Zeitzeugin

Esther Bejarano überlebte Auschwitz

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Esther Berajano schilderte im Zentrum für verfolgte Künste, wie sie das Konzentrationslager Auschwitz überlebte.

Das Schicksal von Esther Berajano berührte 200 Besucher im Zentrum für verfolgte Künste. Lesung wurde von Rapmusik begleitet.

Von Daniela Tobias

Den 8. Mai 1945 verbrachte Esther Bejarano in einem kleinen Dorf, wo amerikanische auf russische Truppen trafen. Kurz zuvor war sie mit mehreren Frauen einem Todesmarsch aus dem KZ Ravensbrück entkommen. „Wir sangen und tanzten an dem Abend alle zusammen. Das Bild werde ich nie vergessen“, schilderte sie nun 74 Jahre später in Solingen. „Ich betrachte diesen Tag als meinen zweiten Geburtstag.“

Seit zehn Jahren tourt Bejarano nun schon mit den Rappern der Kölner „Microphone Mafia“ durch Deutschland. Inzwischen sind nur noch ihr Sohn Yoram und Kutlu Yurtseven aktiv dabei. „Wir hätten damals nicht gedacht, dass wir das so lange machen können“, erinnerte sich Yurtseven, der gerade von der Stadt Hilden mit dem Förderpreis Integration für seine dortige Antirassismus-Arbeit ausgezeichnet wurde. Der gebürtige Kölner war Anwohner der Keupstraße als eine rechte Terrorzelle hier 2004 einen Nagelbombenanschlag verübte.

Das Publikum spendete stehend Ovationen

Adrian Scheffels von der Solinger Antifa-Gruppe, die Esther Bejarano zusammen mit der „Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken“ ins Zentrum für Verfolgte Künste eingeladen hatte, betonte, dass Solidarität unter demokratischen Kräften gegenüber faschistischen Gruppen nötiger denn je sei. „Wir dürfen nicht zulassen, dass antisemitische und rassistische Parolen im öffentlichen Raum widerspruchslos hingenommen werden.“

Das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Meistermann-Saal war ebenso bunt gemischt wie das Programm mit Lesung und Musik.

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Immer wieder streute Yurtseven Anekdoten und persönliche Statements ein. Der Brandanschlag von Solingen beschäftigt ihn bis heute. „Frau Genç spricht über Freundschaft und die Überwindung von Hass, aber dann wird eine Integrationsdebatte losgetreten, weil sie sich in ihrer türkischen Muttersprache ausdrückt. Kann man nicht einfach mal darauf achten, was sie zu sagen hat?“

Partisanenlieder und jiddische Weisen verbanden die Musiker mit Rap-Texten, aber auch Schlager wie „Bel Ami“ fanden ihren Platz im Repertoire. „Dieses Lied hat mir das Leben gerettet“, bekannte Esther Bejarano. „Es war damals sehr populär und ich schaffte es, die Melodie auf einem Akkordeon zu spielen, obwohl ich nur Klavier gelernt hatte. So kam ich ins jüdische Mädchen-Orchester von Auschwitz.“ Statt harter körperlicher Arbeit mussten die jungen Frauen den Ankommenden am Bahnhof Harmlosigkeit vorgaukeln. „Das war psychisch sehr belastend.“

BIOGRAFISCH

ESTHER BERAJANO Sie wurde 1924 in Saarlouis als viertes Kind des Kantors Rudolf Loewy geboren. Ihre Eltern überlebten den Holocaust nicht. 1945 ging sie nach Palästina. 1960 kehrte sie mit ihrem Mann und zwei Kindern nach Deutschland zurück.

Heute kann Bejarano das Lied voller Lebenslust zu ihrem „Geburtstagslied“ erklären und versteht ihre Auftritte auch als späte Rache an den Nazis. Das tief beeindruckte Publikum stimmte laut mit ein und spendete stehende Ovationen. Nach einer Zugabe nahm sich Esther Bejarano noch Zeit ihre Biografien zu signieren.

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