Mein Leben als Papa

Und dann kam dieser Tag, an dem ich meinem Sohn unterlegen war

Hannes - läuft bei ihm.
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Hannes - läuft bei ihm.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2)

Um irgendetwas hatte ich ihn mal wieder gebeten und dabei an seine Vernunft als großer Bruder appelliert, da platzte es aus Hannes heraus. „Groß zu sein, ist sch. . .!“, schimpfte er. Nicht wütend und laut, sondern völlig abgeklärt. Er klang dabei – ob es ihm nun gefällt oder nicht – wie ein Großer. Und er verhält sich in den letzten Wochen eben auch so. . .

Vorschulkind: Ganz objektiv betrachtet ist er in seinem letzten Kindergartenjahr jetzt das größte und älteste Kind. Ein Vorschulkind. Und er geht voran. Er kümmert sich nicht nur darum, dass Michel und den anderen neuen Kindern die Eingewöhnung leichtfällt, sondern auch um seine eigene Entwicklung. Nach einigen Übungsstunden brachte er endlich die begehrte Schleifenurkunde mit nach Hause. „Hannes kann sich nun ganz alleine die Schnürsenkel binden“ steht darauf. Für ihn ein ganz wichtiges Dokument.

„Er ist richtig ehrgeizig geworden“, staunt die Gruppenleiterin und bezeichnet ihn inzwischen als „taffen Kerl“. Als er sich beim Toben neulich mal wieder die Knie aufschlug, riss er sich das Pflaster mit dem Teddymotiv ab. „Ich bin doch kein Baby mehr.“ Nächste Woche startet nachmittags der Englisch-Kurs im Kindergarten, was er ziemlich cool findet. Oder wie er sagt: „I am Hannes and I am happy.“ We will see, wie es ihm gefällt.

Sportsgeist: Ich hatte gehofft, dieser Tag würde später kommen. Wenn Hannes 14 ist und ich 50 bin oder so. Aber dass ich mir jetzt schon eingestehen muss, dass mein fünfjähriger Sohn beim Sport eine wesentlich bessere Figur abgibt als ich, bedrückt mich schon. Beim Federball und Basketball bin ich ihm noch überlegen, beim Fußball holt er auf. Ich muss mich mittlerweile richtig anstrengen, um ein Tor bei ihm zu schießen – und genauso, um einen Schuss von ihm zu halten.

Da steckt schon viel Power dahinter. Was übrigens auch schon unser Nachbar an seiner empfindlichsten Stelle erfahren durfte. Viel besser als ich ist Hannes aber auf Inline-Skates und Rollschuhen. Hat er sich selbst beigebracht und flitzt damit ganz selbstverständlich umher. Ich dagegen, der gedacht hatte, er kauft sich nach 20 Jahren mal wieder ein paar professionelle Skates und fährt einfach drauflos, macht sich mit seinem Gehampel zum Gespött der Nachbarschaft. Spielen wir Rollhockey, bin ich chancenlos. Deshalb hab ich mich erst mal zurückgezogen und lasse Hannes samstags bei einem Rollhockeyverein an seiner Karriere basteln. Und sitze als stolzer Papa am Rand.

Gunnar Freudenberg

Politik: Nachrichten interessieren Hannes jetzt viel mehr als früher. Bei Berichten über die Flutkatastrophe, Waldbrände und Hitzerekorde im Radio oder in der Zeitung wird er hellhörig und will die Zusammenhänge verstehen. Er will auch wissen, was es mit den Wahlplakaten auf sich hat und was ein Bundeskanzler ist. „Ist das so was wie ein Bürgermeister – nur für Deutschland?“ Ich glaube, Hannes hat es verstanden. Und seit er weiß, wofür die Regenbogenfahnen stehen, will er auch eine aus seinem Fenster hängen. „Um zu zeigen, dass man alles mögen kann, was man mag.“ Und ich mag ihn dafür noch ein bisschen mehr.

Allein, allein: „Kann ich das alleine machen?“ Diese Frage stellt Hannes im Moment ziemlich häufig. Und er darf. Beim Bäcker ordert er die Familienbestellung, an der Tür quatscht er den Paketboten zu, und nachmittags will er in seinem Zimmer manchmal einfach nur ein bisschen Ruhe und Zeit für sich haben. Was Michel nicht so gut gefällt.

Freunde, die Tante oder die Omas und Opas besucht Hannes neuerdings gerne allein. Was Michel auch nicht immer so gut gefällt. Und: Seit ein paar Wochen schläft Hannes, nachdem ich ihm zwei Kapitel aus „echten Büchern fast ohne Bilder“ vorgelesen habe, auch alleine in seinem neuen Bett.

„Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich“, resümierte er neulich die vergangenen Wochen. Das kann er auch sein. Groß zu sein, ist nämlich eigentlich doch ganz cool.

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