Montagsinterview

Stadtmarketing: „Unsere Zielgruppe sind die Solinger“

Sandra Perinelli-Hallac und Tim Müller bilden das neue Team für den Bereich Stadtmarketing und lokaler Tourismus.
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Sandra Perinelli-Hallac und Tim Müller bilden das neue Team für den Bereich Stadtmarketing und lokaler Tourismus.

Tim Müller und Sandra Perinelli-Hallac wollen frischen Wind in Stadtmarketing und Tourismusförderung bringen.

Von Manuel Böhnke

Frischer Wind für Solingens Auftritt: Tim Müller ist Joachim Radtkes Nachfolger als Sachgebietsleiter Stadtmarketing und lokaler Tourismus. Zudem rührt Sandra Perinelli-Hallac seit Anfang November die Werbetrommel für Solingen. Im Interview erklärt das Duo, wie es die Klingenstadt attraktiv darstellen möchte.

Herr Müller, vor zehn Jahren haben Sie Solingen den Rücken gekehrt, lebten in Münster und Berlin. Wie hat sich Ihre Heimat verändert?
Tim Müller: Es hat sich einiges verändert, aber vor allem sehe ich die Stadt jetzt mit anderen Augen. Als ich Solingen verlassen habe, war ich gerade mit dem Studium fertig – heute habe ich eine Frau und zwei Kinder. Das hat meinen Blick auf das, was vor Ort passiert, geweitet: Ich lerne zu schätzen, was wir hier haben. Mir war früher nicht klar, wie viele Organisationen, Vereine und Ehrenamtliche daran arbeiten, die Stadt lebenswerter zu machen.
Wie sind Sie zum Stadtmarketing gekommen?
Müller: Aus persönlichen und familiären Gründen wollten wir bereits 2019 nach Solingen zurückkehren, Corona war der Beschleuniger. Zweieinhalb Jahre später habe ich mich dann initiativ beim Stadtmarketing beworben – dass gerade ein neuer Leiter gesucht wurde, war mir gar nicht klar.
Sie haben der freien Wirtschaft den Rücken gekehrt.
Müller: Es gab Überlegungen, mich bei Agenturen in der Nähe zu bewerben. Ich habe aber erkannt, dass das Stadtmarketing großes Potenzial bietet. Außerdem finde ich es sehr reizvoll, mich für meine Heimat einzusetzen und hier etwas zu verändern. Ein weiteres Argument war, dass die Verwaltung ein familienfreundliches Umfeld mit geregelter Arbeitszeit bietet – das habe ich schon anders erlebt.
Was sind Ihre Hauptziele in Sachen Stadtmarketing?
Sandra Perinelli-Hallac: Gerade in den sozialen Netzwerken wird häufig bemängelt, dass es in Solingen zu wenige Angebote gibt, gerade für junge Menschen. So habe ich auch lange Zeit gedacht – aber das stimmt nicht. Es gibt viel, viel mehr Veranstaltungen, Stadtfeste und Events, als man denkt. Das Problem ist: Eine große Gruppe weiß davon nichts. Unsere große Aufgabe ist, das zu ändern.
Müller: In Solingen gibt es die Besonderheit, dass jeder Stadtteil ein eigenes Programm fährt. Das ist einzigartig, jedoch Chance und Herausforderung gleichermaßen. Wir müssen uns fragen, wie wir die Akteure in den Stadtteilen bei ihren attraktiven Angeboten und Veranstaltungen unterstützen können. Einerseits wollen wir helfen, dass sie ein möglichst großes Publikum erreichen. Andererseits wollen wir ein Scharnier sein, damit die Organisation reibungslos funktioniert, zum Beispiel was die Absprachen mit dem Ordnungsamt und Genehmigungen angeht. Denn es ist völlig klar: Wir sind auf diese Akteurinnen und Akteure angewiesen. Ohne sie gäbe es in der Stadt diese tollen Angebote nicht.
Das sind Maßnahmen, die in die Stadt hinein wirken.
Müller: Unsere Zielgruppe Nummer eins sind die Solingerinnen und Solinger. Hier leben 164 000 Menschen – wenn wir die für die Angebote und Sehenswürdigkeiten vor Ort nicht gewinnen können, machen wir etwas falsch. Dabei geht es mir auch um Highlights wie Schloss Burg, die Müngstener Brücke und das Klingenmuseum. Da waren zwar viele Solingerinnen und Solinger schon einmal – aber wann zum letzten Mal?
Perinelli-Hallac: Natürlich zählt es zusätzlich zu unseren Zielen, die Stadt überregional zu vermarkten. Dazu wollen wir Pakete schnüren, um Touristinnen und Touristen von außerhalb zu gewinnen.
Wie kann das gelingen?
