Unfallstatistik 2021

Zahl der Verkehrsunfälle steigt in Solingen leicht

Bei diesem Unfall wurde ein Ferrari zerstört.
+
Bei diesem Unfall wurde ein Ferrari zerstört.

In Solingen nahm die Polizei im vergangenen Jahr drei Prozent mehr Karambolagen auf als 2020.

Von Kristin Dowe

Solingen. 5218 Verkehrsunfälle hatte die Stadt Solingen im vergangenen Jahr zu verzeichnen, 380 davon mit Personenschaden. Dies gab die Polizei Wuppertal am Montag bei der Vorstellung des Jahresverkehrsberichts 2021 bekannt. Mit Blick auf das Vorjahr 2020 mit 5064 Unfällen entspricht dies einem leichten Anstieg von drei Prozent. Im bergischen Städtedreieck bearbeitete die Polizei 2021 insgesamt 22 922 Unfälle, auch hier ist eine leichte Zunahme von 2,1 Prozent zu beobachten.

Die Unfallstatistik 2021 des Polizeipräsidiums Wuppertal.

„Trotz dieser Entwicklung haben wir im Langzeitvergleich deutlich weniger Unfälle im Städtedreieck, der positive Trend hat sich fortgesetzt“, sagte Polizeipräsident Markus Röhrl zur Einordnung. „Das Unfallgeschehen stand auch 2021 stark unter dem Einfluss der Corona-Pandemie.“ So sei die Situation auf den Straßen im Bergischen in den Jahren 2020 und 2021 insgesamt entspannter gewesen als in den Vorjahren, was mutmaßlich auf den eingeschränkten Individualverkehr im Zuge des Homeoffice zurückzuführen sei. Über einen „historischen Tiefstand“ freute sich Röhrl in Bezug auf die Zahl der Personen, die 2021 bei einem Verkehrsunfall im Städtedreieck verletzt oder getötet wurden: 1696 Fälle gab es präsidialweit zu verzeichnen. Dies sind nicht nur weniger als 2020 mit 1778 Verunglückten, sondern die Zahl liegt auch deutlich unter dem Mittelwert der Jahre 2018 bis 2020 mit im Schnitt 2003 bei Unfällen verletzten Personen.

In der Klingenstadt waren es 441 Menschen, die im vergangenen Jahr in einen Unfall verwickelt und dabei verletzt wurden. Diese Zahl ist im Vergleich zu 2020 mit 489 verletzten Personen ebenfalls gesunken. Ein Wermutstropfen für die Polizei: 2021 kamen sieben Menschen im bergischen Städtedreieck bei Verkehrsunfällen ums Leben – ebenso viele wie im Vorjahr 2020.

Zwei davon spielten sich in Solingen ab: So hatte ein Busunfall im Oktober 2021 für breites Entsetzen gesorgt. Ein Linienbus musste laut Polizeiangaben am 29. Oktober aufgrund eines querenden Fußgängers am Busbahnhof am Graf-Wilhelm-Platz eine Vollbremsung vollziehen, woraufhin drei Fahrgäste vor den Bus stürzten. Während eine 89- und eine 84-jährige Seniorin sich nur leichte Verletzungen zuzogen, kam für einen 86-jährigen Solinger jede Hilfe zu spät. Er verstarb später im Krankenhaus.

Auch in den anderen tödlichen Unfall in Solingen war am 7. Oktober 2021 ein älterer Herr involviert: Auf der Kamper Straße wurde ein 83-jähriger Solinger beim Überqueren einer Ampel angefahren und erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen.

Ältere Menschen sieht Röhrl als besonders gefährdete Gruppe unter den Verkehrsteilnehmern: „Das Alterssegment nimmt zu.“ So verunglückten in Solingen im vergangenen Jahr rund 70 Personen über 65 Jahre – neun Senioren mehr als im Vorjahr. Zwar lasse sich ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Alter der Unfallbeteiligten und der Unfallhäufigkeit nicht nachweisen, doch liege ein gewisses Gefährdungspotenzial bei älteren Menschen durchaus nahe: „Die Sinnesorgane lassen oft etwas nach und die Aufnahmefähigkeit ist bei dieser Gruppe nicht mehr so gut“, gibt Röhrl zu bedenken.

