Unendliches Hickhack ohne ein Happy End

Die unendliche Geschichte einer direkten Anbindung Solingens an die A 3 doku-mentiert diese Grafik: Sah es vor einem Jahr noch so aus, als würden die Land-straße 405 und die B 229n bis zum Langenfelder Kreuz ausgebaut, so sind alle Pläne von Rot-Grün heute im Landtag gestoppt. Dazu zählt auch der alternative Anschluss über die Haus-Gravener-Straße. Solinger müssen sich weiter über die Bonner und die Elberfelder Straße (braune Wegmarkierung) quälen.

REIZTHEMA Das zähe Tauziehen um einen besseren Anschluss an die A 3 währt schon fast 50 Jahre. Hier eine Chronik.

Von Wolfgang P. Getta

Am Mittag des 31. August 1979 wird zwischen Mangenberg und Mühlenstraße das erste Teilstück der Viehbachtalstraße für den Verkehr freigegeben. Dass dies – wegen noch fehlender Fahrbahnmarkierungen – mit einer Stunde Verzögerung geschieht, ist im Rückblick wie ein böses Omen: Unter anderem das Fehlen eines dauerhaft klaren Bekenntnisses der Klingenstädter Kommunalpolitik führt dazu, dass diese Straße – wichtig für Solingens bessere Anbindung an die Autobahn A 3 – bis heute ein Torso ist.

Die Solinger Wirtschaft und die Industrie- und Handeslskammer Wuppertal/Remscheid/Solingen (IHK) haben diese Straßenprojekte stets befürwortet. Das ST zeichnet auf dieser Seite wichtige Entscheidungen und Trendwenden zu dem Dauerthema nach.

1973: Pläne als Teilstück der Autobahn Paris- Moskau vom Tisch

Gegen solches Vorhaben sind Bürger in Merscheid und vor allem auch in Bimerich (Gräfrath) Sturm gelaufen. Im letzteren Bereich sollte die L 405 in einem riesigen Autobahnkreuz an die damals zwischen Emden und Bonn sechsspurig geplante A 31 angebunden werden.

Diesen „Ostfriesenspieß“ stoppt südlich von Bottrop der Massenprotest betroffener Bürger – dem sich auch Räte wie der von Solingen anschließen. „Die A 31 ist gestrichen“ meldet das ST am 17. Oktober 1979 auf der Titelseite. Diese Autobahn hätte Gräfrath durchschnitten und allein rund um Bimerich den Abbruch von über 70 Häusern erfordert.

1973 beginnt der erste Bauabschnitt der Viehbachtalstraße

Der Bau eines 800 Meter langen und rund 20 Millionen Mark teuren weiteren Teilstücks der Landstraße 405 zwischen Untengönrather Straße und Frankfurter Damm beginnt im Frühjahr 1984 mit dem Bau einer Brücke im Zug der Beethovenstraße. Fertig wird dieser östliche Abschnitt 1990.

1990 Anschluss an dieBonner Straße in Ohligs

Besagte „Querspange“ sollte, so die ursprüngliche Planung, ihre Fortsetzung finden in einer neuen Westumgehung Ohligs (L 288n). Deren Verlängerung durch die Hildener Heide hätte zur A 46 führen sollen. Diesen nach Nordwesten weisenden „Ast“ sägen Bürgerproteste zunächst nördlich der Hildener Straße und später auch auf dem Restabschnitt bis zur Bonner Straße ab.

1984 stoppt ein Machtwechsel imRat zunächst bisherige Planungen

Drei Abweichler in den Reihen der SPD ermöglichen dennoch im Mai 1987 einen Ratsbeschluss: Er betrifft Solingens Stellungnahme zum Landesstraßen-Bedarfsplan und enthält die Forderung nach Weiterbau der Viehbachtalstraße: im Westen bis nach Landwehr, im Osten bis zur L 74 in Kohlfurth. Beide Abschnitte werden allerdings 1988 und 1993 in den Fortschreibungen des Landesstraßen-Bedarfsplans nicht berücksichtigt: In Düsseldorf regiert damals – mit absoluter Mehrheit – die SPD.

