Andacht

Trotz Reisestress tut so eine Auszeit doch gut

Etwas anderes sehen – daraus kann man Kraft schöpfen, sagt Stadtdechant Michael Mohr.
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Etwas anderes sehen – daraus kann man Kraft schöpfen, sagt Stadtdechant Michael Mohr.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute: der katholische Stadtdechant Michael Mohr

Liebe Leserinnen

und Leser,

Wo lesen Sie diese Zeilen gerade? Zu Hause oder im Urlaub? Beim Frühstück oder schnell mal zwischendurch? Analog auf raschelndem Papier oder digital auf dem Tablet? In diesem Sommer sind sicher wieder viele unterwegs. Wie schön ist es, dass das wieder geht! Trotz allem Stress des Reisens tut doch so eine Auszeit gut. Egal, ob exotisch weit weg oder regional, egal, ob als Familienbesuch in der alten Heimat oder Erkundungstour auf neuen Wegen: Statt immer nur dasselbe zu tun bei der Arbeit oder im Haushalt, einfach mal durchatmen und entspannen. Etwas anderes sehen oder etwas Bekanntes anders sehen. Das tut gut und daraus schöpft man Kraft.

Im Evangelium wird von Maria und Marta, zwei Schwestern, erzählt, die zwei ganz unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Maria ist ganz beschäftigt damit, alles parat zu machen für den Besuch von Jesus bei den Schwestern: So viel ist zu tun, vor allem, wenn man sich bewusst ist, welchen Stellenwert Gastfreundlichkeit in der Heimat Jesu hatte und hat. Da muss alles blitzen und blinken, da muss der Tisch reich gedeckt sein. Ihre Schwester Marta ist das Gegenteil: Sie setzt sich zu Jesus hin und hört einfach zu. Und sie ist fasziniert von seinen Worten, und ich spüre, wie sehr sie aus diesen Worten Kraft schöpft.

Maria stellt dann die Frage, die wohl vielen auch durch den Kopf geht: Jesus, kannst Du meiner Schwester nicht sagen, dass sie auch mal was im Haushalt tun soll? Damit hat sie recht, oder hätten Sie nicht auch erwartet, dass Jesus sich dieser Bitte anschließt?

Aber Jesus sagt etwas ganz anderes. Er stärkt Marta in ihrer Entscheidung, ihm zuzuhören. Auf den ersten Blick wundere ich mich. Aber dann merke ich, wie viel Kraft Marta aus Jesu Worten schöpft. Jesus sagt dazu: „Nur eines ist notwendig“. Und ich finde, er hat recht. Denn das geschäftige Treiben ist, so wichtig es ist, eben nur das: geschäftiges Treiben. Aber da ist noch etwas Wichtigeres, etwas Tieferes in meinem Leben: Gott. Deshalb frage ich mich: Brauche ich nicht auch solche Auszeiten? Solche Zeiten des „Auf-Gott-Hörens“? Einfach, damit ich wieder auftanken kann und Raum habe, um den Alltag zu schaffen oder um neue Ideen zu haben. Und um das wirklich Wichtige in meinem Leben zu entdecken?

Ferien und Urlaub sind Auszeiten, die dazu Gelegenheit geben. In den Ferien oder im Urlaub können wir vom ewigen Tun oder Funktionieren ins Still-Werden und Hören kommen. Allerdings ist das viel einfacher gesagt als getan: Der Job ist dann doch noch ein, zwei Tage länger im Kopf. Die Familienkoffer müssen gepackt werden, alles Wichtige muss mit. Ist an alles gedacht, die Zimmerpflanzen versorgt? Aber vor allem braucht es auch Mut, den Alltag und den Betrieb hinter sich zu lassen. Es braucht Mut zur Stille, zur Leere. Denn das muss man aushalten können. Glauben Sie nicht? Dann setzen Sie sich einfach mal zu Hause für 10 Minuten hin, Handy, Internet, Fernseher, Radio und so weiter ausgeschaltet. Das klingt viel einfacher, als es wirklich ist.

Michael Mohr

Aber: Wir brauchen diesen Mut, sich Zeiten der Leere, der Stille und des Hörens zu gönnen! Nur so können wir wirklich Kraft schöpfen für den Alltag nach dem Urlaub, wenn wieder alles laufen muss: Wenn die „Maria“ in uns wieder das Kommando übernimmt und die „Marta“ in uns zurücktritt bis zur nächsten Auszeit.

Ihr Pastor

Michael Mohr

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