Die Woche von Stefan M. Kob

Trauerspiel Förderschule: Bessere Lösung muss her

stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Eltern und Lehrerverbände müssen jetzt mit der geplanten Aufteilung auf drei Standorte klarkommen.

Es fällt wirklich schwer, nicht von einem Komplettversagen des Rathauses zu sprechen, wenn ein Schulgebäude über ein Jahr lang geschlossen bleibt, weil es energetisch saniert wird, und man kurz vor der Rückkehr der Klassen plötzlich feststellt, dass man gar nicht genug Raum für alle Schüler hat. So geschehen in der Erika-Rothstein-Förderschule.

Die ziemlich hilflose Erklärung der Stadt, man sei von steigenden Anmeldezahlen überrascht worden, kann die betroffenen Eltern und Lehrerverbände zu Recht nicht zufriedenstellen. Die dürfen jetzt sehen, wie sie mit der geplanten Aufteilung auf drei Standorte klarkommen. Daran ändert auch die jetzt gefundene „Lösung“ nichts. Die ärgerliche Panne wiegt umso schwerer, da es sich bei der Schule um eine Einrichtung für Kinder mit besonderem Förderbedarf handelt. Da darf man getrost davon ausgehen, dass die Eltern dieser Schüler im Alltag ohnehin nicht ganz einfache Aufgaben mit ihren Sprösslingen zu bewältigen haben. Und gerade von diesen Kindern sind viele auf feste Bezugspersonen und einen festen Ort angewiesen.

Besonders bitter ist schulpolitisch zudem, dass die Förderschulen in der Vergangenheit sowieso schon um ihre Existenz zu kämpfen hatten. Denn aus ideologischen Gründen hatte die frühere rot-grüne Landesregierung die Förderschulen von der schulischen Bildfläche verschwinden lassen wollen – ungeachtet derer bewundernswerter und extrem wichtiger pädagogischer Arbeit. Nach dem Motto, „wir sind doch alle gleich”, passte eine angeblich stigmatisierende Anstalt nicht ins inklusive Weltbild. So wurde eine gute Förderschule nach der anderen geschlossen – und dass, obwohl sich bald abzeichnete, dass alle Seiten mit der Idee einer brachialen Inklusion heillos überfordert waren: die Regelschulen, die Lehrer, die Eltern und nicht zuletzt die Schwächsten in dieser Gliederkette, die Schüler, deren besonderer Förderbedarf nicht mehr adäquat erfüllt werden konnte. Daher ist es kein Wunder, dass die Anmeldezahlen für diese Schulform offenbar wieder erheblich steigen.

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Nicht die Förderschulen wurden abgeschafft, sondern die rot-grüne Landesregierung. Der Wähler hatte sie nicht zuletzt wegen der abgehobenen ideologischen Schulpolitik abgestraft, weshalb deren prominenteste Vertreter, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihre grüne Stellvertreterin, die Solinger Sylvia Löhrmann, in der Versenkung verschwanden.

Man tut der verantwortlichen Schuldezernentin Dagmar Becker sicherlich Unrecht, wenn man ihr aufgrund der grünen Parteizugehörigkeit unterstellen würde, dass sie sich innerlich immer noch nicht von diesen überkommenen Überzeugungen gelöst hätte. Aber gerade deshalb sind sie und ihre Schulverwaltung jetzt in der Pflicht, bessere Lösungen zu finden als die jetzige mit drei Standorten. Hier sind jetzt auch die Politiker gefragt, die in der Vergangenheit den rot-grünen Inklusions-Holzweg gegeißelt und sich für die Förderschule ausgesprochen haben. Sie müssen Druck machen und den Worten Taten folgen lassen.

TOP Solingen liegt mit Ausbau des schnellen 5G-Netzes weit vorne.

FLOP Schlechtes Corona-Krisenmanagement: Tüv schließt für acht Wochen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest
Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest
Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest
Focher Straße: Im dritten Anlauf wird das Haus abgerissen
Focher Straße: Im dritten Anlauf wird das Haus abgerissen
Focher Straße: Im dritten Anlauf wird das Haus abgerissen
Radfahrer nach Zusammenstoß  verletzt
Radfahrer nach Zusammenstoß verletzt
Radfahrer nach Zusammenstoß verletzt

Kommentare