Mein Leben als Papa

40 über Nacht: Warum ich meine Midlife-Crises ablehne

Der Papa ist 40. Foto: gf
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Der Papa ist 40.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (2 Jahre).

„Und, wie fühlst du dich?“ Beim 18. Geburtstag habe ich diese Frage noch gerne beantwortet. Volljährig, alleine Auto fahren, das Tor zur Welt stand offen. Beim 30. Geburtstag hatte diese Frage schon einen ironischen Unterton: „Du alter Knacker, du.“ Aber noch mit Zwinkersmiley. Jetzt bin ich 40 geworden. „Der erste ernsthafte runde Geburtstag“, wie mein Chef es ausdrückte. „Wie fühlst du dich?“ hat jetzt eine andere Konnotation. Man will wirklich wissen, wie es mir geht. Ob noch alles okay ist. Ob ich mich wirklich schon alt oder noch jung fühle.

Eine legitime Frage. Schließlich liegt die Lebenserwartung deutscher Männer ungefähr bei 80 Jahren. Rein statistisch ist also Halbzeit und ich hätte mit 40 Jahren ein Recht auf meine Midlife-Crisis.

„Die Zahl beschäftigt dich schon“, hat meine Frau festgestellt. Ich hab es abgestritten, mache mir aber in der Tat ein paar Gedanken. 40 ist so ein unentschlossenes Alter. Und welche Rolle nehmen eigentlich Hannes und Michel ein? Halten Sie mich jung oder lassen sie mich schneller altern?

Meinen Geburtstag zum Beispiel hätte ich diesmal gerne mit einer großen Gartenparty gefeiert. Ging wegen Corona nicht. Das Leben nimmt leider nicht immer Rücksicht darauf, welches „bedeutsame“ Datum gerade ansteht. Also wurde nur im engsten Familienkreis gefeiert.

Die Geschenke? Ebenfalls unentschlossen. Die weichen Geschenke packe ich als erstes aus. Sind ja eh nur Klamotten drin. Das hab ich auch mit fünf Jahren nicht anders gemacht. Ich freue mich über zwei Fußballtore und Wikingerschach für den Garten. Was zum Spielen eben. Und auch was für Hannes und Michel. Aber es gibt auch Whisky und ein Waffeleisen. Sehr erwachsen.

Bei der Feier stehe ich nur die ersten Minuten im Mittelpunkt, dann drehen die Kinder auf und alle mit ihnen durch. Abends bin ich um halb zehn hundemüde und beantworte auf dem Handy nur noch routiniert ein paar Glückwunsch-Nachrichten. Selbst die meisten Ü-60-Jährigen rufen heutzutage ja nicht mehr an. Sind mit 60 eben auch noch nicht alt.

Wie wohl die Gartenparty verlaufen wäre? Hätte ich um halb zehn alle rausgeschmissen? Meine Mutter ruft am nächsten Tag an. Was der Michel für ein lustiger Kerl ist. Wie deutlich der schon spricht. Und dass der Hannes ja jetzt ein richtig gestandener Junge sei. Und ich? Kein Wort über mich.

Meinen Geburtstag hab ich gedanklich auch schon abgehakt. Bald wird Hannes fünf. Und ich freu mich schon richtig auf seine Geschenke. Auf das ferngesteuerte Speedboot. Oder auf die Diskokugel. Da werde ich doch selbst wieder zum Kind. Es gibt nichts Schöneres, als mit seinen Jungs selbst wieder zum kleinen Jungen zu werden. Wer weiß, wie lange ich Hannes beim Fußball noch mit meinem Übersteiger austricksen kann. Wer weiß, wie lange Michel wohl noch über meine profanen Tricks aus dem Zauberkasten staunt. Und wer weiß, wie lange sie es überhaupt noch cool finden, Zeit mit ihrem Papa zu verbringen.

„40 ist doch ein super Alter. Das war bei mir eine richtig schöne Zeit“, sagt die Kollegin, die kürzlich erst mit ihrem 60. Geburtstag haderte. Recht hat sie. Worüber mach ich mir Gedanken? Wie ich mich fühle? Gut fühle ich mich.

Alles hat eben seine Zeit. Das wird mir auch beim Blick in das Fotoalbum klar, das mein Vater für mich zum Geburtstag zusammengestellt hat. Mit Stammbaum der Familie. Hannes und Michel muss ich noch nachtragen.

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