Medizin

Unterkiefer entsteht im 3D-Drucker

Dr. Erich Theo Merholz (l.), Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der St. Lukas Klinik, und der Fördervereins-Vorsitzende Dr. Teut-Achim Rust stellten die Möglichkeiten des neuen 3D-Drucks in der Medizin vor. Foto: Daniela Tobias
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Dr. Erich Theo Merholz (l.), Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der St. Lukas Klinik, und der Fördervereins-Vorsitzende Dr. Teut-Achim Rust stellten die Möglichkeiten des neuen 3D-Drucks in der Medizin vor.

St. Lukas Klinik hat neues Gerät. Damit können Operationen am Kunststoff-Modell vorbereitet werden.

Von Simone Theyßen-Speich

Die moderne Technik des dreidimensionalen Druckens hat auch in der Medizin Einzug gehalten. Die St. Lukas Klinik arbeitet in ihren operativen Abteilungen seit kurzem mit Modellen, die im 3D-Drucker entstanden sind. „Wir sind begeistert, dass der Förderverein der Klinik diese ganz besondere Anschaffung möglich gemacht hat“, betonte Dr. Erich Theo Merholz, Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) in Ohligs. Knapp 6000 Euro hat der Förderverein in den 3D-Drucker investiert.

Anwendung findet das Gerät zum Großteil in der MKG-Chirurgie von Dr. Merholz. „Brüche im Gesicht, vor allen Dingen Trümmerbrüche oder starke Verschiebungen der Knochen, sind während der Operation schwer zu behandeln“, erklärt der Mediziner. Das dreidimensionale Modell der Knochen bietet jetzt die Chance, einzelne Schritte der Operation an dem Kunststoff-Modell vorzubereiten.

„Die 3D-Technik spart Zeit und reduziert Schmerzen.“
Dr. Erich Theo Merholz, Chefarzt in der St. Lukas Klinik

„So können wir beispielsweise auf dem 3D-Modell die Titanplatten, die während der Operation bei dem verletzten Patienten eingesetzt werden, schon ganz exakt biegen“, erklärt der Chirurg. Vorteile biete das gleich mehrere. Durch die präzisen Vorarbeiten verringere sich die Operationszeit. Es komme zu weniger Blutungen bei den Patienten und somit zu einer Verringerung von Schwellungen und Schmerzen. Deutlich einfacher könne etwa die Titanplatte zur Festigung des Kiefers dann vom Modell auf den Patienten übertragen werden.

Eingesetzt wird die moderne Technik in der St. Lukas Klinik nicht nur in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Auch Lebermetastasen, die beispielsweise bei einer Darmkrebs-Erkrankung entstehen können, werden mittels 3D-Modell exakt lokalisiert und dann herausoperiert.

Die dreidimensionalen Datensätze, die Voraussetzung dafür sind, dass der Drucker exakt produzieren kann, werden bei einer Computertomographie (CT) oder Digitalen Volumentomographie (DVT) gewonnen. „Diese Geräte stehen in der Klinik ohnehin bereit“, erklärt der Krankenhaus-Direktor Johannes Wecker. Für die Verarbeitung der Daten und den Druck der Modelle wurde jetzt ein Mitarbeiter speziell ausgebildet.

Dr. Teut-Achim Rust, Vorsitzender des Fördervereins der St. Lukas Klinik, ist selbst niedergelassener Zahnarzt in Ohligs und fasziniert von den neuen Möglichkeiten, die die moderne Technik bietet. „Es ist auch ein Gewinn für die Ausbildung der jungen Ärzte, die an den realen Modellen üben können.“

Das Modell zu drucken, braucht allerdings Zeit. An einem kompletten Schädel arbeitet der 3D-Drucker etwa 20 Stunden. „Die Zeit haben wir aber in der Regel, weil man schwerverletzte Patienten heute nicht mehr sofort operiert, sondern erst stabilisiert“, erklärt Dr. Merholz. Operationen im ersten Schockstadium seien oft mit Komplikationen verbunden.

3D-NETZWERK SOLINGEN

GRÜNDUNG Das 3D-Netzwerk Solingen wurde vor zwei Jahren auf Initiative der städtischen Wirtschaftsförderung gegründet und hat 450 Mitglieder. Auch die St. Lukas Klinik will Mitglied werden. MITGLIEDER Aktiv dabei sind unter anderem die Fraunhofer Gesellschaft, die Telekom, 15 Universitäten und viele Firmen.

Im 3D-Drucker Körperteile zu produzieren, die als Knochenersatz im Körper bleiben können – so weit ist die Technik noch nicht. „Es gibt aber erste Versuche, Titan durch Kunststoff zu ersetzen, der sich später im Körper auflöst“, skizziert Dr. Merholz. Knochenersatz zu produzieren, sei aber noch Zukunftsmusik. Stattdessen wird bei Operationen Knochen im Körper entnommen, etwa am Beckenkamm.

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