Müller: Ich habe Sehenswürdigkeiten wie Schloss Burg, Müngsten und die Museen angesprochen. Die bieten ein wahnsinnig großes Potenzial. Wir möchten thematische Wanderwege wie den Liewerfrauenwanderweg erarbeiten, in denen diese Highlights eingebettet sind. Das ist eine absolute Stärke des Standorts: Du verlässt das Haus und stehst im Grünen. Diese schöne Natur kenne ich so aus Berlin nicht. Das müssen wir stärker herausstellen.
Spöttisch könnte man sagen, dass alle Orte, denen es an Urbanität fehlt, als Natur- und Wanderregion punkten wollen.
Müller: In Solingen haben wir beides. Schauen Sie sich beispielsweise an, wie sich Ohligs entwickelt. Das Umfeld ist sehr familienfreundlich, gleichzeitig kann man Kultur und die Natur genießen. Das wird an den vielen Zuzügen deutlich, die es in den vergangenen Jahren zum Beispiel aus Städten an der Rheinschiene gab. Jetzt müssen wir noch mit der Wirtschaftsförderung und den Unternehmen dafür sorgen, dass die Menschen hier nicht nur gerne leben, sondern auch attraktive Jobs in ausreichender Zahl finden.
Welche Vorstellung haben Sie von modernem Stadtmarketing?
Müller: Wir machen unsere Strategie vom Mediennutzungsverhalten unserer Zielgruppen abhängig. Das wollen wir analysieren und dann unsere Kommunikationskanäle darauf abstimmen: Wo muss man präsent sein, um die Menschen mit den Themen, die wir setzen wollen, maximal abzuholen? Das wird am Ende ein Zusammenspiel vieler Medien: Plakatwände, Tageszeitungen, Magazine, Radio, Fernsehen, aber auch Social-Media-Kanäle, die wir bislang nicht strategisch bespielen. Zunächst steht für uns strategische Arbeit an: Was wollen wir auf welchen Kanälen in welcher Frequenz sagen? Das wollen wir zeitnah klären und 2023 in die Umsetzung kommen.
An welche Inhalte denken Sie?
Müller: Das ist Teil der strategischen Arbeit. Wir wollen beispielsweise über der Gläsernen Werkstatt ein Streamingstudio einrichten. Dort soll es möglich sein, sehr kurzfristig Inhalte zu produzieren und zu publizieren. Das können Podcasts, regelmäßige Formate und Serien abseits des Tagesgeschäfts sein.
Perinelli-Hallac: Ich fände zum Beispiel gut, wenn wir Mitarbeitenden der Verwaltung ein Gesicht geben und Blicke hinter die Kulissen ermöglichen würden, um Transparenz zu schaffen.
Seit 2017 setzt die Stadt auf den Slogan „Mensch, Solingen“. Wollen Sie daran festhalten?
Müller: Kommunen haben es schwerer als Unternehmen, Slogans kurzfristig mit großem Marketingbudget in die Köpfe der Menschen zu bringen. Die Wahrnehmung von Kampagnen ist träger. Vor diesem Hintergrund ist „Mensch, Solingen“ ein sehr dankbarer Slogan, der seit 2017 voll in den Herzen der Solingerinnen und Solinger eingepflanzt ist, einen hohen Wiedererkennungswert hat und tolle Wirkung erzielt. 2024 feiert Solingen sein 650-jähriges Bestehen. Aus meiner Sicht ist das Jubiläum eine gute Gelegenheit, „Mensch, Solingen“ auf den Prüfstand zu stellen. Ob es dann zu einer Revolution oder Evolution kommt, wird sich zeigen.
Herr Müller, Sie sind Sachgebietsleiter. Sie, Frau Perinelli-Hallac, sind vor allem für den Bereich Tourismus verantwortlich. Wie kann man sich Ihr Zusammenspiel vorstellen?
Perinelli-Hallac: Die Themen sind verzahnt. Stadtmarketing geht nicht ohne Tourismusförderung und umgekehrt.
Müller: Und wir beide brauchen uns als Sparringspartner, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und zu diskutieren.

Persönlich

Sandra Perinelli-Hallac: Die gebürtige Solingerin mit italienischen Wurzeln kam 2016 zur Stadt. Als Elternzeitvertretung war sie im Theater und Konzerthaus an der Programmplanung beteiligt. Später wechselte die gelernte Eventmanagerin in die Stadtbibliothek. Die 39-jährige Mutter eines kleinen Sohnes lebt mit ihrer Familie in Ohligs.

Tim Müller: Auch der Diplom-Medienökonom ist in Solingen geboren. Nach dem Studium verließ er das Bergische, lebte in Münster und Berlin. Er sammelte Berufserfahrung bei einer Düsseldorfer Mediaagentur und war als Marketing-Manager für einen australischen Outdoor-Produzenten tätig. Mit seiner Frau, Tochter und seinem Sohn wohnt der 37-Jährige in Ohligs.

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