Das Schicksal der Geflüchteten bewegt

Ukraine-Hilfe aus Solingen: Die Telefone stehen nicht still

Nina Christin Griepentrog-Hohner (r.) brachte einen Karton mit Hilfsgütern zur Sammelstelle der Caritas an der Ahrstraße. Die Mitarbeiterinnen Rajjetha Selvaratnam (M.) und Lissie Flassenberg (l.) nahmen die Sachen entgegen. 
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Nina Christin Griepentrog-Hohner (r.) brachte einen Karton mit Hilfsgütern zur Sammelstelle der Caritas an der Ahrstraße. Die Mitarbeiterinnen Rajjetha Selvaratnam (M.) und Lissie Flassenberg (l.) nahmen die Sachen entgegen. 

Die Solidarität der Solinger mit Geflüchteten ist riesig. Die Koordination der Angebote bereitet Probleme.

Von Kristin Dowe und Manuel Böhnke

Solingen. Das Schicksal der wegen des Krieges in der Ukraine geflüchteten Menschen bewegt auch viele Solinger tief. Als regelrecht „überwältigend“ beschreiben Hilfsorganisationen im Bergischen wie auch die Koordinierungsstelle der Stadt die Solidarität der Bürgerinnen und Bürger, die auf unterschiedlichsten Wegen zu helfen versuchen – mit Geld- oder Sachspenden, mit privat zur Verfügung gestelltem Wohnraum oder mit einer helfenden Hand in den Sammelstellen.

So stünden die Telefone der von der Stadt kurzfristig eingerichteten Hotline zur Koordinierung der Hilfsangebote derzeit nicht still, berichtet Rathaussprecher Thomas Kraft. „Die Hotline wird derzeit förmlich überrannt. Zwar wurden die Kapazitäten bereits erweitert, dennoch konnte bislang nur etwa jeder dritte Anruf bedient werden.“

Solingen zeigt sich solidarisch mit der Ukraine - So können Sie jetzt helfen

Aktuell seien die Telefone werktags von 8 bis 18 Uhr geschaltet, mit gelegentlichen Wartezeiten sei allerdings zu rechnen. Eine weitere personelle Aufstockung sei geplant. „Wir werden es nur Schritt für Schritt schaffen können, weil das Personal dafür entweder umgeschichtet oder beschafft werden muss. Im Moment versuchen wir, den Bedarf so gut wie möglich zu bedienen.“

Auch gebe es eine Vielzahl von Privatpersonen und Initiativen, die bereits Geflüchtete aufgenommen haben oder Wohnraum zur Verfügung stellen möchten. Diesbezüglich richtet die Stadt eine dringende Bitte an die Helfer: Diese sollten unbedingt dafür sorgen, dass die Neuankömmlinge sich auch bei der Stadt melden. „Nur so können wir einen Überblick gewinnen“, betont Thomas Kraft. Wichtig sei dies zum einen, damit die Betroffenen später Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz haben, zum anderen könnten nur bei einer ordnungsgemäßen Erfassung auch notwendige ärztliche Untersuchungen durchgeführt werden. Generell benötige die Verwaltung einen Überblick, wie viele Menschen in Solingen eingetroffen sind.

Geflüchtete werden im Impfzentrum geimpft

Zur medizinischen Versorgung gehöre unter anderem auch eine Corona-Schutzimpfung, die die Geflüchteten, falls noch nicht vorhanden, montags, dienstags und donnerstags im Impfzentrum in Anspruch nehmen können. Zu diesen Zeiten seien auch andere Stadtdienste vor Ort, um „die notwendigsten Registrierungen und Untersuchungen gleich mit durchzuführen“. Mit Blick auf den verfügbaren Wohnraum beziffert Kraft die Kapazitäten der Stadt auf bis zu 250 Plätze. Weitere Möglichkeiten über private Angebote sowie in leerstehenden städtischen Gebäuden würden derzeit ermittelt.

Derweil versucht man auch bei ehrenamtlichen Organisationen und Wohlfahrtsverbänden, schnell und unbürokratisch zu helfen. Der Caritasverband Solingen-Wuppertal etwa beteiligt sich an einer Aktion der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde Düsseldorf. „Die ist sehr gut angelaufen“, erklärt Mitarbeiterin Xenia Westphal. Derzeit sammle man ausschließlich Schlafsäcke, Isomatten und Hygieneartikel. „Wir passen die Aktion an den tatsächlichen Bedarf an“, sagt Westphal. Es sei gut möglich, dass in den kommenden Tagen andere Dinge benötigt werden. Darüber informiere die Caritas auf ihrer Website (siehe unten).

