Mein Leben als Papa

Und wenn es nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende

Der DEG-Helm, der Gutes tut.
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Der DEG-Helm, der Gutes tut.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Schon immer führe ich mit Hannes die besten Gespräche, nachdem wir uns schon dreimal „Gute Nacht“ gesagt haben. Fast jeden Abend liege ich neben ihm und warte im Dunkeln auf den einen Satz, der noch eine letzte Unterhaltung in Gang bringt. Meine wichtigste Aufgabe ist es dann, eine passende Antwort zu finden, die ihn nicht zu sehr aufwühlt, damit er irgendwann doch in den Schlaf finden kann. Nicht immer fällt mir das leicht.

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„Papa, am Ende geht doch eigentlich immer alles gut aus, oder?“, stellt er um kurz vor 21 Uhr eine beinahe philosophische Frage. „Meinst du in Büchern, Filmen und Hörspielen?“, frage ich nach, um Zeit zu gewinnen. „Nein, so in echt“, erwidert Hannes. Ich hatte es befürchtet. „Also“, setze ich an und versuche einen beliebten Postkarten-Spruch, der wahlweise Oscar Wilde oder John Lennon zugesprochen wird, möglichst originalgetreu zu zitieren: „Es geht nicht immer alles gut aus. Aber wenn es nicht gut ist, ist es auch noch nicht das Ende.“ Hannes denkt kurz drüber nach, dann sagt er: „Okay.“ Kurz darauf schläft er ein.

Ich weiß gar nicht genau, ob es der Krieg gegen die Ukraine war, den Hannes bei seiner Frage an diesem Abend im Kopf hatte. Ich weiß aber, dass ihn das Thema zunehmend beschäftigt, weil es ihm immer wieder begegnet. Wenn er sieht, wie ich mich mit der Nachbarin unterhalte, der plötzlich Tränen in die Augen steigen. Wenn ich zu lange auf den Online- oder Zeitungsartikeln über den Krieg verharre. Und auch, wenn ich mit ihm Fußball schaue.

„Was machen die da?“, will er wissen, als die Werder-Spieler betroffen am Mittelkreis stehen und es im ganzen Stadion ruhig ist. Während ich ihm den Sinn einer Schweigeminute erkläre, werden die Fans wieder laut und schreien: „Putin, du A . . . loch!“ Wer Putin ist und warum sie das tun, versteht Hannes. „Aber A . . . loch darf man trotzdem nicht sagen“, beschwert er sich. „In diesem Fall ausnahmsweise schon“, erstaunt ihn meine Antwort.

Auch die vielen Fans, die blau-gelbe Schilder mit Friedenssymbolen hochhalten, beeindrucken ihn. Mit Michel macht er sich direkt an die Arbeit. Gemeinsam malen sie die blauen und gelben Stifte leer und versuchen sich an Friedenstauben und Peace-Symbolen. Symbolpolitik im Kinderzimmer. Aber Hannes reicht das Malen nicht. Er schnappt sich seinen Globus und möchte mehr über die Ukraine und Russland wissen. Wir erzählen ihm davon, dass viele Menschen aus der Ukraine nach Deutschland flüchten, hier Sicherheit suchen und Hilfe brauchen. „Ich möchte auch was spenden“, sagt Hannes und ist bereit, sein wöchentliches Taschengeld, also einen Euro, abzugeben. Michel überredet er auch dazu. Damit ihr Einsatz für sie auch sichtbar wird, erhöhe ich ihre Beträge und mache bei einer schönen Aktion der Düsseldorfer EG mit. Dort kann man seine Wunschnamen auf einen Helm drucken lassen, den ein Spieler dann in einem echten Eishockey-Spiel trägt. Der Erlös geht an ein Ukraine-Hilfsprojekt. Abends schauen wir gemeinsam zu, wie Jerry D’Amigo mit dem Schriftzug „Hannes und Michel“ auf seinem Helm alles gibt. Ein Tor gelingt ihm bei den Straubing Tigers leider nicht, aber das ist egal. Es geht eben nicht immer alles gut aus. Aber wenn es nicht gut ist, ist es auch noch nicht das Ende. Ich hoffe, das bleibt so.

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