Tosender Applaus für musikalischen Thriller

Start der neuen Reihe „Broadway-Fieber“

Von Jutta Schreiber-Lenz

Der tosende Applaus nach gut zwei Stunden war verdiente Zustimmung und Belohnung für einen großartigen Kulturabend, für das Publikum aber auch notwendige Rückkehr in die Wirklichkeit – und Abgrenzung vom beklemmenden, wenn auch faszinierenden Bühnengeschehen. Im halb gefüllten – nach Schachbrettmuster-Konzept also ausverkauftem – Konzertsaal spielten die Protagonisten der Bühne „Offstage“ das Musical „Thrill me“ von Stephen Dolginoff in einer dunklen Guckkasten-Kulisse mit nichts als schwarzen Vorhängen und einem beleuchtbaren großen Kubus als Requisite.

Das Musical basiert auf einem wahren Kriminalfall im Chicago der 20er Jahre, der Wellen schlug, weil zwei gut situierte Jura-Studenten – im Stück Nathan Leopold und Richard Loeb – einen 14-Jährigen in ein geliehenes Auto lockten und bestialisch umbrachten. Sie wollten beweisen, dass sie im Sinne Nietzsches als „Übermenschen“ über Gesetz und gängiger Moral stehen.

Das Stück ließ seine Zuschauer nahezu pausenlos blankes Entsetzen atmen. Zwei zeitliche Ebenen – die Anhörung des nach 34 Jahren vor seiner Begnadigung stehenden Nathan und seine Erinnerung an damals – wechselten sich auf der Bühne ab, kenntlich gemacht nur durch Licht: Gleißend kaltes für die Gefängnis-Szenen und wie in Sepia-Tönung gehaltene Beleuchtung für die Rückschauen.

Neben den Darstellern Michael Heller (Richard Loeb) und Kevin Köhler (Nathan Leopold), die das voneinander abhängige, sich verfallene Duo beklemmend authentisch gaben, spielte Pianistin Lidia Kalendareva am Flügel eine ebenso große Rolle. Eine unkonventionelle Bespielung durch gezupfte oder mit der Hand geschlagene Saiten, brutales Zuschlagen des Tastaturdeckels oder Klopfen auf dem Holzrahmen schufen verstörende und der buchstäblich unfassbaren Grundstimmung entsprechende Ton-Effekte. Starke Gesangsstimmen und ausgeklügelte Licht-Technik trugen dazu bei, dass das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute in das Bühnengeschehen hineingesaugt wurde.

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