Trotz Corona-Krise

Umfrage: Die Lust auf Urlaube ist da

So voll wie auf diesem Bild wird es in diesem Jahr wohl nicht in dieser beliebten Bucht auf Mallorca.
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So voll wie auf diesem Bild wird es in diesem Jahr wohl nicht in dieser beliebten Bucht auf Mallorca.

Für die Familie reisen viele Solinger auch ins Ausland.

Von Timo Lemmer

Solingen. So eine Urlaubssaison hat der erfahrene Reiseexperte auch noch nicht erlebt: „Obwohl ich seit 46 Jahren dabei bin“, sagt Thomas Güthues, der die Hofgarten-Filiale des Derpart-Reisebüro Dahmen leitet. Nach richtig harten Monaten für die Reisebranche in der Corona-Krise sei nun immerhin wieder „eine gewisse Nachfrage“ da, erklärt Güthues. Gerade im Bekanntenkreis bekomme er mit, dass den Menschen die Lust nach Urlaub nicht gerade vergangen ist – im Gegenteil. Viele wollten nun raus.

Das spüre er im Reisebüro bisher aber noch nicht: „Einige denken vermutlich, dass wir nur Flugpauschalreisen vermitteln. Und zu einigen Zielen am Mittelmeer gibt es ja auch inzwischen wieder Flüge und Reisen. Wir bieten aber auch Ferienhäuser und Rad- oder Wanderurlaube im Inland an.“ Denn, das spürt der Reiseprofi: „Das Inland ist sehr stark gefragt.“

Papha Radji möchte im Oktober seine Familie besuchen, die in Togo lebt.

In einer Straßenumfrage hat das ST am Freitag dennoch etliche Menschen gefunden, die es ins Ausland zieht – das hat aber stets mit dem Familienbezug zu tun. Ein besonders weit entferntes Ziel hat sich aus diesem Grund Papha Radji ausgeguckt: Es geht in die Heimat Togo. Das Coronavirus sorgt allerdings dafür, dass es in diesem Jahr anders ist als sonst: Denn der Solinger will diesmal nicht mitten im Sommer reisen. „Vielleicht ist es im Oktober so weit“, sagt Radji. Er erklärt: „Wenn man in Togo einreist, geht es in die Quarantäne. Man mus zwei Wochen zu Hause bleiben.“

Daher hat er in diesem Jahr eher den Herbst im Blick, wenn es um den Jahresurlaub geht. „Ich hoffe, bis dahin hat sich die Lage beruhigt.“ Und er kann vielleicht den höchsten Temperaturen aus dem Weg gehen: 40 Grad seien normal, im Oktober sollte es schon milder sein. In der Hauptstadt Lomé besucht er dann - wenn alles gut geht – seine Familie.

Solingen: Das benachbarte Ausland ist stark nachgefragt

Auch die Brüder Thomas (19) und Emilian (11) zieht es der Familie wegen ins Ausland, für sie geht es aber ins Nachbarland Polen: „Wir besuchen unsere Oma.“ Die lebt im Nordosten, Danzig ist die nächstgelegene Großstadt. „Wir freuen uns. Das Wetter ist im Sommer eigentlich immer gut.“ Vermutlich vereisen sie für drei Wochen.

Den gebürtigen Österreicher Paul Michl zieht es in seinem Urlaub nach Kärnten.

Dem aktuell wohl häufigsten Reisetypen entspricht derweil Paul Michl. Denn, so hat Reiseexperte Güthues beobachtet: „Neben Deutschland ist auch das benachbarte Ausland sehr stark nachgefragt, vor allem Südtirol und Österreich.“ Michl bestätigt das: Für ihn geht es zehn Tage in die Region um Villach und Spittal, sprich ins südösterreichische Kärnten. „Die Ecke kennt doch jeder, der mal an die Adria gefahren ist“, sagt er und lacht. Auch für ihn hat der Urlaub mit Familienbezug zu tun: Michl ist gebürtiger Österreicher und seine Schwestern leben weiterhin dort. Es ist aber vor allem auch die Liebe zu den Bergen, die ihn nach Österreich treibt. „Eine Zeit lang wollte ich zum Urlaub gar nicht dorthin“, erinnert sich der 60-Jährige. „Da habe ich gedacht: Das kennst du ja alles.“ Das hat sich grundlegend geändert: „Mit dem Alter sind die Berge immer reizvoller.“ Zu seiner Freude konnte Michl inzwischen auch seine Tochter mit seiner Leidenschaft für die Berge begeistern. „In zehn Tagen werden wir sicherlich drei Berge schaffen, und oben schmeckt auch das Essen besonders gut.“

Die Entwicklung rund um das Coronavirus im Urlaubsziel hat er im Blick: „Das hält mich nicht vom Urlaub ab. Sonst dürfte man hier erst recht nicht rausgehen.“

Reisebranche hat doppelt gelitten

Thomas Güthues spricht für die gesamte Reisebranche, wenn er sagt: „Wir wurden von der Krise doppelt hart getroffen.“ Zum einen hätte man zunächst viele weit vor Corona abgeschlossene Reisen stornieren müssen. „Und dann sind seit März natürlich auch keine neuen Buchungen hinzugekommen.“ Lange musste sein Dahmen-Serviceteam ohne Kundenkontakt arbeiten, nun hat das Reisebüro in der oberen Etage des Hofgartens wieder geöffnet – montags bis freitags von 12 bis 16 Uhr.

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