Pedelecs sind in Solingen häufig in Unfälle verwickelt

Und auch für den Schutz von Kindern im Straßenverkehr sollten die Solinger Zahlen sensibilisieren: So verunglückten 2021 in der Klingenstadt 41 Kinder, zehn mehr als 2020. Die gute Nachricht: Im Mittel der Jahre 2018 bis 2020 sank die Zahl immerhin um 29,3 Prozent. Entgegen der Erwartung wurden Kinder in Solingen am häufigsten als Mitfahrende im Auto Opfer eines Unfalls und nicht als Fußgänger oder Radfahrer.

Ein verstärktes Problem stelle die Polizei bei Unfällen mit Pedelecs fest, die gerade im Bergischen immer stärker verbreitet seien. Sowohl präsidialweit (82 Fälle in 2021 gegenüber 64 im Vorjahr) als auch in Solingen (26 Fälle in 2021 gegenüber 17 im Vorjahr) stieg die Zahl an. Oft könnten andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit der Fahrräder mit Elektroantrieb nicht richtig einschätzen, warnt die Polizei. Generell setzten die Beamten auf Kontrollen etwa durch Blitzer, um die Zahl der Unfälle weiter einzudämmen. Röhrl: „Ohne ein gerüttelt Maß an Repression funktioniert es im Straßenverkehr nicht.“

Hintergrund

Kritisch in Blick behält die Polizei laut Tanja Veljovic, Leiterin der Direktion Verkehr, das auch in Solingen verbreitete Problem der Autoposer-Szene und illegalen Autorennen. Hier nehme die Polizei besonders die Solinger Innenstadt und konkret die Kölner Straße wie auch die Mangenberger Straße und die Goerdelerstraße ins Visier.

Standpunkt: Handel muss aufklären

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Die Verkehrssituation auf den Straßen Solingens ist komplexer geworden. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt die Tatsache, dass sich zu den klassischen Verkehrsteilnehmern wie Auto- und Radfahrern sowie Fußgängern nun auch Nutzer von Pedelecs und E-Scootern gesellen. Dies ist im Interesse der Mobilitätswende zwar zu begrüßen, doch bergen beide Verkehrsmittel auch ein Gefahrenpotenzial, wie die Unfallzahlen der Polizei zumindest in Bezug auf Pedelecs zeigen. Hier ist auch der Handel gefragt, umfassend aufzuklären und künftigen Pedelec-Nutzern möglichst vor Ort eine Einweisung zu geben und eine Probefahrt zu ermöglichen. Gerade bei Senioren, die im Straßenverkehr neben Kindern ohnehin eine vulnerable Gruppe bilden, sind Pedelecs besonders beliebt. Für die anderen Verkehrsteilnehmer sehen diese aber aus wie ein normales Fahrrad, so dass die Geschwindigkeit leicht unterschätzt werden kann. Der Boom der neuen Verkehrsmittel wird sich nicht aufhalten lassen. Umso dringender muss bei ihrer Sicherheit nachgebessert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Unfall auf der A3: Pkw überschlägt sich
Unfall auf der A3: Pkw überschlägt sich
Unfall auf der A3: Pkw überschlägt sich
Mehrere Verletzte bei Unfall auf A46
Mehrere Verletzte bei Unfall auf A46
Mehrere Verletzte bei Unfall auf A46
Ohligs: Mann bei Messerstecherei lebensgefährlich verletzt
Ohligs: Mann bei Messerstecherei lebensgefährlich verletzt
Ohligs: Mann bei Messerstecherei lebensgefährlich verletzt
So wird der Freizeitpark Aufderhöhe aussehen
So wird der Freizeitpark Aufderhöhe aussehen
So wird der Freizeitpark Aufderhöhe aussehen

Kommentare