Über 700 Ehrenamtler vermittelt

Vorsitzender Hans-Reiner Häußler hatte selbst die Beratung der Freiwilligen-Agentur in Anspruch genommen. Foto: Christian Beier

GESELLSCHAFT Hans-Reiner Häußler ist Vorsitzender der Freiwilligen-Agentur in Solingen. Sie besteht seit zehn Jahren.

Das Gespräch führte Susanne Koch

Am 29. November 2004 war die Gründungsversammlung der Solinger Freiwilligen-Agentur. Was ist seitdem passiert? Hans-Reiner Häußler: Wir sind größer geworden, und der Bedarf für unsere ehrenamtliche Tätigkeit steigt. Viele Menschen, die heute noch engagiert sind, werden bald aus Altersgründen ausscheiden. Wir brauchen also viele Menschen, die an deren Stelle weitermachen.

ST MONTAGSINTERVIEW

PERSÖNLICHES HALTUNG Dem Vorsitzenden der Solinger Freiwilligen-Agentur macht sein Ehrenamt Spaß, weil es Sinn macht. Außerdem bekämen Helfer oft mehr zurück, als sie überhaupt geben können. Er findet es gut, dass sich immer mehr Männer engagieren. Wie viele Menschen haben Sie in den zehn Jahren beraten und wie viele konnten Sie tatsächlich vermitteln? Häußler: Wir haben über 800 Beratungen durchgeführt. Etwas über 700 haben sich danach engagiert und sind am Ball geblieben. Ist das Bedürfnis, sich zu engagieren, in den Jahren gleich geblieben? Häußler: Nein, wir beobachten schon Veränderungen. Inzwischen sind ein Drittel unserer Klienten Männer. Und in der letzten Zeit kommen auch ein paar Jüngere, die helfen wollen. Das sind allerdings immer noch zu wenige. Froh sind wir darüber, dass wir in diesem Jahr mehr Beratungen durchgeführt haben als in unserem ersten Jahr. Bis heute waren es 135 Personen, in den letzten Jahren waren es jährlich im Schnitt 70. Wir haben dieses Jahr noch einen Beratungstermin am 12. Dezember im Café Finkhäuser in Wald. Wohin vermitteln Sie Interessierte? Häußler: Es gibt im Wesentlichen fünf große Bereiche, in denen Engagement gefragt ist, und wohin wir vermitteln: 1. Kinder, Schule, Jugend; 2. Senioren; 3. Soziales; 4. Kultur und 5. Natur und Umwelt. Seit Kurzem versuchen wir, eine „Feuerwehrtruppe“ aufzubauen, sozusagen „Ehrenamt auf Abruf“. Übrigens bestimmt der Ehrenamtliche, wie häufig er sich einsetzt – sieben Tage die Woche oder eine Stunde im Monat. Wichtig ist uns, dass die Tätigkeit auch passt, damit sowohl der Engagierte als auch die Einrichtung zufrieden sind. Wie machen Sie das? Häußler: Indem wir mit jedem, der sein Interesse bekundet, ein Vorgespräch führen. Darin loten wir genau aus, welche Vorstellungen jemand hat, wie viel Zeit er erübrigen kann, was seine Interessen sind, was er einbringen möchte. Immer wieder kommen auch Ratsuchende, die noch gar keine Vorstellung haben, wofür sie sich engagieren möchten. Ich war auch so einer. Inwiefern? Häußler: Ich war Geschäftsführer des Industrieverbandes für Nichteisenmetalle. Nachdem ich in den Ruhestand gegangen bin, habe ich zuerst ein bisschen zu Hause aufgeräumt, doch dann wollte ich etwas Sinnvolles tun. Ich habe die Beratungsstunde genutzt. Und unser heutiger Ehrenvorsitzender Karl-Willi Bick, der die Freiwilligen-Agentur gegründet hat, schlug mir nach dem Gespräch vor, dass ich mich für die Vermittlungsstelle einsetzen soll. Da ich mich durch mein Berufsleben mit Vereinen auskenne, gerne mit Menschen zusammen bin und gut organisiere, finde ich mich an dieser Stelle richtig eingesetzt. Haben Sie genug Unterstützung? Häußler: Nein, die kann immer größer sein. Wir sind 30 Mitglieder, die zahlen. Zehn davon sind aktiv, sieben in der Beratung. Wir haben laufende Kosten, auch wenn wir kein eigenes Büro betreiben, und Wünsche, für die wir mehr Geld benötigen würden. Wir träumen immer noch von einem kleinem Ladenlokal in der Innenstadt. Dort hätten wir dann ein festes Standbein, mit regelmäßigen Öffnungszeiten, so dass wir auch von spontaner Laufkundschaft aufgesucht werden könnten. Wie ist die Solinger Freiwilligen-Agentur finanziert? Häußler: Wir bekommen weder städtische Zuschüsse noch Zuschüsse von den Wohlfahrtsverbänden, wie das in einigen Städten geschieht. Wir leben von Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Der Beitrag beträgt für Privatpersonen im Jahr 20 Euro. Jetzt haben wir eine Firmen-Mitgliedschaft. Firmen bestimmen den Betrag, den sie zahlen wollen, selbst, mindestens jedoch 100 Euro im Jahr. Für Projekte, etwa Werbung an einem O-Bus, müssen wir nach Sponsoren suchen. Immer wieder sind Ängste von Hauptamtlern zu hören, dass Ehrenamtliche sie ersetzen könnten. Wie stehen Sie dazu? Häußler: Das ist für mich ausgeschlossen. Der Einsatz von Ehrenamtlichen erfordert immer Hauptamtliche. Und viele Tätigkeiten dürfen Ehrenamtliche gar nicht ausüben, etwa in der Pflege. Dienste wie bei der Telefonseelsorge oder im Tumor-Zentrum erfordern gut ausgebildete Ehrenamtliche, die regelmäßig betreut werden und Möglichkeiten bekommen, sich auch ihre Nöte von der Seele zu reden. Das ist ganz wichtig. Ehrenamtliche sind da, um unterstützende Dinge anzubieten, die sonst im Alltagsgeschehen untergehen würden, ein gutes Beispiel sind die Vorlesepaten an den Schulen – oder ganz aktuell die Unterstützung von Flüchtlingen. Was bedeutet Ehrenamt für unsere Gesellschaft? Häußler: Der freiwillige Einsatz ist der Kitt, der alles zusammenhält. Stellen Sie sich vor, das Ehrenamt würde morgen eingestellt. Es gäbe keine Übungsleiter in den Sportvereinen mehr, weniger Chormusik, es fehlten Rettungskräfte, die Freiwillige Feuerwehr . . . Die Liste lässt sich endlos fortsetzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Mordprozess Hasseldelle: Gutachter stufen Angeklagte als voll schuldfähig ein
Mordprozess Hasseldelle: Gutachter stufen Angeklagte als voll schuldfähig ein
Mordprozess Hasseldelle: Gutachter stufen Angeklagte als voll schuldfähig ein
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
Wer erkennt das Gebäude?
Wer erkennt das Gebäude?
Wer erkennt das Gebäude?
„Wald leuchtet“ begeistert im Stadtpark – Fluthelfer eingeladen
„Wald leuchtet“ begeistert im Stadtpark – Fluthelfer eingeladen
„Wald leuchtet“ begeistert im Stadtpark – Fluthelfer eingeladen

Kommentare