„Mensch, ich muss mal“

Toiletten-Projekt wird in Solingen nicht fortgeführt

Die öffentliche Toilette am Neumarkt in Solingen ist eine von fünf im Stadtgebiet.
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Die öffentliche Toilette am Neumarkt in Solingen ist eine von fünf im Stadtgebiet.

Der Grund: mangelnder Zuspruch bei „Mensch, ich muss mal“. In Solingen gibt es nur fünf öffentliche Toiletten.

  • Seniorenbeirat hatte das bundesweite Projekt „Nette Toilette“ gestartet.
  • Neues Projekt trägt den Namen „Mensch, ich muss mal“.
  • Ein großes Problem der öffentlichen Toiletten ist Vandalismus.

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. Passanten können in der Innenstadt in jedem Geschäft auf die Toilette gehen. Alle 500 Meter gibt es ein öffentliches Klo – was nach einer guten Idee klingt, ist so nicht umsetzbar. „Es ist schwierig“, sagen sowohl Herbert Gerbig, Seniorenbeiratsvorsitzender, als auch die Stadt Solingen.

Bereits 2014 hat der Seniorenbeirat das bundesweite Projekt „Nette Toilette“ gestartet. Der Grund dafür: „Wenn wir in der Innenstadt einkaufen sollen, brauchen wir eine Möglichkeit, auf die Toilette zu gehen. Vor allem für Senioren und Kinder ist das notwendig“, erklärt Gerbig. Das Prinzip von „Nette Toilette“ ist einfach. Geschäfte öffnen ihre Klos sowohl für Kunden als auch für Nicht-Kunden und signalisieren dies mit einem kleinen Aufkleber im Schaufenster.

Der Zulauf in Solingen war allerdings schleppend. Deshalb hat der Beirat im vergangenen Jahr ein neues Projekt gestartet. Es trägt den Namen „Mensch, ich muss mal“. Dafür sind bereits Aufkleber fertig. Allerdings hat sich die Lage trotz aktiven Zugehens auf die Geschäfte und Gastronome nicht geändert: „Wir machen erstmal Pause. Nach Neuwahlen des Seniorenbeirates im März machen wir eventuell weiter. Jetzt nutzt es nichts mehr“, erklärt Gerbig.

Eine geringe Beteiligung bei der neuen Aktion gäbe es aber. „Es machen Geschäfte mit, aber es sind nicht genug“, sagt Gerbig. Das liege zum einen an der Angst vor Verschmutzung und zum anderen an der Lage der Toilette. „Es ist nicht möglich, alle Menschen, die auf die Toilette möchten, ins Lager zu lassen. Vor allem nicht alleine“, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Gegen das erste Problem hat der Seniorenbeirat sogar Möglichkeiten vorgeschlagen. Man wäre bereit ein oder zweimal in der Woche einen Reinigungsservice anzubieten, sagt Gerbig. Außerdem gebe es auch Aufkleber, die einen Gebührenhinweis haben, falls Geschäfte etwas dafür verlangen wollen. Auch das sei legitim, sagt der Beiratsvorsitzende. Obwohl viele Geschäfte den Aufkleber nicht anbringen wollen, zeigen sie Bereitschaft. Bei vielen hieße es, dass Kunden und Nicht-Kunden auf Nachfrage die Toilette nutzen können.

Seniorenbeirat bekommt Unterstützung von der Stadt Solingen

Die Stadt hat im ganzen Gebiet verteilt drei öffentliche Toiletten: Ein vollautomatisches WC-Häuschen steht am Breidbacher Tor in der Innenstadt, die anderen beiden Toiletten in Ohligs am Bremsheyplatz und im Müngstener Brückenpark. Diese sind alle behindertengerecht. Zwei davon sind rund um die Uhr benutzbar. Die Toilette in Müngsten nur in der Zeit von 8 Uhr bis 20 Uhr.

Zwei weitere öffentliche Toiletten gibt es am Neumarkt und am Bahnhof Mitte. Diese sind von der Stadt Solingen in Auftrag gegeben, werden aber von einem externen Betreiber instand gehalten. „Eine weitere öffentliche Toilette ist nicht geplant“, erklärt die Stadt.

Ein großes Problem der öffentlichen Toiletten ist Vandalismus, der immer häufiger vorkommt.

Die Stadt Solingen unterstützt den Seniorenbeirat mit einem Brief vom Oberbürgermeister, trotzdem gibt es weiterhin wenig Zulauf. Neben den öffentlichen Toiletten der Stadt und den externen Betreibern sind vier weitere öffentlich zugänglich, allerdings nur während den jeweiligen Öffnungszeiten. Dazu zählen der Hofgarten (8 bis 21 Uhr), die Sparkasse (9 bis 18 Uhr), das Rathaus (8 bis 16.15 Uhr) sowie das Finanzamt (Montag bis Mittwoch, 7.30 bis 12 Uhr, Donnerstag, 7.30 bis 17 Uhr, Freitag geschlossen).

„MENSCH, ICH MUSS MAL“

MITMACHEN Obwohl das Projekt derzeit nicht aktiv verfolgt wird, freut sich der Seniorenbeirat über Mitmachende und Interessierte. Mehr Informationen und die passenden Aufkleber erhalten sie beim Seniorenbeirat unter der Rufnummer Tel. 2 90 52 45.

PROJEKT Das Projekt „Nette Toilette“ ist ein bundesweites Projekt, bei dem Einzelhandelsgeschäfte und Gaststätten mit Aufklebern signalisieren, dass auch Nicht-Kunden die Toilette nutzen können. Insgesamt nehmen über 270 Städte daran teil. Wo sich die Toiletten befinden, zeigt eine interaktive Karte online.

die-nette-toilette.de

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