Ärzte appellieren

Corona: Unangemeldete Arztbesuche gefährden Patienten

Dr. Stephan Kochen appelliert an die Patienten, sich bei Corona-Symptomen vorher telefonisch bei ihrem Arzt zu melden. Archivfoto: cb
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Dr. Stephan Kochen appelliert an die Patienten, sich bei Corona-Symptomen vorher telefonisch bei ihrem Arzt zu melden

Viele Solinger mit Covid-19-Symptomen betreten unangemeldet Praxen. Schutzmaterial wird erneut knapp.

Von Kristin Dowe

Solingen. Auch nach nunmehr circa acht Monaten Corona-Krise wissen einige Patienten offenbar noch immer nicht, wie sie sich mit Symptomen, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 hindeuten könnten, angemessen verhalten. Zu diesem Schluss zumindest kommt Dr. Stephan Kochen, Geschäftsführer des Solinger Praxisnetzes Solimed. „Es kommt immer noch vor, dass Patienten mit Symptomen einfach die Praxis betreten. In diesem Fall müssen wir sie sofort nach Hause schicken“, berichtet der Hausarzt. Zu groß sei die Gefahr, andere Patienten anzustecken.

Patienten sollten daher unbedingt vor dem Arztbesuch anrufen und sich an die Vorgaben halten. „Wenn ich einen Abstrich mache, schicke ich den Patienten auch in Quarantäne, bis das Testergebnis vorliegt“, so Kochen. Zudem habe er in seiner Praxis für das Testen auf Corona eine pragmatische Lösung gefunden: „Ich habe eine Garage, wo die Patienten mit viel Abstand voneinander warten können.“

Eine kreative Lösung, um die Schutzvorschriften einhalten zu können, hat auch der Solinger Hausarzt Dr. Stephan Lenz entwickelt: „Wenn Patienten nach Absprache mit Symptomen zu uns kommen, bitten wir sie einfach, im Auto zu warten. Dann rufen wir sie im Auto an, wenn sie an der Reihe sind. Das System funktioniert auch ganz gut.“ Grundsätzlich komme es aber auch in seiner Praxis noch immer vor, dass Patienten ohne Termin kämen. Beide Ärzte appellieren deshalb an die Solinger Bevölkerung, auch beim Feststellen nur leichter Symptome den Hausarzt telefonisch zu kontaktieren und sich an die dann folgenden Anweisungen zu halten.

Corona: Schutzkittel, Masken und anderes Material ist knapp geworden

Gleichzeitig beschäftigte die Hausärzte aktuell ein anderes Problem: „Das Material ist zurzeit wieder sehr knapp geworden“, bedauert Stephan Kochen. Mangelware seien insbesondere Kittel, gefolgt von Handschuhen und Desinfektionsmittel. Auch FFP2-Masken seien knapp geworden, ergänzt sein Kollege Lenz. Zwar hatte sich die Materialsituation zwischenzeitlich entspannt, nachdem es zu Beginn der Corona-Krise größere Lieferschwierigkeiten gegeben hatte, doch seien nun viele wichtige Güter erneut vergriffen. „Der Markt ist zurzeit der angespannt“, beobachtet Stephan Lenz. „Zu Beginn der Corona-Krise hat uns die Stadt einmal eine ganze Lieferung zur Verfügung gestellt und dieses vom Kontingent der Feuerwehr abgezwackt. Das war sehr hilfreich für uns.“ Auch das Lungenzentrum Bethanien habe den Praxen in der Vergangenheit schon Schutzmaterial zur Verfügung gestellt.

Derweil bestelle die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) – Stephan Lenz sitzt der Kreisstelle Solingen vor – bereits große Kontingente, die in Düsseldorf gelagert würden. „Da fahren wir regelmäßig von Solingen aus hin, um die Praxen zu versorgen“, so Lenz.

Der weil werden Verstöße gegen das Kontaktverbot selten festgestellt – Gewerbebetriebe werden intensiv kontrolliert.

Mit den Folgen der Pandemie hat das Rathaus viel Arbeit: 900 Personen sind in Quarantäne – auch die Kosten steigen. Corona kostet die Stadt 67 Millionen Euro.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Standpunkt: Meldeweg einhalten

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Bei allem Verständnis für das Unbehagen, wenn ein Patient sich in diesen Tagen mit Symptomen plagt, die auf eine Coronainfektion hindeuten könnten: Dass man in einem solchen Fall nicht einfach ohne vorherige Absprache eine Arztpraxis aufsucht und damit womöglich andere durch eine Ansteckung in Gefahr bringt, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Die Praxen unterstützen das Lungenzentrum Bethanien nach Kräften mit Corona-Testungen und müssen nebenbei noch das normale medizinische Tagesgeschäft wuppen – da brauchen sie nicht auch noch unkalkulierbare Infektionsrisiken in ihren Wartezimmern. 

Dabei sind die auf Corona testenden Arztpraxen in Solingen inzwischen gut organisiert, so dass mögliche Coronafälle von anderen Patienten räumlich getrennt werden können. Die Bürger können also grundsätzlich darauf vertrauen, dass man sich ihres Problems annimmt, wenn sie den Meldeweg einhalten. An dessen Anfang steht immer eine telefonische Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt, der über weitere Schritte entscheidet. Denn auch im Krankheitsfall hat der einzelne eine Verantwortung für das Wohl der Gemeinschaft.

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