Der Weiterbau der L 405 bis Landwehr ist, so damals ein Gutachter, eh nur sinnvoll, wenn von dort bis zum Autobahnkreuz Langenfeld die B 229n realisiert wird. Letztere ist, geplant seit 1973, für die Nachbarstadt Langenfeld als Entlastungsstraße für den Bereich Richrath wichtig. Für Solingen ist sie Teil der seit Jahrzehnten ersehnten besseren A-3-Anbindung.

1991: Erneute Überraschung im Stadtrat, der den Weiterbau fordert

Gespräche der ST-Redaktion mit den Fraktionsvorständen von SPD, CDU und FDP über die Notwendigkeit eines A-3-Anschlusses für Solingen münden im Pressehaus am Mühlenplatz in einen „Runden Tisch“. An ihm wird ein Brief an NRW-Verkehrsminister Kniola (SPD) formuliert mit der Bitte, im neuen Landesstraßenbedarfsplan 1993 bis 97 den Lückenschluss zwischen Landwehr und dem Ende der Viehbachtalstraße in Ober der Mühle (Löhdorf) aufzunehmen: Und zwar ohne Festlegung auf eine bestimmte Trasse. Dem kommt der Landtag auch nach.

1993: Breite Mehrheit im Ratwill auf L 405 verzichten

Im Frühjahr 1994 deckt das ST auf: Der östliche Weiterbau der Viehbachtalstraße zwischen Frankfurter Damm und Schlagbaumer Straße verzögert sich um Jahre. Dass die Planung beim Rheinischen Straßenbauamt „versandet“ ist, wird mit dem „planerischen Hin und Her der Solinger“ begründet.

1995: SPD und Grüne im Land verhindern Weiterbau

Im Januar 1997 streicht der Straßenausschuss der Land- schaftsversammlung auch das östliche Endstück der L 405 vom Frankfurter Damm bis zur Schlagbaumer Straße aus dem Entwurf das Landesstraßen-Bedarfsplans für die Jahre 1998 bis 2002. Diese Strecke aber ist unverzichtbarer Teil der geplanten City-Westumgehung. Daher fordern SPD, CDU und FDP im Rat die Weiterverfolgung dieses Projekts. Für eine Marketingstudie des ST werden im Sommer 1998 unter anderem 1000 Solinger zum Stellenwert einer besseren A-3-Anbindung der Klingenstadt befragt: 38 Prozent halten sie für sehr wichtig und 39 Prozent für wichtig: Das bedeutet 77 Prozent Befürwortung. Die im Koalitionsvertrag 1995 vereinbarte Streichung des südwestlichen Weiterbaus der L 405 aus dem Bedarfsplan vollziehen Rot und Grün im Oktober 1999.

2000: Neue A-3-Anbindungjetzt über die Langhansstraße?

Ein Jahr später steht nach einem Gespräch im NRW-Verkehrsministerium fest: Dieser Lösung stehen der Naturschutz in der Ohligser Heide und die Nähe zur vorhandenen A-3-Auffahrt Hardt entgegen.

2003: Grüne setzen Zurückstufungim Bundverkehrswegeplan durch

Im Mai 2003 muss das ST vermelden: Auf Druck der Grünen hat die rot-grüne Landesregierung bei ihren Anmeldungen für den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) die B 229n statt als „vordringlich“ (wie bisher) nur noch als „weiteren Bedarf“ eingestuft. Was Aufschub bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag bedeutet. Dabei bleibt es, als der Verkehrsausschuss des Bundestags am 16. Juni 2004 den neuen BVWP beschließt. Massiver Protest aus Solingen – auch von maßgeblichen SPD-Politikern – hat es nicht verhindern können.

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