Im Hinblick auf die Aufnahme von Flüchtlingen im Bergischen „können wir auf bestehende Infrastruktur zurückgreifen“, erläutert Xenia Westphal. Seit der Flüchtlingskrise 2015/2016 bestehe in Solingen und Wuppertal ein Netzwerk von rund 100 ehrenamtlichen Helfern. Viele hätten signalisiert, dass sie wieder mit anpacken würden.

„Wenn wir gebraucht werden, sind wir da“, versichert auch der stellvertretende Geschäftsführer des Solinger DRK-Kreisverbandes Stefan Nippes. Sachspenden sammle das Deutsche Rote Kreuz in Solingen derzeit nicht. Die Lager seien voll – derzeit seien vor allem Geldspenden gefragt.

Wohlbehalten wieder in Solingen angekommen ist laut Stadtwerke-Sprecherin Lisa Nohl ein Bus der Stadtwerke, der Hilfsgüter in die Ukraine transportiert und 45 Geflüchtete, darunter 22 Kinder, zur Unterbringung mit in die Klingenstadt genommen hatte. Die Stadtwerke hatten die Aktion gemeinsam mit der Firma Wiedenhoff auf die Beine gestellt.

Auch die Mütter und Kinder aus der Ukraine, die Andreas Heibach am Wochenende in seinem Hotel „In den Straßen“ in Burg untergebracht hat, hätten die ersten Nächte in der unbekannten Stadt gut überstanden, berichtet Heibach. „Die Familien sind natürlich hoch traumatisiert. Einmal am Tag wird der Papa angerufen. Und die Frage ist dann immer, ob er ans Telefon geht oder nicht.“

Einen kompletten Lkw mit medizinischem Material stellte außerdem die Kplus Gruppe, der unter anderem die Solinger St. Lukas Klinik angehört, dem ukrainischen Verein Blau-Gelbes Kreuz in Köln zur Verfügung, der die Hilfsgüter in die Ukraine liefert. Zudem besitze ein Chefarzt einen privaten Kontakt zu einem Klinikum in Kiew. „Daher wissen wir, was benötigt wird“, sagt Andreas Degelmann. Sprecher der Geschäftsführung. Die Kplus Gruppe habe als Gesundheitsanbieter bewusst vor allem medizinisches Material spenden wollen.

Hintergrund

Spenden: Sachspenden können unter anderem in der Caritas-Geschäftsstelle in der Ahrstraße 9 abgegeben werden, um Anmeldung wird gebeten unter Tel. (0212) 23 13 49 35. Weitere Infos zum aktuellen Bedarf unter www.caritas-wsg.de

Das DRK informiert unter: https://t1p.de/i9yv

Schulen: Auch Solinger Schulen wie etwa die August-Dicke-Schule oder die Gesamtschule Höhscheid haben eigene Spendenaktionen organisiert.

Dazu auch: Ukraine-Krieg: Solingen bereitet sich auf Flüchtlinge vor

Standpunkt: Zielgerichtet helfen

Von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Eines vorweg: Es ist großartig, dass so viele Solinger sich mit den Ukrainern in dieser schrecklichen Ausnahmesituation solidarisieren und den in der Klingenstadt gestrandeten Menschen einfach nur helfen möchten. Damit die Betroffenen von den vielfältigen Angeboten auch profitieren können, ist es nun wichtig, diese sinnvoll zu koordinieren und die Hilfe so zielgerichtet und bedarfsorientiert wie möglich zu gestalten. Dazu gehört einerseits, privat aufgenommene Geflüchtete bei der Stadt zu melden. Die Verwaltung benötigt einen Überblick über die Neuankömmlinge und ihre Bedürfnisse. Zum anderen ist es ratsam, sich bei den Hilfsorganisationen zu informieren, welche Hilfsgüter aktuell tatsächlich benötigt werden und welche womöglich nur unnötig die Lager verstopfen. Nicht alles, was gut gemeint ist, hilft den Geflüchteten in ihrer besonderen Lage. Die Unterstützung wirkt am besten, wenn sie gut organisiert wird.

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