Virtuelles Redaktionsgespräch

„Unsere Kommunen haben eine hohe Krisenfitness“

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Das Redaktionsgespräch von WZ, ST und RGA mit den bergischen Stadtchefs fand pandemiebedingt virtuell statt.

Die drei bergischen Stadtchefs über Corona, den Impfstart und Perspektiven.

Von Björn Boch

Mit der zentralen Organisation der Impfungen über die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) haben die drei bergischen Großstädte schlechte Erfahrungen gemacht. Das berichteten die Oberbürgermeister bei einem virtuellen Redaktionsgespräch mit WZ, ST und RGA – es war zugleich das erste Zusammentreffen der Stadtchefs in dieser Konstellation nach der Kommunalwahl im September 2020.

Wuppertals Stadtchef Uwe Schneidewind (Grüne) sagte: „Die Koordination mit der KVNO ist eine Katastrophe.“ Es gebe zu kurze Vorlauffristen und zu wenige Informationen für die Altenheime. Übergeordnete Ebenen, so Schneidewind, zögen etwas an sich, womit sie überfordert seien. „Insgesamt haben unsere Kommunen gezeigt, dass sie eine hohe Krisenfitness haben. Hoffentlich traut man den Kommunen mit den Erfahrungen aus dieser Krise dann bald auch mehr zu“, erklärte Schneidewind.

Er betonte, dass er die Entscheider auf Bundes- und Landesebene nicht generell für unfähig halte. Die Kommunen müssten aber kritisch bleiben, laut rufen und agil nachsteuern, wenn etwas nicht funktioniere. Schneidewind und sein Remscheider Amtskollege Burkhard Mast-Weisz (SPD) betonten, dass es wichtig sei, nach vorne zu schauen. „Wir müssen Klarheit schaffen, wann es wie weitergeht mit den Impfungen“, so Mast-Weisz. Wenn er die Kommentare in sozialen Netzwerken lese, sorge er sich um die Stimmung im Land, je länger der Lockdown dauere. „Trotz allem müssen wir Perspektiven vermitteln und Mut machen. Und den Menschen helfen, die anrufen und fragen, wann sie zum Impfen kommen können.“

Solingens OB Tim Kurzbach (SPD) betonte: „Wir werden das regeln, auch wenn es Probleme gibt. Notfalls mit Hilfe zur Selbsthilfe.“ Er sparte nicht mit Kritik: Alle drei bergischen Städte seien unter Fristsetzung vom Land gezwungen worden, ein Impfzentrum bereitzustellen. Als alles betriebsbereit gewesen sei, hieß es, dass die Städte mit Impfungen und medizinischem Personal nichts zu tun haben: „Helfen wurde uns sogar verboten, weil das Land mit der KVNO einen Vertrag geschlossen hatte – und die haben sich donnernd daran verhoben.“

Rund zwei Drittel der pflegebedürftigen Menschen über 80 Jahre würden ambulant zu Hause gepflegt und könnten keine Impfzentren aufsuchen. Noch fehle für die kommenden Monate ein System, „das längst hätte entwickelt werden müssen“, so Kurzbach. In Richtung des Landes NRW mahnte er fehlende Regelungen im Detail an, etwa für die Ausweitung der Kinder-Krankentage. Es sei unklar, wie das genau beantragt werden könne und wer das bezahle.

Besorgt zeigten sich die Stadtchefs angesichts neuer Corona-Mutationen. Es gebe noch keinen Überblick, wie weit diese in Deutschland verbreitet seien. Im Solinger Testzentrum – der Lungenfachklinik Bethanien – sollen in Zusammenarbeit mit Laboren Wege gesucht werden, wie positive Corona-Tests stichprobenartig auf Mutationen untersucht werden können. 

Bergische Städte sorgen sich um die Schuldenlast nach Corona

Die Chefs der Rathäuser in Wuppertal, Solingen und Remscheid betonen, dass sie sich häufig austauschen und einen engen und guten Draht zueinander haben.

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