Die Woche von Stefan M. Kob

Und ewig grüßt das Murmeltier aus Düsseldorf

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Angesichts der dritten Coronawelle, die sich gerade zu einem Tsunami aufbaut, wird noch einmal deutlich, wie lächerlich die künstliche Aufregung im Städtedreieck über den unfairen Modell-Wettbewerb des Landes war, welche Kommune nach Tübinger Vorbild eine Versöhnung zwischen Freiheitsdrang und Infektionsschutz ausprobieren darf.

In Remscheid öffnen angesichts von Inzidenzzahlen jenseits der 300 keine Ladentüren – vielmehr schließen die Haustüren zwischen 21 und 5 Uhr. Und Solingen mit Werten beständig über 200 wird die Lockerungen nicht mehr lange durchhalten, ebenso wenig wie Wuppertal und Düsseldorf, wo die Lichter bereits ausgegangen sind. Selbst die auserwählten Modellstädte können ihre coolen Pläne wieder einfrieren, solange von drohender Triage in den Kliniken statt fröhlichem Treiben im Biergarten die Rede ist.

Was allerdings berechtigt bleibt, ist die Kritik an einer Landesregierung, die derzeit die Hauptrolle im Film „Und ewig grüßt das Murmeltier” spielt: Seit über einem Jahr wiederholt sich das Muster auf unfassbare Weise. Da warten die Kommunen auf klare Anweisungen von oben, wie sie mit immer neuen Vorgaben des Infektionsschutzes umzugehen haben. Im Normalfall fehlen die einfach nur und werden, wenn überhaupt, kurzfristig aus dem Düsseldorfer Hut gezaubert. Was das Land allerdings nicht daran hindert, den Städten eins auf den Deckel zu geben, wenn sie in diesem Vakuum selbstständig handeln. Im schlimmsten Fall widersprechen sich die Ansagen von oben sogar – wie jetzt bei den Schulen. Ab einer stabilen Inzidenz von 200 sollen die schließen, lautete die Ansage aus dem Ministerium. Eine Regel, die dann auf Solingen zuträfe. „Nicht automatisch“, widersprach die Bezirksregierung auf Solinger Nachfrage. Ja, was denn nun? Wenn man zynisch wäre, könnte man sagen, dass die Eltern inzwischen gewohnt sind, vor dem Wochenende keine Ahnung zu haben, wie es am Montag mit der Schule weitergeht. Dass nach den Osterferien die Klassenräume doch wieder leer bleiben würden, erfuhren die leidgeprüften Väter und Mütter auch erst am Donnerstagabend. Die berufstätigen Eltern schaffen es offenbar problemlos, sich binnen Stunden zu organisieren, um mit der neuen Lage parat zu kommen. Da konnte sich das Land jetzt mit der Entscheidung, dass die Schulen am Montag zu bleiben, getrost bis gestern Mittag Zeit lassen – mit der Bitte um „Verständnis“ (nicht Entschuldigung) für die „Kurzfristigkeit der Maßnahme“. Eine Bitte, die wohl niemand mehr erfüllen kann.

Selbst erklärte Gegner eines zentralistischen Staates ertappen sich inzwischen bei ihrem heimlichen Wunsch, dass der Bund den Ländern die Entscheidungskompetenz abnehmen möge und das Land von Berlin aus steuere, da der Föderalismus offensichtlich Krise nicht kann. Ja, mag sein, dass die Maßnahmen dann nicht passgenau sind. Sie mögen auch furchtbar falsch sein und vor Gericht scheitern wie vermutlich eine Ausgangssperre. Aber Hauptsache, man weiß endlich, woran man ist und sich zu halten hat. Halt ist nämlich genau das, was die Menschen in diesen Zeiten fast am meisten vermissen.

TOP Impfstoffmenge steigt jetzt endlich in Solingen an.

FLOP Altkleidercontainer werden immer öfter zur Müllentsorgung genutzt.

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