Energie

Tipps für die Nutzung von Solarstromanlagen

Energieberater Florian Bublies kennt sich in allen Fragen rund um die Solar- und Photovoltaiktechnik aus. In der Verbraucherzentrale gibt es Beratungsangebote.
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Energieberater Florian Bublies kennt sich in allen Fragen rund um die Solar- und Photovoltaiktechnik aus. In der Verbraucherzentrale gibt es Beratungsangebote.

Energieberater Florian Bublies erklärt, worauf Verbraucher bei erneuerbaren Energien achten müssen

Von Alexandra Dulinski

Soliingen. Photovoltaiktechnik und die Produktion von nachhaltigem Strom liegen im Trend. Die Nachfrage nach Solarstromanlagen steigt in Solingen, wie Energieberater Florian Bublies von der Verbraucherzentrale bestätigt. Wir geben einen Überblick darüber, was bei der Anschaffung einer Solaranlage beachtet werden muss.

Woher weiß ich, ob sich mein Dach für eine Solaranlage eignet?

Über Luftaufnahmen lasse sich schon vieles über die Ausrichtung des Hauses und die davon abhängige Sonneneinstrahlung feststellen, berichtet Bublies. Noch genauer sind sogenannte Solarkataster, die auf Geodaten zugreifen können und anzeigen, wie gut ein Gebäude geeignet ist. Auch gibt das Solarkataster Auskunft über den möglichen Ertrag, die mögliche installierbare Leistung der Solarmodule und die CO2-Einsparung. Die Stadt Solingen betreibt ein eigenes Solarkataster mit Unterstützung der Dachdecker- und Elektrikerinnung.

Welche Rolle spielt die Ausrichtung des Dachs?

Grundsätzlich eignen sich sowohl Süd-, als auch West- und Ostdächer. Wenn das Dach nach Süden ausgerichtet ist, werde in der Mittagszeit – gerade im Sommer – oftmals viel mehr Strom erzeugt, als verbraucht wird, erklärt Bublies. Eine Ost-West-Dachausrichtung hingegen erzeuge zwar weniger Strom in der Jahresbilanz, es werden aber dafür auch weniger große Lastspitzen zur Mittagszeit erzielt. Daher entstehe für die Eigenstromnutzung ein eher positives Verhältnis. Wird der Strom nicht direkt selbst verbraucht, müsse er ins Netz eingespeist werden. Der Netzversorger vergütet den Strom mit derzeit rund 8,6 Cent je eingespeister Kilowattstunde. Auch wenn es Geld für die Einspeisung des Stroms gibt, sollte der Hausbesitzer möglichst viel selbst verbrauchen, „um den Strombezugspreis nicht zahlen zu müssen“, sagt Bublies. Zum Vergleich: Kaufe man Strom ein, koste eine Kilowattstunde zwischen 28 und 30 Cent. Der Preis für eingekauften Strom liegt somit deutlich höher als der Gewinn aus der Einspeisung. Geräte wie Waschmaschinen, Trockner und Spülmaschinen sollten deswegen tagsüber laufen. Auch aus diesem Grund spreche derzeit viel für Ost-West-Dächer. Denn dort habe der Verbraucher den Vorteil, mehr Strom selbst nutzen zu können.

Wie viel Strom kann ich selbst nutzen?

„Es ist ein Irrglaube, dass der Anteil an Eigenstromnutzung sehr hoch ausfällt“, erklärt der Energieberater. Wenn die Anlagengröße den Gesamtjahresverbrauch abdecke, könne man nur etwa 30 Prozent des erzeugten Stroms selbst nutzen. Die Erzeugung der Solarenergie auf dem Hausdach sei in den meisten Fällen nicht deckungsgleich mit dem Verbrauch in den Haushalten. In Deutschland liegen die Stromspitzen bei Privathaushalten oftmals in den Morgen- und Abendstunden. Zudem komme es aufgrund der dunklen Jahreszeit eher im Winter zu einem erhöhten Stromverbrauch. „Gerade zu diesen Zeiten liefert die Photovoltaikanlagen wenig bis gar keinen Strom“, sagt Bublies.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Wie teuer eine Anlage ist, hängt von ihrer Leistung ab. Gerechnet wird dabei in Kilowatt-Peak (kWp). „Die Peakleistung gibt an, wie hoch die Spitzenleistung der Module ist“, erklärt Bublies. Bei Anlagen bis 10 kWp müsse man mit einem Preis von 1700 bis 2000 Euro pro Kilowatt-Peak rechnen. Ein Rechenbeispiel: Eine Familie in einem Einfamilienhaus hat einen Jahresstromverbrauch von 4000 Kilowattstunden. Die Dachfläche – bei optimaler Südausrichtung – soll diese Menge an Strom erzeugen können. Die Anlage muss somit eine Leistung von etwa 4,5 Kilowatt-Peak haben, um 4000 Kilowattstunden im Jahr erzeugen zu können. Bei 2000 Euro je kWp liegen die Kosten der Anlage bei 9000 Euro.

Was kann ich tun, um mehr Strom selbst zu nutzen?

Ein Batteriespeichersystem kann die Eigenstromquote – mehr als die 30 Prozent – steigern. Dabei wird der erzeugte Stromüberschuss tagsüber in den Speicher geschoben. „Zu einer anderen Tageszeit – auch nachts beziehungsweise im Dunkeln – ziehe ich dann den Strom raus“, so Bublies. Je nach Batteriegröße könne die Eigennutzung somit auf bis zu 60 Prozent steigen. Bislang seien diese Batteriespeicher jedoch noch teuer. Mit 5000 bis 6000 Euro müsse man bei einer Leistung von 4 Kilowattstunden rechnen. „Die Tendenz ist da, dass das auf dem Markt schnell günstiger werden kann“, sagt Bublies.

Was muss ich bei der Versicherung beachten?

Florian Bublies rät dem Verbraucher zu zwei Versicherungen. „Einmal sollte die Gebäudeversicherung um die Photovoltaikanlage aufgestockt werden.“ Zum anderen solle man – standortabhängig – die Haftpflichtversicherung erweitern, damit Schäden abgedeckt sind, die entstehen können, wenn bei Sturm ein Modul vom Dach fallen sollte.

Was muss ich bei der Steuer beachten?

Unter einem Verbrauch von 10 Kilowatt-Peak, kann der Verbraucher wählen, ob er als Privatperson oder Kleinstunternehmen gelistet werden möchte. „Als Kleinstunternehmen kann ich die Anlage abschreiben und bekomme die Umsatzsteuer zurück“, erklärt Bublies. Allerdings müssen alle Gewinne versteuert und gegebenenfalls auch die Gewerbesteuer gezahlt werden. „Das sollte man einmal mit einem Steuerberater durchspielen.“

Solarkataster

Solarkataster: Den Solarkataster gibt es für Solingen und Nordrhein-Westfalen und ist online zu finden:

Solingen: https://t1p.de/27zz

NRW: https://t1p.de/hpnj

Größe: Die Leistung eines Kilowatt-Peaks entspricht etwa einer Anlagenfläche von fünf bis sechs Quadratmetern.

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