Andacht im ST

Ukraine: Gibt es etwas, das nicht wie billiger Trost klingt?

Kann unser Glaube wirklich helfen in dieser düsteren Zeit? „Das kann nur jede und jeder für sich selbst entscheiden“, sagt Kurt Dohmen. Er ist Diakon der Pfarrgemeinde St. Sebastian. Fotos: Roland Keusch/Paul Grünewald
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Kann unser Glaube wirklich helfen in dieser düsteren Zeit? „Das kann nur jede und jeder für sich selbst entscheiden“, sagt Kurt Dohmen. Er ist Diakon der Pfarrgemeinde St. Sebastian.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Diakon Kurt Dohmen.

Liebe Leserinnen und Leser,

egal welche Art von Nachrichten wir lesen, hören oder sehen, es ist allgegenwärtig: Wir haben Krieg in Europa. Das macht sprachlos und weckt viele Ängste. Es gibt andere Konflikte und Kriege auf der Welt, Menschen leiden an vielen Orten unter Hunger und Unterdrückung, für die Klimakrise und die Corona-Pandemie gibt es noch keine durchgreifenden Lösungen. Aber angesichts der Bedrohung durch Putin ist für andere Sorgen kaum Platz in unseren Gedanken und in unseren Herzen.

Kurt Dohmen

Entschuldigen Sie bitte, dass ich so düster beginne. Vermutlich bin ich aber nicht allein mit Gefühlen von Ohnmacht und Verzweiflung. Ich frage mich, was wir als Christen dazu sagen können. Gibt es etwas, das nicht wie billiger Trost klingt? Kann unser Glaube wirklich helfen? Um es vorwegzunehmen: Das kann nur jede und jeder für sich selbst entscheiden. Nicht alle können glauben, dass es einen Gott gibt. Für viele wird der Glaube zudem verdunkelt durch die real existierende Kirche. Selbst von den Menschen, die an Gott glauben, tun sich einige schwer mit der zentralen christlichen Botschaft, dem Glauben an die Auferstehung von den Toten. Paulus machte in Athen eine Erfahrung, die viele Christen kennen. Paulus hatte dort das Interesse der Menschen an Jesus Christus geweckt. Aber „als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.“ (Apg 17,32) Für mich ist der Glaube an die Auferstehung aber die einzige Hoffnung, die mir weiterhilft: Egal was passiert, der Tod wird nicht das letzte Wort haben. Ich glaube, dass wir Kraft schöpfen und Mut bekommen, wenn wir daran glauben, dass Gott uns immer wieder Leben schenkt. Wir sind in der Fasten- beziehungsweise Passionszeit. In fünf Wochen ist Karfreitag, ein Tag, der uns in diesem Jahr wahrscheinlich besonders nahegeht.

Am Sonntag hören wir in den katholischen Kirchen von der Verklärung Jesu (Lk 9,28b-36). Drei Jünger begleiten Jesus auf einen Berg, wo er betet und verklärt wird, d. h. die Jünger sehen Jesus in einem strahlenden Licht, wie er mit Mose und Elíja spricht. Diese Geschichte lebt von vielen Bildern und Metaphern. Sie beweist nichts, aber für gläubige Menschen sind diese Bilder ein Hinweis auf die Auferstehung. Die Jünger gehen anschließend mit Jesus den Weg nach Jerusalem, wo er gekreuzigt wird. Sie werden dabei verzweifeln.

Aber auf dem Berg haben sie gesehen, dass Jesus mit denen spricht, die schon lange nicht mehr auf der Erde sind. Mose und Elíja leben. Gott spricht: „Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“ Wenn wir auf Jesus hören, sind wir Söhne und Töchter Gottes. Jede und jeder von uns kann sich von Gott angesprochen fühlen. Gott interessiert sich dafür, wie es Ihnen und mir geht. Wir sind seine Kinder und liegen ihm am Herzen.

Egal, was Machthaber und böse Menschen uns antun mögen, Gott wird uns verwandeln und verklären, er wird uns immer neues Leben schenken. Das ist es, was wir an Ostern feiern werden. Es bleibt die Frage, ob dieser Glaube auch unser Leben vor dem Tod verändert. Dafür gibt es viele Beispiele von Christen, die furchtlos durch das Leben gegangen sind. Es gab und gibt Menschen, die tapfer genug waren und sind, dass sie für andere Menschen Licht geworden sind. Menschen, die leuchtende Beispiele sind und den Weg aus Angst und Verzweiflung weisen. Ich denke an die Märtyrer, die sich den Machthabern nicht gebeugt haben. Ich denke an Menschen wie Maximilian Kolbe und Dietrich Bonhoeffer. Natürlich hoffe und bete ich mit vielen Christen und gläubigen Menschen auf der Welt, dass der Krieg endet.

Ich glaube an die Kraft des Gebets. Vielleicht folgen auch Sie dem vielverbreiteten Aufruf: Halten Sie jeden Tag um 16 Uhr eine Minute inne und beten zusammen mit vielen anderen Menschen für den Frieden in der Welt. Ich möchte mit einem Gedanken von Richard Rohr enden: „Das wahre Selbst ist der auferstandene Christus in Dir. Und es hat keine Angst vor dem Tod.“ Ihr Diakon Kurt Dohmen

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