Pandemie

Trotz Corona: Altenheime wollen Kontakt ermöglichen

Am Eingang des St. Joseph Altenheimes an der Langhansstraße werden die Besucher registriert. Die Temperatur wird gemessen. Foto: Tim Oelbermann
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Am Eingang des St. Joseph Altenheimes an der Langhansstraße werden die Besucher registriert. Die Temperatur wird gemessen.

Angehörige können die Bewohner weiterhin besuchen.

Von Timo Lemmer

Solingen. Die Einschnitte für Senioren- und Pflegeeinrichtungen waren in der ersten Corona-Hochphase heftig – vor allem auch für die Bewohner. „Im ersten Lockdown waren Besuche nicht zulässig“, weiß Peter Knoch. Der Geschäftsführer der Altenzentren der Stadt Solingen handelte damals mit seinen Mitarbeitern: Besucherzimmer mit Acrylglasscheiben sowie Gegensprechanlagen ermöglichten eine Rückkehr der Besucher – und zwar kontaktlos.

Die Zimmer existieren in den drei städtischen Einrichtungen Gerhard-Berting-Haus, Elisabeth-Roock-Haus und Eugen-Maurer-Haus weiterhin. Nur: Sie sind quasi verwaist. Denn mit der seit November-Beginn erneut verschärften Schutzverordnung sind die Besuchsregelungen diesmal nicht gekippt. Besucher können die Bewohner diesmal also ganz regulär weiter empfangen.

Knoch findet das nicht unbedingt glücklich. „Ehrlich gesagt würden wir das Ganze gerne analog zu den Krankenhäusern etwas einschränken.“ Das Land sieht das anders. Knoch geht mit, dass die psychische Gesundheit der Bewohner im Vordergrund stehen soll: „Und zwar deutlich.“ Aber: „Ein wenig einzuschränken wäre trotzdem besser.“

„Das imponiert mir.“
Petra Krötzsch, Verein Lebensherbst

Besuche finden derweil natürlich unter strengen Auflagen statt, erläutern Knoch und Cerstin Tschirner als Sprecherin der Kplus Gruppe. Alle Besucher werden gescreent, das Fieber wird gemessen, die sonst gängigen Maßnahmen werden angewandt, und alle Besucher werden bis ins entsprechende Zimmer geleitet – sofern man nicht ohnehin gemeinsam an die Luft geht. Knoch: „Nur wenige Ausnahmefälle nutzen noch die Besuchszimmer. Die Regelung lautet im Moment ein Besuch für eine Stunde pro Tag.“

Tschirner, zu deren Gruppe unter anderem die Seniorenheime St. Lukas und St. Joseph gehören, bringt die momentane Devise auf den Punkt: „Wir versuchen alles, damit beides gelingt: Besuch der Lieben zu ermöglichen und den notwendigen Schutz der Bewohner zu gewährleisten.“ Dazu gehört auch, dass Angehörige den Besucherkreis eingrenzen: „Wir bitten jeden Besucher, sich der Verantwortung bewusst zu sein und die Notwendigkeit des Besuches abzuwägen und die Zahl der Besucher auf ein, zwei wichtige Bezugspersonen des Bewohners zu begrenzen. Dieser Bitte kommen die Angehörigen auch nach.“

Sowohl im St. Joseph Altenheim als auch im St. Lukas Pflegeheim können Bewohner täglich für eine Stunde zwei Personen empfangen. Wie bei den städtischen Einrichtungen gilt: kein Aufenthalt in öffentlichen oder Gemeinschaftsräumen.

Ganz nah am Geschehen ist auch Petra Krötzsch. Die selbstständige PR- und Eventmanagerin engagiert sich als ehrenamtliche Geschäftsführerin im Verein Lebensherbst. Im ersten Lockdown half der deutschlandweit und ganz stark auch in Solingen mit Aktionen wie kostenlosen Tablets für Einrichtungen oder Telefonpatenschaften. Ganz aktuell ist die Ausgabe von Virtual-Reality-Brillen, mit denen Senioren virtuelle Ausflüge machen können.

Krötzsch: „Beim eng dokumentierten Pilotprojekt in Bethanien haben wir festgestellt, dass alle Senioren ihre Freude daran hatten. Das Projekt ist nicht nur wichtig für Ablenkung, sondern vor allem für die Erinnerungsarbeit. Es hilft sehr, jetzt, wo die Senioren noch eingeschränkter sind als ohnehin schon.“

Petra Krötzsch und der Verein haben in dieser Woche in Solingen die drei städtischen Einrichtungen unter Peter Knochs Leitung bedacht. Krötzsch sagt: „In allen Solinger Einrichtungen wird sich mit großer Fürsorgepflicht um jeden Einzelnen gekümmert. In Solingen wird sich damit riesig Mühe gegeben.“ Die Mitarbeiter würden einen Balanceakt zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit der Bewohner bei gleichzeitiger Mehrbelastung stemmen: „Das imponiert mir.“

Altenzentren

In den drei Altenzentren der Stadt Solingen, die Peter Knoch führt, gibt es momentan null infizierte Bewohner. Knoch: „Fünf Mitarbeiter, die negativ getestet wurden, sind in Quarantäne. Drei Mitarbeiter, die positiv getestet wurden, ebenfalls.“ So der Stand unmittelbar vor dem Wochenende.

Standpunkt

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Anja Kriskofski

Die Kontaktbeschränkungen im Frühjahr haben Spuren hinterlassen. Viele Menschen konnten ihre betagten Angehörigen in Seniorenheimen wochenlang nicht sehen oder ihnen allenfalls von draußen zuwinken. Bei Demenzerkrankten ist das besonders schwierig. Schon nach einem kurzen Zeitraum ohne persönlichen Besuch erkennen sie selbst nächste Verwandte nicht mehr. Es ist deshalb die richtige Entscheidung der Politik, dass Kontakte diesmal möglich bleiben sollen. Doch angesichts steigender Infektionszahlen bleibt es eine Gratwanderung: Für alte Menschen ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus lebensbedrohlich. 

Die Verantwortlichen und Pflegekräfte in den Solinger Seniorenheimen tun alles, um das Risiko für ihre Bewohner so gut wie möglich zu minimieren. Und auch Angehörige dürften größte Vorsicht walten lassen, um ihre Lieben zu schützen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat nun angekündigt, dass Altenheime ab dieser Woche bevorzugt Corona-Schnelltests bekommen sollen. Hoffentlich funktioniert diese Zuteilung auch wie geplant. Für Bewohner, Angehörige und Pflegekräfte wäre das eine große Erleichterung.

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