Mann werden fünf Taten in Solingen und der Region im Zusammenhang mit Abbruch von Gebäuden und Entsorgung von Schutt und Abfällen vorgeworfen. In einem Fall soll der Mann der Stadt Solingen eine gefälschte Bescheinigung über Entsorgung vorgelegt haben, die nie stattgefunden hatte.

Der Staatsanwaltschaft zufolge war der 68-Jährige ab 2014 mit dem Abbruch eines Gewerbebetriebs an der Bergstraße befasst. 2015 legten die Behörden die Baustelle still. Asbest soll der Angeklagte ohne ausreichende Schutzmaßnahmen auf einer illegalen Bauschutthalde in Wuppertal entsorgt haben. Dazu kommen ähnliche Vorwürfe im Zusammenhang mit Projekten in Langenfeld und Heiligenhaus. Die Entsorgung soll der Angeklagte trotzdem berechnet haben – als hätte er sie ordnungsgemäß ausgeführt.

Ein früherer Angestellter (59) bezeichnete die zurückliegende Arbeit für den Angeklagten als die schlimmste Zeit seines Lebens: „Ich könnte mich in den Hintern treten, dass ich mich darauf eingelassen habe.“ Ursprünglich habe er beim Angeklagten einen Nebenjob als Lkw-Fahrer gehabt. Der 68-Jährige habe ihn überzeugt, als Strohmann tätig zu werden, als angeblichen Geschäftsführer eines Unternehmens: „Ich hatte absolutes Vertrauen“.

Der Betrieb sei in die Insolvenz gegangen. Frühere Geschäftspartner hätten ihn angerufen und Geld verlangt. Mit Gerichtspost hätte er seinen Flur tapezieren können. Dabei habe der Angeklagte eine Fähigkeit, sich aus kniffligen Situationen herauszureden: „Sie können ihn fragen, was sie wollen – er hat sofort eine plausible Erklärung für sie.“ Der Zeuge fügte hinzu, mit dem Angeklagten habe er sich schließlich wegen des Umgangs mit Asbest angeschrien. So sei es zur Kündigung gekommen. Wegen seiner Zeit als angeblicher Geschäftsführer habe er sich über Jahre mit Finanzamt, Krankenkassen, Banken und Staatsanwaltschaft auseinandersetzen müssen.

Das Gericht hat acht weitere Verhandlungstage für Zeugenaussagen und Gutachten vorgesehen.

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